Ausstellungen

La terre est ronde

Evelyne Axell

9. April - 13. Juni 2011

Evelyne Axell, Angela Davis II, 1972, Privatsammlung, VG Bild-Kunst, Bonn 2011
Evelyne Axell, Campus, 1970, Courtesy Broadway 1602,  VG Bild-Kunst, Bonn 2011Evelyne Axell, Group Therapy, 1970, Courtesy Galerie Natalie Seroussi, VG Bild-Kunst, Bonn 2011Evelyne Axell, La Terre est ronde, variation sur Le Paysage, 1971, Privatsammlung, VG Bild-Kunst, Bonn 2011Evelyne Axell, L'Assemblée Libre, 1970, Privatsammlung Brüssel, VG Bild-Kunst Bonn, 2011Evelyne Axell, Le Joli Mois de Mai, 1970, Provinciaal Museum voor Moderne Kunst, Oostende, VG Bild-Kunst Bonn, 2011Evelyne Axell, La Terre est ronde, 2011, Installationsansicht / installation view, Kunstverein Hamburg, Foto / photo: Fred Dott / Kunstverein, VG Bild-Kunst Bonn, 2011Evelyne Axell, La Terre est ronde, 2011, Installationsansicht / installation view, Kunstverein Hamburg, Foto / photo: Fred Dott / Kunstverein, VG Bild-Kunst Bonn, 2011Evelyne Axell, Angela Davis II, 1970 und / and Campus, 1970 (von links / from left), Installationsansicht / installation view, Kunstverein Hamburg, Foto / photo: Fred Dott / Kunstverein, VG Bild-Kunst Bonn, 2011Evelyne Axell, Ice Cream (blue version), 1967, Installationsansicht / installation view, Kunstverein Hamburg, Foto / photo: Fred Dott / Kunstverein, VG Bild-Kunst Bonn, 2011Evelyne Axell, Le Joli Mois de Mai, 1970, Installationsansicht / installation view, Kunstverein Hamburg, Foto / photo: Fred Dott / Kunstverein, VG Bild-Kunst Bonn, 2011

Evelyne Axell (1935-1972) war Schauspielerin und Nachrichtensprecherin, eine Ikone im französischsprachigen Raum und aufgrund ihrer Schönheit für viele ein Sexsymbol. 1963 aber beendet sie ihre Film- und Fernsehkarriere, um Malerin zu werden und die Rollen umzukehren. Als eine zentrale Figur der belgischen Pop Art zählt sie zu jenen Künstlerinnen, deren Werk gerade aus dem Schatten der männlichen Popheroen tritt und einer Neubewertung unterzogen wird, wie sie zum Beispiel in den Ausstellungen "Seductive Subversion: Women Pop Artists 1958 – 1968" der Rosenwald-Wolf Gallery der University of the Arts, Philadelphia im letzten Winter oder "Power Up – Female Pop Art" in der Kunsthalle Wien wie auch Veröffentlichungen der letzten Jahre zum Ausdruck kommt.

Axell experimentierte mit verschiedenen zeitgenössischen Materialien und kombinierte Plexiglas mit Emaille, mit synthetischem Fell, Folien usw. zu inhaltlich und visuell verführerischen Bildern. Ihre ungewöhnliche Materialästhetik verbindet industriell hergestellte, bisher kaum in der Kunst sondern vor allem in der Werbung und Industrie genutzte Materialien, die teils sehr handwerklich zu bearbeiten waren. Axell verwendet Plexiglas mit einer halbtransparenten Oberfläche, dass sie mal auf der Vorder- mal auf der Rückseite bemalt und es in ihren Kompositionen so staffelt, dass ein Spiel mit durchsichtigen und undurchsichtigen Flächen entsteht.

Die Hauptfiguren sind zumeist Frauen, oftmals nackt und nicht selten sie selbst – mal als direktes Selbstportrait, mal indirekt, wenn sie selbst für Fotos posierte, von denen ihre malerischen Arbeiten ausgehen. So kreist ihr künstlerisches Schaffen um die eigene Person und das Bild der Frau und beansprucht einen Impetus der Befreiung. Die selbst gewählte Nacktheit affirmiert das Pin-Up, um es positiv als Ausdruck weiblicher Sexualität und Selbstbestimmung zu besetzen. Diesem Thema widmet sich auch die Ausstellung im Kunstverein Hamburg und zeigt eine Auswahl ihrer späteren Arbeiten des nur sehr kurzen Schaffens von Axell, das ca. 1964 begann und 1972 durch einen Unfalltod beendet wurde.

Geprägt von den 1960er Jahren und ihren gesellschaftlich-politischen Ereignissen dringen ihre Arbeiten in Tabuzonen ein und tarieren auf diese Weise eine neue Freiheit aus, die sich aus den Begrenzungen löst, die auf der einen Seite von der Rolle des Heimchens und auf der anderen Seite von der Stilisierung der Frau als Objekt männlicher Begierde umrissen wird.

Als Institution für zeitgenössische Kunst ist es nicht nur die Aufgabe des Kunstvereins junge Kunst zu zeigen, sondern auch die aktuelle Kunstproduktion historisch zu kontextualisieren. Besonders in den Fällen, in denen eine aus unserer Perspektive bedeutsame Position lange Zeit von der allgemeinen Kunstge-schichtsschreibung nicht beachtet wurde. Axell ist für ihre Zeit in bemerkenswert freier Weise mit Materialien umgegangen und hat bereits feministische Inhalte verhandelt, bevor es den Feminismus überhaupt gab. Ihre Politik der eigenen Person ist in Zeiten, in denen Selbstbilder durch Werbung und andere media-le Repräsentationen fremdbestimmt werden, von gleichbleibender Aktualität.

Die Ausstellung ist eine Übernahme des WIELS (Brüssel) und wird im Anschluss im Rahmen einer um-fangreichen Präsentation im Museum Abteiberg (Mönchengladbach) gezeigt.