Ausstellungen

Sidewalk Deli

12. Juni - 11. Juli 2010

Douglas Gordon, Kein Anschluss..., 2010 und / and Markus Shimizu, We won't wait, 2010, Foto / photo: Fred Dott
Olaf Nicolai, Green bags, seit / since 1998, Installationsansicht, Foto / photo: Fred Dott Markus Shimizu, We won't wait, 2010, Installationsansicht, Foto / photo: Fred Dott Installationsansicht, Apokalypse Now, 2010, Foto / photo: Fred Dott Heide Deigert, Extraregulatoren, 2009, Foto/photo: Maria del Pilar Garcia AyensaOlaf Nicolai, Green bags, seit / since 1998, Courtesy Galerie Eigen + Art, Leipzig/BerlinChristine Würmell, Dissonanzproduktion, 2009Almut Linde, Dirty Minimal Sculpture #61.3 - Eismeer, 2009, Installationsansicht, Foto: Fred Dott / KunstvereinAlmut Linde, Dirty Minimal Sculpture #61.3 - Eismeer, 2009, Installationsansicht, Foto: Fred Dott / KunstvereinDaniel Poller, Aus der Serie "Florida", 2010, DiaprojektionDaniel Poller, Aus der Serie "Florida", 2010, DiaprojektionSchroeter & Berger, Florida, 2010, Installationsansicht, Foto: Fred Dott / Kunstverein Stefanie Becker, Glashaus, 2009Stefanie Becker, Lobby, 2002 Kunst & Sportverein Wilhelmsburg (KuS)Max Frisinger, Daniel Hauptmann, Tobias Gronau, Till van Daalen und / and Hannes Waldschütz, Studio, Foto / photo: Fred Dott UMSCHICHTEN, Umkleide, 2010, Installationsansicht, Foto / photo: Fred Dott

Im Sommer 2010 tauschen die Internationale Bauausstellung IBA Hamburg und der Kunstverein Hamburg die Seiten: Während die IBA von Juni bis September mit einer Doppelausstellung im Kunstverein zu Gast ist, verlegt dieser seine Aktivitäten nach Wilhelmsburg.

Im Rahmen des IBA-Labors für Kunst und Stadtentwicklung untersucht der Kunstverein mit „Sidewalk Deli“ über einen Zeitraum von vier Wochen auf künstlerisch-diskursive Weise den öffentlichen Raum und thematisiert die Frage nach den Entstehungs- und Wirkungsweisen von Öffentlichkeit. Das IBA-Labor ist kein klassisches Labor im Sinne einer Fachtagung, sondern in seiner Form bereits der Versuch einer zeitgemäßen Forschungs- und Versuchsanordnung.

Das Projekt setzt sich aus drei Teilbereichen zusammen: Kunst und Klimawandel, Kunst und Fussball sowie Urbanität. Das Gesamtprojekt besteht nicht nur aus einer Ausstellung von Entwürfen und Vorschlägen zu den jeweiligen Themen, sondern ist der Ausgangs- und Treffpunkt einer Auseinandersetzung mit Öffentlichkeit und den Modi ihres Entstehens und Wirkens. „Sidewalk Deli“ behauptet bewusst kein Zentrum und setzt keine doktrinäre Definition von Öffentlichkeit. Vielmehr erhalten die einzelnen Beiträge einen formal voneinander abgesetzten, aber thematisch miteinander verbundenen Rahmen, innerhalb dessen sie sich autonom entfalten können.

Apokalypse now
Kunst zur Klimakatastrophe

Matthew Antezzo, Bernd & Hilla Becher, Joseph Beuys, Heide Deigert, Douglas Gordon, Tue Greenfort, Almut Linde, Björn Melhus, Anna Meyer, Olaf Nicolai, Manfred Pernice, Bernhard Prinz, Marcel Prüfert, Markus Shimizu, Rirkrit Tiravanija, Silke Wagner, Christine Würmell
Ort: Die Schute, Maknete e.V., (Veringkanal hinter der Honigfabrik, Industriestraße 125, 21107 Hamburg)
Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag, 14 bis 19 Uhr

Im Rahmen des Projekts „Sidewalk Deli“ versucht die Ausstellung „Apokalypse Now“, ästhetische Narrative zur globalen Klimakatastrophe zu finden. Explizit kritische Strategien, also solche die anklagend Ursachen und Funktionszusammenhänge beleuchten, zeigen hier z.B. Anna Meyer, die in einer Zeichnung die Verantwortung der Kunst ideologiekritisch in den Fokus rückt, Olaf Nicolai mit der in einer Plastiktüte „begrabenen“ Topfpflanze sowie Christine Würmell mit ihren politisch-aggressiven Collagen, die u.a. fordert: „Alle Autos in die Antarktis!“. Das Narrativ des Appells findet sich bei Rirkrit Tiravanija, der auf einem T-Shirt „Less oil, more courage“ formuliert. Poetische Sensibilisierungen ereignen sich bei Douglas Gordon, der dem Schiff des Vereins Maknete – auf dem die Ausstellung stattfindet – einen neuen Namen gibt, und bei Almut Linde, die Flussverschmutzung durch ungewohnte Schönheit sichtbar macht. Die Möglichkeiten einer alternativen Energiepolitik zeigen Heide Degert mit ihrem Modell eines Tornadokraftwerkes und Bernhard Prinz mit seiner Dokumentation eines in der Nähe des Schiffes gelegenen Bio-Kraftwerkes. Ein italienisches „Energie-Spar-Taxi“ dokumentiert Tue Greenforts Fotoarbeit. Das Narrativ der Prognose schließlich bringt Björn Melhus ins Spiel, indem er den Wasserstand von Venedig im Jahre 2099 in einer Computer-Animation in künstlerische Form bringt.
Kuratiert von Raimar Stange

