Ausstellungen

Das veränderte Selbstverständnis von Künstlern

Eremit? Forscher? Sozialarbeiter?

14. Juli - 26. August 1979

Vito Acconci
Braco Dimitrjevic, Triptychos Post Historicus, Van Abbe Museum Eindhoven, 1979

Ende der 1970er Jahre bot sich für den Kunstverein, das Kunsthaus und einer Gruppe von Künstlern die Möglichkeit, das Selbstverständnis des zeitgenössischen Künstlers innerhalb eines Ausstellungsprojekts zu befragen. Diesem Projekt vorausgegangen war eine "Stellungnahme zur kulturpolitischen Situation der bildenden Kunst in Hamburg", in der Hamburger Künstler eine Verbesserung der kulturellen Situation verlangten. Infolgedessen stellte sich heraus, dass ein Betrag von 60.000 DM für eine gemeinsame Ausstellung des Kunstvereins und des Kunsthauses in Hamburg noch nicht verplant war und so wurde eine Kooperation der beiden Häuser mit der Künstlergruppe angestrebt.

Das Ergebnis war eine komplexe Gruppenausstellung, die hauptsächlich aus Installationen, Environments, Performances und Aktionen bestand, und sich thematisch in drei Bereiche gliederte:
Das eigene Rollenverständnis / Identitätssuche / Selbstreflexion des Künstlers (im Kunsthaus)
Wahrnehmungsprobleme / Nachdenken über das Kunstmachen (ebenfalls im Kunsthaus)
Nachdenken über das gesellschaftliche Umfeld / Modelle der Ich-Beziehung zur Gesellschaft / Kritik und Verweigerung (im Kunstverein)

In der Presse wurde die Ausstellung fast durchweg negativ besprochen. Die Welt entdeckte eine "enttäuschende Diskrepanz zwischen dem Gewollten und Geleisteten" (17.7.1979). Die Stuttgarter Zeitung betitelte ihre Rezension gar mit "Neurotisch, unehrlich und anmaßend" (o. D.) Das Hamburger Abendblatt warnte: "Wer sich mit der Ausstellung von über 40 Künstlern aus der Bundesrepublik und dem Ausland ausgiebig befassen will, ist mindestens zwei Tage vollauf beschäftigt." (14./15. Juli 1979) Trotz aller Kritik empfand Pantheon die Schau als "beispielhafte Ausstellung, die aufmerksam und neugierig macht auf das, was unsere jüngeren Künstler als Seismographen der Gesellschaft direkt und indirekt über unsere Lebensform mitzuteilen haben." (Pantheon, IV, 1979)

Rückblickend zeigte die Ausstellung Tendenzen auf, die sich innerhalb der nächsten Jahrzehnte sehr wohl als veränderte Kunstpraxis etablierten.

Künstlerliste:
Das eigene Rollenverständnis/Identitätssuche/Selbstreflexion des Künstlers
Vito Acconci, Dieter Appelt, Christian Boltanski, Annette Messager, Wolfgang Opperman, Ulrike Rosenbach, Timm Ulrichs

Probleme der Wahrnehmung / Nachdenken über das Kunstmachen
Braco Dimitrijevic, Jochen Gerz, Margrit Kahl, Joseph Kosuth, Jean Le Gac, Michael Lingner, Anna Oppermann, Renate Reimers

Nachdenken über das gesellschaftliche Umfeld
Didier Bay, Manfred Boecker, Wolfgang Niedecken, KP Brehmer, Michael Buthe, dietrich Albrecht/d, Maria Fisahn, Lili Fisher, Hans Haacke, Dieter Hacker, Andreas Seltzer, Nikolaus Lang, Hilmar Liptow, Ernst Mitzka, Siegfred Neuenhausen, C.O. Paeffgen, Pino Poggi, Bernhard Sandfort, Klaus Staeck, Vierzehn Tage auf Probe...(Christel Burmeier, Harald Finke, Christoph Hufnagel, Jörg Möller), Rainer Wittenborn, Charly Wüllner

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen