Ausstellungen

Bureau of Implicit Activities: archives and projects

Tatiana Trouvé

28. März - 21. Juni 2009

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Das umfassende Projekt, an dem sie seit 1997 kontinuierlich arbeitet, setzt sich aus verschiedenen Skulpturen und Installationen – den so genannten Modulen – zusammen. Ausgangspunkt für die Arbeit bilden die zahlreichen Enttäuschungen, Ablehnungen oder unbeantworteten Vorstöße, die am Beginn von Trouvés künstlerischer Karriere standen. Sie sammelte Projektideen, Zeichnungen oder potenzielle Titel, deren Umsetzung zwischen Anträgen und bürokratischer Arbeit ins Stocken geraten waren. Die an Warteräume oder Archivmöbel erinnernden Skulpturen entwerfen eine spannungsvolle Atmosphäre des Verharrens und des Stillstands, die gleichzeitig Fragen nach dem Selbstverständnis der Künstlerin thematisiert: Ist jemand, der seine Arbeiten nicht ausstellt oder keine Projekte realisiert überhaupt ein Künstler? Reicht es aus, Ideen zu haben, um Künstler zu sein oder ist die Künstleridentität an einen bestimmten sozialen Status gebunden? Indem sie die Arbeit ständig ergänzt und erweitert, verbindet sie die Vergangenheit mit der Zukunft ihres künstlerischen Werkes.

Im Zentrum der Ausstellung im Erdgeschoss des Kunstvereins steht das raumgreifende Modell des Büros (Model of the Bureau of Implicit Activities, 2007), das auf einer Tischplatte angeordnet die maßstabsgetreuen Kopien von Modulen aus der Werkgruppe versammelt. Den Raum zwischen den abstrahierten und durch die Materialwahl stark emotional aufgeladenen Architekturen und Möbelstücken füllen kleine Objekte oder Zeichnungen, die menschliche Anwesenheit und Tätigkeit andeuten.

Ergänzt wird das Modell durch zwei weitere Arbeiten der Werkgruppe: Das Bureau of Implicit Activities, Archives Module („Drawings“) aus dem Jahr 2003 vereint Kopien von Trouvés Zeichnungen, die neben den Skulpturen und Installationen einen wichtigen Bestandteil ihres Œuvres bilden. Indem sie ihre eigenen Zeichnungen kopiert, kehrt sie zum ursprünglichen Moment der Formwerdung zurück. Dabei können potenzielle Ideen, die diesen Zeichnungen innewohnen, aufgespürt und zum Ausgangspunkt für andere Formen werden.

Das Bureau of Implicit Activities, Ghost Matrix (1999) steht ebenfalls im Zusammenhang mit der Tätigkeit des Kopierens. Teil des Moduls sind die Ghosts – wie Reisegepäck aussehende Skulpturen aus transparentem Klebeband –, in die Entwürfe von bisher unrealisierten Projekten oder Ideen gestanzt sind. Die fragilen Objekte und die beinahe unsichtbare Lineatur der Lochstanzungen erzählen von einem andauernden Verschwinden.

Alle ausgestellten Module kreisen um individuelle Wünsche und Träume, denen das Ringen um Verwirklichung eingeschrieben ist. Dem Stillstand stellt sich durch die Prozesse des Kopierens und Aufzeichnens der Positivismus der eigenen Idee entgegen. Sie bleibt bezogen auf eine Zukunft, die mit der Vergangenheit eng verbunden ist: Das Archiv als notwendige Voraussetzung des gesamten Projekts.

Die Ausstellung wird gefördert von dem Institut français und CULTURESFRANCE.