Ausstellungen

discord. sabotage of realities

Un-frieden. Sabotage von Wirklichkeiten

30. November 1996 - 10. Januar 1997

Der Titel un-frieden. sabotage von wirklichkeiten ist Thema und Strategie des Ausstellungs- und Aktionsprojekts, das unterschiedlichste künstlerisch-politische Positionen der 1990er Jahre zusammenträgt. Ausgangspunkt war die von Robert Filliou initiierte und von René Block ausgerichtete Biennale des Friedens, die 1985 als Projekt der Hamburger Woche der bildenden Künste in Kunstverein und Kunsthaus stattfand. Das zentrale Motto dieser Schau lautete, den "Frieden aufregender zu gestalten als den Krieg". Das Konzept, das sich insbesondere die Bildung eines (weltweiten) künstlerischen Netzwerks für "friedensformende" Kunststrategien zum Ziel gesetzt hatte, war der Anlass für die Neu- und Umformulierung der Fragestellungen und zur Initiierung des erneuten Aufrufs. Im Vordergrund stehen heute nicht mehr utopische oder moralische Ansprüche an Kunst, sondern die Überprüfung ihres Vermögens, zunehmend unfriedlichere Realität(en) sichtbar zu machen, in bestehende Wirklichkeitsstrukturen einzugreifen oder verquere Umgangsweisen mit privaten, sozialen und politischen Wirklichkeiten sowohl suggestiv als auch reflexiv erfahrbar werden zu lassen.
Unterteilt in sechs thematische Zonen spiegelt die Ausstellung zentrale gesellschaftliche Wirklichkeitsbereiche in den Kunstraum ein.

zone 1 – Kontrolle
Daniel Garcia Andújar, Marcus Bastel, Heath Bunting, Chiarenza & Hauser, Grupo Universidad de Antioquia, Roman Härer, Korpys/Löffler, Mary Patten, Andreas Peschka, Anja Wiese

Zone 1 zieht sich durch die gesamte Ausstellung. In Zeiten zunehmender sozialer und politischer Verunsicherung ist es nachgerade geboten, den wachsenden Sicherheitsbedürfnissen der BürgerInnen entgegenzukommen und die innenpolitischen, d.h. die staatlichen Kontroll- und Schutzmechanismen auszuweiten. Es gilt also, künstlerische Ergänzungslösungen zum "großen Lauschangriff" und "Polizeistaat" und vielen anderen Überwachungsüberlegungen zu liefern.

zone 2 – Staatsmaschinen
Gary Carsley, Klaus Heid, Christoph Irrgang, Irwin/NSK, Oleg Kulik & Mila Bredikhina

Zone 2 stellt als exklusives Angebot für Pluralitätsgeschädigte alte und neue gesellschaftliche Ordnungsmodelle vor.

zone 3 – Grenzpolitiken
Birgit Brenner, Gunnar Elksnat, Judith Haman, Lynn Hershman, Daisuke Nakayama, Frantisek Skála, Oleg Soldatov, Jan-Peter E.R. Sonntag, Thomas Thiel, tonnage inc., Jamie Wagg, Martin Widerberg & Joachim Stein, Yukinori Yanagi, Wang Yigang

Zone 3 versammelt ungewöhnliche und nachahmenswerte Konfliktlösungsstrategien.

zone 4 – Alltag
Bertram Abel, Louis Couturier & Jacky Lafargue, Peter Dombrowe, Stan Douglas, Jörgen Erkius, John Halpern, Christine Kruse, PROTOPLAST Aktionsgesellschaft, Jayce Salloum, Hans-Peter Scharlach, Wolfgang Stiller, Bea de Visser, Zhuang Hui

Zone 4 gibt einen Einblick in das private und gesellschaftliche Leben in den Republiken und Diktaturen.

zone 5 – Nachrichtendienste
Joshua Decter, eNHANCEMENT & mORE rANCH, die Farm, Peter FitzGerald, Mark Formanek, Caroline Hake, Antonio Muntadas, Frank Riepe/AWP Sculpture Plan, János Sugár, tunguska index/Peder Iblher

Zone 5 wird räumlich das Herzstück der Schau bilden. Geleitet vom Motto "information should be unfree" sollen sowohl alte und neue Desinformationsstrategien und Zensurmodelle vorgestellt werden, als auch neue Nachrichtendienste ihre Arbeit aufnehmen, die Selektionen des täglichen Informationsflusses aus der zentralen Nachrichtenzentrale des Projektes senden.

zone 6 – Science-Fiction & Ökonomie
Nina Fischer & Maroan el Sani, Markus Käch, Alex Oppermann & Moni Friebe, Cornelia Schmidt-Bleek, Pit Schultz, Inga Svala Thorsdottir & Wu Shan Zhuan, Kenji Yanobe

Zone 6 trägt dem unablässigen Streben nach der Vervollkommnung des Menschen und seiner humanen Lebenswelt Rechnung. Zukunftsmodelle, auch für die Ärmsten der Armen, auch für die Frustriertesten der Frustrierten, haben absolute Priorität, solange die Gewinnspannen groß genug sind.

Im Rahmen der Hamburger Woche der bildenden Kunst. In Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus Hamburg.
Kuratorinnen und Organisatorinnen: Ute Verkoeper und Inke Arns
Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.