Ausstellungen

Es wird alles gut Mutter

Daniel Josefsohn

1. - 28. Mai 2010

Daniel Josefsohn, Lieber Helmut, lieber George, ich wollte auch mal mit der Eisenbahn spielen, Installationsansicht / installation view, Foto / photo: Fred Dott
Daniel Josefsohn, Es wird alles gut Mutter, 2010, Installationsansicht / installation view, Foto / photo: Fred DottDaniel Josefsohn, Es wird alles gut Mutter, 2010, Installationsansicht / installation view, Foto / photo: Fred DottDaniel Josefsohn, Es wird alles gut Mutter, 2010, Installationsansicht / installation view, Foto / photo: Fred DottDaniel Josefsohn, The Jewing Gun - IDF Soldiers in Israel, 2009Daniel Josefsohn, Die neue S-Klasse, 1998Daniel Josefsohn, Fleurop, The Jewing Gun - IDF Soldiers in Israel, 2009Daniel Josefsohn, Rave, 1998Daniel Josefsohn, Julia Hummer Kochel am See, 1998Daniel Josefsohn, Lieber Helmut, lieber George, ich wollte auch mal mit der Eisenbahn spielen, 2010

Die Arbeiten von Daniel Josefsohn (*1961, lebt in Berlin) bewegen sich an der Grenze zwischen Kunst, Design, Modefotografie und Gestaltung. Sie fangen damit das Gefühl einer Generation ein, die sich spielerisch zwischen den unterschiedlichen Medien und Stilrichtungen bewegt und eine ganz eigene Sprache für ihr Leben und ihre Umwelt gefunden hat. Das besondere seiner Arbeiten aber liegt in ihren Brüchen: Seine Fotos sind nicht nur ästhetisch und durchkomponiert. Vielmehr verbergen sie unter ihrer hochglänzenden Oberfläche das Abgründige und Verschwiegene. So verhält es sich z. B. mit den Aufnahmen eines bürgerlichen Wohnhauses in der deutschen Provinz. Die Architektur, der dazugehörende Garten, die Gardinen vor dem Fenster erscheinen beliebig. Doch handelt es sich um den Ort eines Verbrechens, welches durch den „Kannibalen von Rothenburg“ weltweit medial bekannt wurde. Gerade diese Spannung zwischen der formal ästhetischen Oberfläche der Aufnahmen und der entsprechenden Geschichte, bzw. das Wissen um die Ereignisse, lädt die Bilder politisch auf. Ob es sich um Rechtsradikalismus in Deutschland oder den Nahost-Konflikt in Israel handelt, Josefsohn findet ungewöhnliche Motive und irritierende Szenen.

Seine Serie „Jewing Gun“ porträtiert junge israelische SoldatInnen. Die Fotografien sind geprägt von einer Widersprüchlichkeit zwischen den Uniformen und kleinen Accessoires wie z.B. Sonnenbrillen, die die Aufnahmen wie eine Modestrecke für ein Magazin wirken lassen. Tatsächlich aber zeigen sie den Ausdruck von Persönlichkeit, den diese Menschen der Uniform mit diesen Details abringen. Das alles hält Josefsohn nicht aus der Situation des unbeteiligten Beobachters fest, sondern mit den Augen des bewusst Hinsehenden und jenseits von den medial so häufig wiederholten Stereotypen.

Seine Fotografien, Kurzfilme, Anzeigenkampagnen oder Objekte sind das Ergebnis meist spontaner, intuitiver Ideen. Josefsohn plant seine Bilder nicht von langer Hand, sie unterliegen keinem vorher festgelegten Konzept. Vielmehr entstehen sie im Moment des Prozesses und sind Ergebnis der konkreten Situation. Dabei verdichtet er eine Vielzahl von Informationen und visuellen Einflüssen zu einer zentralen Aussage. Seine Bildsprache prägt unsere heutige Bilderwelt, unser kollektives Gedächtnis.

Die Ausstellung versammelt nun erstmalig in diesem Umfang sein vielseitiges Werk. Die Arbeiten aus den letzten 15 Jahren werden überwiegend in ihren original Medien gezeigt: Neben Zeitungscovern versammelt die Ausstellungen Modestrecken, Portrait-oder Reportagefotos, Skateboards, Werbefilme oder Anzeigenkampagnen. Kaum eine Arbeit wurde für die Päsentation vergrößert, aufgezogen oder gerahmt. Die Ausstellung hat nichts Museales. Sie fängt das Schaffen von Josefsohn so ein, wie es entsteht: spontan und schnelllebig. Der Ausstellungsraum ähnelt seinem Studio: unaufgeräumt, unsortiert, an jeder Stelle der Hinweis auf eine interessante Geschichte, eine gute Idee. Es ist der Josefsohn-Kosmos, der für vier Wochen in den Kunstverein eingefallen ist.

Der gebürtige Hamburger Daniel Josefsohn arbeitet seit 1995 als freischaffender Fotograf für zahlreiche Magazine wie Die Zeit, das Magazin der Süddeutschen Zeitung, Jetzt!, Brand Eins oder Monopol. Bekannt wurde er mit Schwarz-Weiß-Portraits von Jugendlichen, die er für eine Kampagne des Musiksenders MTV entwickelte. Neben Fotografien und Fotostrecken schafft Josefsohn auch Filme oder Objekte. So hat er über Elternhaus, einer 1997 gegründeten Künstlergruppe, mit „MoslBuddJewChristHinDao“ ein Parfüm für den Weltfrieden produziert. Der Duft wurde von Mark Buxton entwickelt, die Idee, den Flakon, bzw. die Verpackung sowie die Werbekampagne von Josefsohn. 2010 wurde er mit dem Lead Award in Gold für die beste Anzeigenkampagne des Jahres „Half Wild, Half Child“ ausgezeichnet.

Begleitend zur Ausstellung erscheint eine Edition.