Kunst & Sportverein Wilhelmsburg (KUS)
Umsonst und im Verein

Roger Behrens, Alain Bieber, Alisson Courtot, DJ Plastikstuhl, Thomas Dransch, Erobique, Max Frisin-ger, Oliver Görnandt, Lukas Grellmann, Tobias Gronau, Daniel Hauptmann, Julia Hurducas, Anton C. Kunze, Mateusz Lendzinski, LOMU (Local Organized Multitude), Ulrich Lölke, Tabea Michaelis, Jaques Palminger und die Kings of Dub Rock, Stefan Rychlak, Marco Schwensfeger, Jakobus Siebels, Trike, UMSCHICHTEN, Till van Daalen, Hannes Waldschütz u. a.
Ort: Verschiedene Standorte in Wilhelmsburg
www.kunstundsportverein.de

Die Berührungspunkte von Sport und Kunst sind das Handlungsfeld des „Kunst & Sportvereins Wilhelmsburg (KUS)“ und dessen erster Abteilung: Fußball! Fußball hat im Gegensatz zu gängigen künstlerischen Praxen ein klares Bekenntnis zur Kooperation, zum Zusammenwirken der Beteiligten, zum Publikum und zum Wettkampf. Diese Elemente ins Zentrum zu rücken bedeutet mehr als eine Schwärmerei für einen vermeintlich kunstfernen Bereich, sondern vielmehr die Chance für künstlerisches und gesellschaftliches Handeln im Kontext von Stadt. Das Projekt „Kunst & Sportverein Wilhelmsburg“ entführt Fans und solche, die es noch werden wollen, zu einem aufregenden und abwechslungsreichen Handlungsfeld von Kunst und Sport. Der Verein bietet unterschiedliche Angebote mit Künstlern, Stadtplanern oder Musikern an. Darunter befinden sich z.B. regelmäßige Fintessgymnastik mit Live-Musik, Jogginglectures durch Wilhelmsburg, das Erproben neuer Fußballformate oder ein Live-Fussballmagazin.
Kuratiert von Jan Holtmann

Posturban
Kunst und Leben nach der Stadt

Thomas Baldischwyler, Stefanie Becker, Björn Beneditz, Jonas Weber Herrera, Silke Kapp, Katrin Klitzke, Rupprecht Matthies, Kerstin Niemann, Erich Pick, Daniel Poller, Schroeter & Berger, Jan Sieber, Alexandra Waligorski, u. a.
Ort: Die Schute, Maknete e.V., (Veringkanal hinter der Honigfabrik, Industriestraße 125, 21107 Hamburg)

Urbanität heißt nicht mehr, und sei es auch als naive Vision, die unbedingte Verbesserung des Lebensverhältnisse aller Menschen in der Stadt. Die Aufwertungsprozesse, gleich ob sie die Umstrukturierung ganzer Städte (Haussmannisierung von Paris), den Neubau von Stadtteilen (HafenCity) oder Gentrifizierungsmaßnahmen (Wilhelmsburg) betreffen, bedeuten faktisch immer eine negative Veränderung der Lebensbedingungen großer Bevölkerungsgruppen. An der Entwicklung der urbanen Gesellschaften von der Moderne über die Postmoderne bis heute kristallisiert sich die paradoxe Dynamik von Integration und Desintegration in die Gesellschaft, die von der Stadtsoziologie als Problem von Inklusion und Exklusion diskutiert wird. Der »urban Lifestyle« ist mithin kaum noch eine positive Bezugsgröße, vielmehr verlieren sich die Lebensweisen in den gegenwärtigen Städten in Monotonie, Unverbindlichkeit, Gleichgültigkeit und Trostlosigkeit, stagnieren die Versuche, es sich irgendwie besser einzurichten, im Kitsch und in der Banalität. Aber stimmt das? Welche Entwürfe und Potenziale gibt es im Leben nach der Stadt, wie muss eine Kritik des Alltags in einer posturbanen Gesellschaft formuliert werden? Und wozu? Schließlich: Welche Funktion haben dabei die Kunst beziehungsweise die Formen künstlerischer Praxis? Welche Verbindungen gibt es zwischen den Künsten untereinander und zu den (post)urbanen Lebensweisen.
Kuratiert von Corinna Koch und Roger Behrens

Terminübersicht "Sidewalk Deli"

Im Rahmen des Gesamtprojekts "Sidewalk Deli" erschein eine Publikation zu allen drei Teilpojekten.

"Sidewalk Deli" ist ein Kooperationsprojekt des Kunstverein Hamburg und der Internationalen Bauausstellung IBA Hamburg.

Anfahrt zur Schute, Maknete e.V. (Veringkanal hinter der Honigfabrik, Industriestraße 125, 21107 Hamburg):
Vom Hauptbahnhof mit der S 3 bis zur Haltestelle Veddel, weiter mit dem Bus Nr. 13 bis zur Haltestelle Mannesallee. Die Schute befindet sich auf dem Gelände der Honigfabrik am Veringkanal.