Ausstellungen

Archäologie und Erinnerung

Spurensicherung

6. April - 19. Mai 1974

Anne und Patrick Poirier, Die Stadt
Christian Boltanski, Verzeichnis der Gegenstände für den künftigen Fonds Christian Boltanski im Archäologischen Museum zu Dijon

Didier Bay, Christian Boltanski, Jürgen Brodolf, Claudio Costa, Nikolaus Lang, Anne und Patrick Poirier

Die Gruppenausstellung zeigt eine Auswahl von zeitgenössischen KünstlerInenn, die sich Archäologie und Ethnologie als Bezugspunkte ihrer Arbeit gewählt haben. Die Begriffe werden in einem weit gefassten Verständnis gebraucht: die römische Archäologie, die Ethnologie fremder Kulturen, das Archäologie-Verständnis des 19. Jahrhunderts, die Archäologie der eigenen Umgebung, die Archäologie der eigenen Person. In der Presse fand die Ausstellung, die auch in der Städtischen Galerie München gezeigt wurde, ein weites und konträres Echo. Für die Badische Zeitung schien "alles fast zur Beliebigkeit austauschbar", für Die Zeit versammelte die Ausstellung "Beispiele unergiebiger Photo- und Sachdokumentationen" wohingegen die Süddeutsche Zeitung in der neuen Tendenz mehr als nur einen kurzzeitigen Trend erkennt: "Die Spurensicherung blüht. Dort, wo sie auf den Mehrwert der Phantasie nicht verzichtet, wohl noch über diesen Sommer hinaus." (Laszlo Glozer)

Im Katalog zur Ausstellung positioniert Günter Metken, Co-Kurator neben Uwe M. Scheede, den "neuen Trend" mit folgenden Worten: "Der Vorwurf unpolitisch zu sein geht offenbar an dieser Kunst vorbei, da sie das Politische auf übergreifende Formen des Zusammenseins ausweitet. Aber ist es überhaupt "Kunst"? Diese zerbröselnden Dinge tragen den Zweifel am fertigen "Werk" und seinem Anspruch schon in sich. Sie sind miserabel, vergänglich, banal: Spuren und nicht mehr. Sie illustrieren eine gewisse Vergeblichkeit des eigenen Tuns, aber gerade diese Armseligkeit macht aufmerksam. Weniges kann viel bewirken ... zumal wir an dem Punkt stehen, da sich fast alle gewohnten Zusammenhänge auflösen, seien sie familiärer, sozialer, geistiger Natur. Insofern scheint das Tun dieser Leute, das seine formalen Reize aus Herbarien, Archiven, Inventaren, naturwissenschaftlichen und archäologischen Berichten bezieht, entschieden künstlerisch zu sehen."