Ausstellungen

Freedom of Speech

18. Dezember 2010 - 27. März 2011

Installationsansicht "Freedom of Speech", im Vordergrund: Marc Morrel, "Hanging", 1966, Kunstverein Hamburg 2010, Foto: Fred Dott
Christoph Schlingensief, Bitte liebt Österreich!, 2000 Foto: David BaltzerSister Corita Kent, rose, 1965, Corita Art Center, Immaculate Heart Community, Los AngelesDan Perjovschi, Free Speech, 2004/2010Hustler Magazine, Juni 1978Klaus Staeck, Wollt ihr das totale BILD, 1980Maria Eichhorn, Prohibited Imports, 2003, Foto: Jens ZieheSilke Wagner, bürgersteig, 2001/02, Foto: Wolfgang GünzelSteven Marcus, March from Sproul Plaza to Regent's meeting at University Hall in Oxford Street, 1964Emory Douglas, The Ideas Which Can And Will Sustain Our Movement, 1970, Center for the Study of Political Graphics, Los Angeles, VG Bild Kunst Bonn, 2010Installationsansicht "Freedom of Speech", im Vordergrund: Marc Morrel, "Hanging", 1966, Kunstverein Hamburg 2010, Foto: Fred DottInstallationsansicht "Freedom of Speech", Mark Wallinger, "State Britain", 2007, Kunstverein Hamburg 2010, Foto: Fred Dott Installationsansicht "Freedom of Speech", im Vordergrund: Olaf Metzel, "Turkish Delight", 2006, (Sammlung Hamburger Kunsthalle) Kunstverein Hamburg 2010, Foto: Fred DottInstallationsansicht "Freedom of Speech", Silke Wagner, "bürgersteig", 2001/2002, Kunstverein Hamburg 2010, Foto: Fred Dott Installationsansicht "Freedom of Speech", Christoph Schlingensief, Ausländer raus! Schlingensiefs Container, Regie: Paul Poet, Kunstverein Hamburg 2010, Foto: Fred Dott Installationsansicht "Freedom of Speech", Dan Perjovschi, Ohne Titel, 2010, Kunstverein Hamburg 2010, Foto: Fred Dott

Emory Douglas, Lex Drewinski, Maria Eichhorn, Bob Fitch, Abbie Hoffman, Daniel Josefsohn, Sister Corita Kent, George Maciunas, Ian MacKaye, Steven Marcus, Olaf Metzel, Marc Morrel, Bruce Nauman, Dan Perjovschi, Norman Rockwell, Gerald Scarfe, Christoph Schlingensief, Taller Popular de Serigrafia, Klaus Staeck, Act Up, Silke Wagner, Mark Wallinger

Die Ausstellung "Freedom of Speech" hinterfragt und analysiert das Konzept der Redefreiheit und ihre ideologische Rolle, die sie in der westlichen Demokratie spielt. Alles dreht sich um die zentrale Frage: Was, wenn nur der sprechen dürfte, der die Wahrheit sagt? Welche Konsequenzen hat das Recht auf Redefreiheit in unserer Gesellschaft? Wie und wo wird diese Freiheit instrumentalisiert? Berechtigte Fragen, die auch im Zusammenhang mit der Debatte um Thilo Sarrazins Buchveröffentlichung und seinen rassistischen Äußerungen in den Medien angebracht gewesen wären. Deutlich wurde dieser Konflikt aber auch am Beispiel des Karikaturenstreits im Jahr 2005, als eine rechte dänische Tageszeitung die sogenannten „Mohammed-Karikaturen“ veröffentlichte. An dem anschließenden Streit und der iranischen Gegenreaktion eines „Holocaust-Karikaturen-Wettbewerbs“ entzündete sich eine öffentliche Diskussion über Freiheitsrechte – Rede-, Meinungs- und Pressefreiheit – sowie Wahrheit.

Die Ausstellung stellt Beispiele der Medienberichterstattung (z.B. die oben genannten „Mohammed-Karikaturen“ oder die kontrovers diskutieren Cover des Magazins Hustler sowie Titelblätter der Magazine Stern oder Spiegel), historische Ereignisse (z.B. das Black Power Movement und das Free Speech Movement in den USA) sowie künstlerische Positionen in Kontext mit- und zueinander.

Gemeinsam mit dem Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS) werden die Arbeiten mittels der Kritischen Diskursanalyse auf ihren Wahrheitsgehalt untersucht. Diese vom DISS in Anlehnung an Theorien und Schriften Michel Foucaults entwickelte Analyseform wird wie eine Folie auf die sprachliche und bildliche Ebene der versammelten Medienberichte und künstlerischen Arbeiten gelegt. Dass auch Kunstwerke zum Gegenstand der Analyse werden, ist in dieser Form einmalig, trägt aber der Tatsache Rechnung, dass sie ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Konstituierung von Alltagswissen spielen und deshalb gleichberechtigt betrachtet werden müssen.

Neben Arbeiten, die das universelle Recht auf Meinungsfreiheit thematisieren (z.B. die Arbeiten „Prohibited Imports“ von Maria Eichhorn oder „Wollt ihr das totale Bild“ von Klaus Staeck), versammelt die Ausstellung auch Werke, die von ihren Inhalten oder Formen die Grenzen und Möglichkeiten von Meinungs- und Redefreiheit ausloten (z.B. die Arbeit „Turkish Delight“ von Olaf Metzel oder „bürgersteig“ von Silke Wagner). Im Rahmen der Ausstellung wird die Arbeit „State Britain“ des Turner-Preisträgers Mark Wallinger erstmalig in Deutschland zu sehen sein. Die ca. 40 m lange Installation aus Demonstrationsbannern, Postern oder Fahnen des Anti-Kriegs-Aktivisten Brian Haw erstreckt sich über die gesamte Fläche des Ausstellungsraumes im ersten Obergeschoss des Kunstverein Hamburg.

„Freedom of Speech“ beendet im Kunstverein Hamburg eine Trilogie, die im Dezember 2009 mit der Ausstellung „Wo ist der Wind, wenn er nicht weht? – Politische Bildergeschichten von Albrecht Dürer bis Art Spiegelman“ begonnen, und mit der Ausstellung „Uns Hamburg“ im März 2010 fortgesetzt wurde. Die drei, in ihrer thematischen als auch formalen Herangehensweise, sehr unterschiedlichen Ausstellungen, untersuch(t)en die kulturelle Bedeutung von Bildern, ihre Wahrnehmung und politische Funktion in gesellschaftlichen Diskursen.

Begleitend zur Ausstellung entsteht eine kostenfreie Application für internetfähige Mobiltelefone.

Im Verlag der Buchhandlung Walther König erscheint eine umfangreiche Publikation.

Begleitend zur Ausstellung findet am 21. und 22. Januar 2011 ein zweiteiliges interdisziplinäres Symposium statt. Die Mitschnitte der Beiträge liegen als Audio-Dateien vor.

Fernseh-Interviews mit Marc Morrel, Dan Perjovschi und Mark Wallinger auf www.whitetube.de

Die Ausstellung ist eine Kooperation des Kunstverein Hamburg und des n.b.k. – Neuer Berliner Kunstverein (11. Dezember 2010 - 30. Januar 2011) in Zusammenarbeit mit dem Duisburger Institut für Sprach- und Sozialfoschung (DISS).

Die Ausstellung wird gefördert von:
Henry Moore Foundation, Britisch Council und Stiftung Lotto. Das App zur Ausstellung wird durch Leihgeräte von mStore unterstützt.
Medienpartner: die tageszeitung,  Le monde diplomatique und ByteFM