Ausstellungen

Five Kinds of Water

Nina Canell

19. September - 22. November 2009

Die schwedische Künstlerin Nina Canell (*1979, lebt in Berlin) überführt in ihren fragilen Installationen von Menschen gemachte Objekte und ‚natürliche’ Fundstücke in Versuchsanordnungen über Veränderlichkeit. Die Ausstellung setzt sich aus fünf Arbeiten zusammen, die sich den transitorischen Eigenschaften von Wasser auf verschiedenste Weise nähern. Es steht hier quasi metaphorisch als fluktuierende Substanz par excellence und taucht als buchstäbliches, seine Form und Präsenz veränderndes Material ebenso auf, wie als entfernte Bezugnahme.


Die neu entstandene Arbeit Perpetuum Mobile (2400 KG) verleiht Wasser gleich auf mehrfache Weise Präsenz. Mittels Ultraschall wird Wasser in Bewegung versetzt und Wasserdampf erzeugt, der sich langsam über den Rand des Gefäßes in den Ausstellungsraum hinein ausbreitet. Dieser Vorgang wird über ein Mikrophon und einen Lautsprecher zeitweise verstärkt, wodurch der Moment des Übergangs in die unterschiedlichen Aggregatzustände symbolisch als Schallwellen hörbar gemacht wird. Der sich ausbreitende Nebel wirkt seinerseits auf einige Betonsäcke ein, die im Laufe der Ausstellungsdauer ihre Masse verändern.


In Another Soft Stone (ebenfalls 2009) findet der Stein sein Pendant in einer sich seiner Form anschmiegenden Neonröhre, deren Leuchten der festen Form des Steines einen Moment der „Anti-Form“ hinzufügt. Die eigentlich starren Materialien verweisen in ihrer zarten Transformation und durch das Fließen der Elektrizität auf die Form verändernden Aspekte von Wasser und nähern sich einander auf subtile Weise an.


Einen weiteren Referenzrahmen eröffnen die Arbeiten Mutual Leap (After Nollét) (2008) und Nerve Variation (2009) deren Ursprung auf die „Leidener Flasche“ zurückzuführen ist, die im Jahr 1745 erstmalig entdeckt wurde. Hier wurde das Wasser in einer mit Metallbeschlägen ummantelten Glasflasche genutzt, um elektrische Ladung und die damit zusammenhängende Energie zu speichern. Der französische Wissenschaftler Abbé Nollét ließ bei einer öffentlichen Demonstration mehrere Mönche eine Kette bilden und entlud die „Leidener Flasche“ an ihnen. Sie alle erhielten dadurch einen elektrischen Schlag. Hierauf nimmt die fragile Anordnung von Mutual Leap Bezug, die einen Ring aus Knochen an elastischen Bändern ausbalanciert. Jener Nollét erkannte auch, dass ein Blitz physikalisch das gleiche Potenzial hat wie ein elektrischer Funke. Vielleicht lehnte er deshalb auch die von Benjamin Franklin 1752 entwickelten Blitzableiter rigoros ab. In Nerve Variation werden beide Aspekte vereint, denn die auf einem Blitzableiter sitzende Glaskugel verweist entfernt auf die „Leidener Flasche“. Ist das Wasser leitfähiges Material, wurde Glas in früheren Zeiten wie ein Blitzableiter eingesetzt und sollte einen Einschlag verhindern.


Es sind unsichtbare Energien und ihre Wirkung, die in beiden Arbeiten eine Rolle spielen. Die während ihres Aufenthalts in New York entwickelte Arbeit White Sands (2009) schließt den Kreis. In New Mexico entstand durch die Verdunstung von Wasser eine Wüste aus Kalziumsulfatkristallen, die als einziger Zeuge vom langen Weg des Wassers durch Berge und über Felsen zurückbleiben. Der weiße Sand zeugt als Überbleibsel von beständiger Transformation. Das formlose und veränderliche Wesen von Wasser ist somit der Ausgangspunkt für Fragen nach der Formwerdung von Substanzen, ihren jeweiligen Eigenschaften und deren potenzieller Veränderbarkeit. Objekte und natürliche Ereignisse erhalten eine temporäre skulpturale, fast performative Form, in der sich die einzelnen Materialien gegenseitig beeinflussen und beständig in Bewegung bleiben. In den Arbeiten von Nina Canell werden die Materialien dabei selbst zum Handlungsträger und entfalten ihre eigene zeitliche und narrative Logik.


kuratiert von Annette Hans


Die Ausstellung wird gefördert von Culture Ireland.