Ausstellungen

The elephant behind the clown

Tal R

9. April - 13. Juni 2011

Tal R, Blind date, 2009/10, Courtesy Contemporary Fine Arts, Berlin, Foto: Jochen Littkemann
Tal R, We are the elephants, 2010, Courtesy Contemporary Fine Arts, Berlin, Foto: Jochen LittkemannTal R, Haute Couture, 2010, Courtesy Contemporary Fine Arts, Berlin, Foto: Jochen Littkemann Tal R, The Levant, 2010, Courtesy Contemporary Fine Arts, Berlin, Foto: Jochen Littkemann Tal R, The Call, 2009, Courtesy Contemporary Fine Arts, Berlin, Foto: Jochen Littkemann Tal R, The Lilly pond, 2010, Courtesy Contemporary Fine Arts, Berlin, Foto: Jochen Littkemann TAL R, The Old, 2010, Courtesy Contemporary Fine Arts, Berlin, Foto: Jochen LittkemannTal R, The elephant behind the clown, 2011, Installationsansicht / installation view, Kunstverein Hamburg, 2011, Courtesy Contemporary Fine Arts, Berlin, Foto / photo: Fred Dott / Kunstverein Tal R, The elephant behind the clown, 2011, Installationsansicht / installation view, Kunstverein Hamburg, 2011, Courtesy Contemporary Fine Arts, Berlin, Foto / photo: Fred Dott / Kunstverein Tal R, The elephant behind the clown, 2011, Installationsansicht / installation view, Kunstverein Hamburg, 2011, Courtesy Contemporary Fine Arts, Berlin, Foto / photo: Fred Dott / Kunstverein Tal R, The elephant behind the clown, 2011, Installationsansicht / installation view, Kunstverein Hamburg, 2011, Courtesy Contemporary Fine Arts, Berlin, Foto / photo: Fred Dott / Kunstverein Tal R, The elephant behind the clown, 2011, Installationsansicht / installation view, Kunstverein Hamburg, 2011, Courtesy Contemporary Fine Arts, Berlin, Foto / photo: Fred Dott / Kunstverein

Die Arbeiten – ob Collagen, Zeichnungen oder Malereien – des israelisch-dänischen Künstlers Tal R (*1967, lebt in Kopenhagen) zeichnen sich durch ihre schiere Menge an Elementen und Bedeutungen aus. Die komplex aufgebauten Bilderwelten setzen sich aus unzähligen abstrakten Formen und gegenständlichen Figuren zusammen, die in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen, wodurch das erwartete Chaos in Anbetracht der zahlreichen Farben und Formen ausbleibt. Der Bildaufbau folgt vielmehr einer inneren Logik und wirkt dabei doch leicht und unbekümmert. Er selbst bezeichnet es als "wilden Minimalismus ohne Puritanismus". Ausgangspunkt für das gemalte Bilderuniversum sind weniger genaue Vorskizzen, sondern komplexe Sätze, die er vorab im Kopf zusammensetzt. Mit Worten beschreibt er das Geschehen auf der Leinwand und das zukünftige Bild, bevor es aufgetragen wird. Dabei darf man sich diesen Transformationsprozess nicht als eine visuelle Eins-zu-Eins-Übersetzung vorstellen. Vielmehr versucht er, der Sprache – ihrem Aufbau, ihrer Phonetik und der Zweideutigkeit – auf bildlicher Ebene so nah wie möglich zu kommen.

Dabei "sprechen" seine Arbeiten ohne konkrete Schriftzeichen und entwickeln eine eigene Narration, die sich allerdings für die BetrachterInnen nicht völlig erschließt. Die grafischen Kompositionen vereinen kulturelle Verweise aus fremden Kulturen, überlieferten Mythen oder unserer Alltagswelt und eröffnen ein breites Interpretationsspektrum. Nicht alles lässt sich bis ins Detail erfahren, vieles wird nur angedeutet und zeigt unterschiedliche Richtungen auf. In den aktuellen Arbeiten tauchen z.B. wiederholt Motive aus dem Zirkus, dem Theater oder orientalischen Märchen auf. Orte und Situationen, die seit frühester Kindheit mit Traumwelten assoziiert werden, die viel Raum für eigene Fantasien und das Spiel mit Identitäten zulassen. Am unteren Bildrand verläuft jeweils ein farbiger Balken, der dem Geschehen im Bild eine Bühne bereitet und der formalen Flächenorganisation einen Abschluss bietet. Er bildet die ruhige Basis für das wilde Schauspiel, welches sich darüber ausbreitet.

Die formale Auseinandersetzung erfolgt immer auch in Relation zur Leinwand. Tal R versteht sich bewusst als Maler, der mit den Variationen und Möglichkeiten spielt, die ihm die Malerei bietet. Für den aktuellen Werkkomplex der letzten zwei Jahre, der nun im Kunstverein Hamburg präsentiert wird, verwendet er ein Gemisch aus Hasenleim und unterschiedlichen Pigmenten, das er – hin und wieder ergänzt um Wachskreide – direkt auf die Leinwand aufträgt. Das schnelle Trocknen des Leims erfordert eine konkrete Vorstellung des Endergebnisses. Einmal "Gemaltes" lässt sich im Nachhinein nicht mehr verändern. Der Farbauftrag ist dabei sehr dünn und flächig, Pinselstriche sind nicht zu erkennen. Den Arbeiten fehlt der spezielle Duktus, die Aura der Öl-Malerei auf Grund der spröden und rauen Oberfläche.

Der Kunstverein Hamburg präsentiert die ca. 20 Arbeiten in einer dafür neu errichteten Architektur im ersten Obergeschoss. Dadurch wird für die ca. 2,50 x 2,50 Meter großen Leinwände eine "Raum im Raum"-Situation geschaffen, die eine konzentrierte Gegenüberstellung zwischen BetrachterInnen und Kunstwerk ermöglicht. Der künstlich verkleinerte Präsentationsraum schafft eine besondere Enge und Konfrontation, die in dem sonst so großzügigen und offenen Ausstellungsraum in dieser Form nicht gegeben ist.

Begleitend zur Ausstellung erscheint im Snoeck Verlag ein Katalog mit einem Interview zwischen Tal R und Florian Waldvogel.

Interview mit Tal R bei WhiteTube.de
Ausschnitt aus dem Artist Talk vom 27. April 2011 im Kunstverein


Die Ausstellung wird gefördert von Danish Arts Council.