Ausstellungen

Gemälde und Zeichnungen 1950 - 1974

Willi Sitte

12. April - 18. Mai 1975

Willi Sitte

Mit der Retrospektive des DDR-Malers Wille Sitte zeigte Uwe M. Schneede ein weiteres Mal eine künstlerische Position, an der sich die gesellschaftliche Funktion von Kunst ablesen lassen konnte. Als Vertreter des Sozialistischen Realismus und Präsident des Verbands bildender Künstler in der DDR steht Willi Sitte für eine Malerei, die sozialistische Ideale thematisiert. Doch sein Stil ist nicht der einer holzschnittartigen Propagandakunst, sondern vielmehr ein Verarbeiten historischer und zeitgenössischer Tendenzen, die an Pablo Picasso, Fernand Léger, Lovis Korinth, Max Slevogt und zeitgenössische abstrakte Entwicklungen anknüpfen. Als erste Ausstellung eines DDR-Künstlers in Westdeutschland kann die Willi Sitte Retrospektive als Anfangspunkt einer reflektierten Beschäftigung mit der Kunstproduktion der DDR gesehen werden.

In dem sehr breiten Medienecho der Ausstellung wurden Sittes Bilder als wuchtig und plagiierend empfunden, die Bedeutung der Ausstellung in der BRD jedoch positiv bewertet. "Die Bedeutung der Ausstellung (...) liegt nicht in der Information über den Maler aus Halle, sondern in der Information über die Andersartigkeit einer Kunst, die auf der Basis eines anderen Gesellschaftssystems entstanden ist."  (Hannoversche Allgemeine Zeitung, 17.04.1975) 

Ganz anders sahen das die Bild, das Hamburger Abendblatt und Die Welt, die den Kunstverein, und besonders seinen Direktor Uwe M. Schneede, scharf kritisierten. Für das Abendblatt war die Ausstellung "Schleichwerbung für den Sozialismus" (7.5.1975), vor allem deswegen, weil sie erst durch eine Zusammenarbeit des Kunstvereins und der DKP zustande kommen konnte. Dass diese Zusammenarbeit allerdings nicht besonders freundschaftlich und kooperativ verlief, kann an der im Kunstverein archivierten Korrespondenz nachvollzogen werden.

Nach den vorhergegangenen politisch orientierten Ausstellungen wie "Kunst im 3. Reich" und "Alternativen" stellte die Willi Sitte-Ausstellung eine große Provokation für viele konservative Vereinsmitglieder dar. Als es am 12. Mai in einer Mitgliederversammlung zum Eklat kam, wurde die Hälfte des Vorstandes abgewählt und durch erheblich jüngere Vereinsmitglieder ersetzt. Nach diesem Ereignis traten 31 prominente Mitglieder aus dem Verein aus. Für Die Welt hatten "im Kunstverein jetzt die Linken das Sagen" (14.5.1975) und ihr Kulturredakteur Günter Zehm forderte den Rücktritt des Direktors mit den martialischen Worten „ "...es ist ein sichtbares Opfer notwendig. Aber dieses Opfer kann nur der Kopf von Kunstvereinsdirektor Schneede sein." (5.6.1975)

Die ideologische Krise konnte schnell behoben werden, Uwe M. Schneede blieb noch bis 1985 in seinem Amt und realisierte mit der Ausstellung "Zeitgleich BRD –DDR" eine weitere wichtige Ausstellung zum Thema.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen. (vergriffen)