Ausstellungen

How One Can think Freely in the Shadow of a Temple

Kostis Velonis

28. März - 21. Juni 2009

Installationsansicht
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Kostis Velonis (*1968, lebt in Athen) ist erstmalig in Deutschland mit einer institutionellen Einzelausstellung im Kunstverein in Hamburg vertreten. Mit vor Ort entstandenen skulpturalen Settings bespielt er die obere Etage des Kunstvereins. Seine überwiegend aus Holz gefertigten Arbeiten bedienen sich einer konstruktivistischen Bildsprache, und weisen konkrete Bezüge zur Architektur der 1920er Jahre auf. Im Mittelpunkt steht dabei immer die Auseinandersetzung mit politischen Utopien und den Konsequenzen ihres Scheiterns.

Besonders deutlich wird das in der zentralen Arbeit How to build Democracy making rhetorical comments (after Klucis’ design for propaganda kiosk, screen and loudspeaker platform, 1922). Hierbei handelt es sich um einen Nachbau des Propaganda-Kiosks des lettischen Künstlers Gustav Klucis. Die von ihm entworfenen Agitprop-Kioske wurden für die Feierlichkeiten des fünften Jahrestages der Oktoberrevolution in Moskau genutzt. Der von Kostis Velonis adaptierte Kiosk versteht sich hingegen als inhaltsloses, utilitaristisches Werkzeug, als Kommunikationsangebot für die BesucherInnen und die Veranstaltungen des Kunstvereins.

Die Skulptur Gaining Socialism while Losing your Wife (after Popovas´ set construction for „Le cocu magnifique“, 1922) geht zurück auf das von Lyubov Popova entworfene Bühnenbild für das Theaterstück „Le cocu magnifique“ („Der gewaltige Hahnrei“) des belgischen Dramatikers Fernand Crommelynck. Darin zweifelt der Ehemann Bruno an der Treue seiner Ehefrau Stella. Rasend vor inneren Zweifeln fordert er sie auf, ihn wissentlich zu betrügen, um damit das Gefühl von Gewissheit zu bekommen. Seine Frau – in verzweifelter Liebe für ihren Mann – lässt sich darauf ein. Doch Bruno bietet sie daraufhin allen Männern in der Stadt an. Hoffungslos verlässt sie ihn mit einem neuen Geliebten und Bruno bleibt am Ende einsam zurück. Velonis überträgt die Theaterkulisse in den Ausstellungsraum und löst sie damit aus ihrem eigentlichen Kontext. Die geometrische Form der Bühnenarchitektur steht im Kontrast zu dem privaten Interieur, welches an einigen Stellen der Skulptur auftaucht. Während sich der Entwurf von Popova auf die kühlen und effizienten Arbeiterwohnungen bezieht, bringen die neu hinzugefügten häuslichen Gegenstände ein sentimentales und ornamentales Element mit ein und hinterfragen auf diese Weise die radikale Ästhetik des Konstruktivismus.

Endless construction (victory over the sun) bezieht sich auf die russische cubo-futuristische Oper „Victory over the Sun“, die 1913 in St. Petersburg uraufgeführt wurde und für die Kasimir Malewitsch sowohl die Kostüme als auch das Bühnebild entwarf. Das Stück ist eine Parabel über den Kampf zwischen dem Neuen und dem Alten. Die Sonne, in der westlichen Welt ein Symbol für Rationalität, soll gefangen und zerstört werden. Kostis Velonis geht es nicht um eine historische Rekonstruktion, sondern vielmehr um eine per-sönliche Evaluierung. Der Sieg über die Sonne bedeutet für ihn vor allem eine Metapher für den Wandel dominanter Strukturen.

Life without Democracy wirft die Frage nach dem idealen demokratischen Gebäude auf. Die kleinformatigen Amphitheater – als Rückgriff auf den klassischen Versammlungsort – reflektieren das Nebeneinander von privat und öffentlich und thematisieren zentrale Aspekte demokratischer Systeme. Wie müssen Orte aussehen, in denen wir Zukunft denken können? Und wenn Museen heute die neuen Tempel sind: How one can think freely in the shadow of a temple?

Die Ausstellung von Kostis Velonis wird gefördert von der CORA-Kunststiftung Hamburg und der Hamburgischen Kulturstiftung.

Weitere Informationen über und von Kostis Velonis: kostisvelonis.blogspot.com