Ausstellungen

Gert & Uwe Tobias

28. Januar - 11. November 2012

Gert und Uwe Tobias, Installationsansicht Kunstverein Hamburg, 2011, Foto: Alistair Overbruck, VG Bild-Kunst, Bonn 2011
Gert und Uwe Tobias, Installationsansicht Kunstverein Hamburg, 2011, Foto: Alistair Overbruck, VG Bild-Kunst, Bonn 2011Gert und Uwe Tobias, Installationsansicht Kunstverein Hamburg, 2011, Foto: Alistair Overbruck, VG Bild-Kunst, Bonn 2011

Für den Kunstverein in Hamburg entwickeln Gert & Uwe Tobias (* 1973 in Brasov, Rumänien, leben in Köln) eine Installation, die den Ort in seiner räumlichen Gesamtheit zu einem fantastischen Kopfraum werden lässt: Bis zum 29. April 2012 waren ihre Arbeiten im gesamten Haus auf ca. 1.300 qm zu sehen. Nach und nach wird ein Teil ihrer Installation verschwinden und Platz machen für die Präsentationen weiterer KünstlerInnen, bis ab Mitte des Jahres nur noch Foyer und Treppenhaus erhalten sind.

Die beiden Brüder arbeiten seit Ende ihres Studiums gemeinsam an Zeichnungen, Keramiken und Holzschnitten, die sie zu Gesamtinstallationen zusammenfügen, die oftmals über farbige Wände und räumliche Eingriffe zusammengehalten werden. Aber nicht nur äußerlich sind sie verbunden, sondern auch auf der Ebene der Motivik. In jedem ihrer Medien spüren sie den Ausgeburten surrealer Vorstellungen und Fantasien nach.

Zumeist sind es Figuren, die zwar dem Menschlichen nahe stehen, sich aber andererseits weit von ihm entfernen. Teils wachsen diese Protagonisten aus vasen- oder gefäßartigen Einzelteilen prekär in die Höhe, manch einer braucht gar einen Stock, um sich auf den Beinen zu halten, teils sind Magazinteile in die Zeichnungen hineincollagiert, die Teile des Körpers ersetzen. Hierdurch entsteht eine Form der Abstraktheit, wie sie der Fantasie eigen ist, verkürzt an mancher Stelle und weitet sich an anderer ins Unermessliche aus. So die auf diesen Konstrukten aufsitzenden Köpfe, die Hörner tragen oder sich durch lange, triefende Nasen auszeichnen.

Folkloristische Motive entspringen aus kollektiven gesellschaftlichen Strukturen, ihren Erinnerungen und Überlieferungen. So greifen Gert & Uwe Tobias auch manches Mal auf ein Strickmusterbuch ihrer Mutter zurück. Eine domestizierte Motivik, die die beiden in ihre Holzschnitte und ihre Schreibmaschi-nenzeichnungen übertragen. Beides sind vermittelte Arbeitsweisen, die aufwändig und durch Überlappung funktionieren. Ihre Holzschnitte entstehen im Puzzledruck, einem Verfahren, das aus einer Anzahl von Druckstöcken das eigentliche Bild zusammensetzt. Von jedem Holzschnitt entstehen, der Idee der Massenreproduktion entgegengesetzt, gerade einmal zwei Drucke. Jeder Ausstellung stellen Gert & Uwe Tobias ein Plakat voran, das dem Betrachter im Raum, wie ein Hinweisschild aufgestellt, begegnet. Wie der Umschlag eines Buches eröffnet es dem Betrachter den surrealen Raum, in dem sich die Narration der Einzelelemente entfaltet.

Auch den ebenfalls kleinformatigen Zeichnungen mit ihren verwischten Konturen ist eine traumhafte Qualität zu Eigen. Die Skizzen und Zeichnungen wirken wie Vorarbeiten für die Holzschnitte und sind Etappen auf dem Weg zu immer größerer Abstraktion, bis das Motiv in seiner grafischen Form umsetzbar wird. So ist es kein Zufall, dass auch das Schriftzeichen als grafische Abstraktion par excellence in ihren Arbeiten immer wieder auftaucht. Das zunächst Ungeformte und latent Vorhandene erfährt in Form des Musters eine immer stärkere Konventionalisierung. Aber eben auch eine Abstrahierung, die wiederum dem Träumerischen sein Zuhause gibt.

Publikation zur Ausstellung

Vortrag von Karl-Josef Pazzini anlässlich der Buchpräsentation zum Anhören und zum Lesen als pdf.