Ausstellungen

Hausrat

Alexandra Bircken

12. Mai - 2. September 2012

Alexandra Bircken, Lapsus, 2010, Installationsansicht / installation view, Kunstverein Hamburg, Foto: Fred Dott, Kunstverein Hamburg, Courtesy: BQ, Berlin
Alexandra Bircken, Hausrat, 2012, Installationsansicht / installation view, Kunstverein Hamburg, Foto: Fred Dott, Kunstverein Hamburg, Courtesy: BQ, Berlin; Herald St, London; Kimmerich, New YorkAlexandra Bircken, Hausrat, 2012, Installationsansicht / installation view, Kunstverein Hamburg, Foto: Fred Dott, Kunstverein Hamburg, Courtesy: BQ, Berlin; Herald St, London; Kimmerich, New YorkAlexandra Bircken, Cagey, 2012 (im Vordergrund), Installationsansicht / installation view, Kunstverein Hamburg, Foto: Fred Dott, Kunstverein Hamburg, Courtesy: BQ, Berlin; Herald St, London; Kimmerich, New YorkAlexandra Bircken, Skin 2, 2010, Foto: Joshua White, Los Angeles, Courtesy: BQ, Berlin; Herald St, London; Kimmerich, New YorkAlexandra Bircken, Hausrat, 2012, Installationsansicht / installation view, Kunstverein Hamburg, Foto: Fred Dott, Kunstverein Hamburg, Courtesy: BQ, Berlin; Herald St, London; Kimmerich, New YorkAlexandra Bircken, Cagey, 2012 (im Vordergrund), Installationsansicht / installation view, Kunstverein Hamburg, Foto: Fred Dott, Kunstverein Hamburg, Courtesy: BQ, Berlin; Herald St, London; Kimmerich, New YorkAlexandra Bircken, Pferdchen, 2008, Foto: Jonas Leihener, Frankfurt/M., Courtesy BQ, Berlin; Herald St, London; Kimmerich, New YorkAlexandra Bircken, Netzt mit Maria, 2008, Stiftung Museum Kunstpalast – Dauerleihgabe Sammlung Stadtsparkasse, Installationsansicht / installation view, Kunstverein Hamburg, Foto: Fred Dott, Kunstverein Hamburg Alexandra Bircken, Chariot, 2012, Installationsansicht / installation view, Kunstverein Hamburg, Foto: Fred Dott, Kunstverein Hamburg, Courtesy: BQ, Berlin; Herald St, London; Kimmerich, New York

Der Titel "Hausrat" lässt sich im Kontext der Ausstellung durchaus wörtlich verstehen: Die Ausstellungshalle bevölkert eine Vielzahl von Objekten, die entweder direkt aus dem häuslichen Umfeld entnommen sind (z. B. Bügelbrett, Schlittenkufen oder Teppich), mit gewissen heimischen Assoziationen spielen oder das Häusliche vielmehr im Sinne eines Behausens verstehen lassen. Auch Überbleibsel, die gemeinhin als Müll gelten, finden sich in veränderter und bearbeiteter Form wieder: In Latex dauerhaft konservierte, zusammengekehrte Abfälle, getrocknete Früchte oder Blätter werden zu Stillleben kombiniert und ergeben eine Art Bestandsaufnahme.

Dem Häuslichen entnommen sind auch die verschiedenen GetaLit-Platten (spezielle Schichtstoffplatten). Ihrem ursprünglichen Kontext entzogen, an die Wände des Ausstellungsraumes montiert, wandeln sich die einmal Holz, einmal Stein imitierenden Küchenarbeitsplatten zu einer Behauptung von Autonomie, die durch die abstrahierte Mimikry des vorbildhaften Materials in Form eines idealtypischen Musters latent absurd wird. Die Präsentation der großflächigen Platten direkt auf der Wand, verleiht ihnen eine Bildhaftigkeit und erinnert an monochrome Malerei. In ihrer bildnerischen Monotonie und ohne materiellen künstlerischen Eingriff stehen sie im Gegensatz zu anderen Arbeiten der Ausstellung, die zwar auch Materialitäten und Oberflächen nutzen, diese aber frei verwenden, mit anderen Materialien kombinieren und einer Transformation unterziehen.

In den Skulpturen von Alexandra Bircken (* 1967, lebt in Köln) spielen Materialien eine außerordentliche Rolle. Es sind vor allem "arme" Reststoffe oder klassische Konstruktionsmittel, die durch Prozesse handwerklicher Arbeit zu einer neuen Funktion verwoben werden. Neben modellierbaren Materialien wie Wolle, Textilien oder Mörtel verwendet sie auch objets trouvé aus der Natur oder der Alltagswelt. Sie fungieren einerseits als eine Art "Text", der eine Vielzahl von Implikationen, gesellschaftlichen Distinktionen oder Symboliken vereint. Andererseits sind sie auch archetypische Texturen. Ein "Stoff" kann als Membran ganz unterschiedliche umhüllende Funktionen erfüllen – als Bekleidung und als Behausung ebenso wie als Segel -, kann Verschiedenstes verweben und auf ganz stoffliche Weise taktile wie psychologisch unterschiedliche Eigenschaften in sich tragen.

Die Arbeit "Cagey" (2012) wird durch eine gewebte Außenhaut aus Mörtel, Stoffstreifen sowie Kleidungsstücken zu einem archaischen Zelt, das Schutz anbietet, Wärme suggeriert und doch filigran und porös wirkt. Auf Rollen montiert ist die Skulptur potentiell beweglich – ebenso wie "Chariot" (2012), bei der ein altes Skateboard und ein gebrauchter Fahrradrahmen als Träger für unterschiedliche Fundstücke wie Stroh, Gummireste oder Kohle dienen  – auch wenn sie scheinbar in der Ausstellung gestrandet erscheint.

Indem Bircken Künstliches und Natürliches, Hartes und Weiches unhierarchisch zusammenbringt oder miteinander verwebt, thematisiert sie Gegensätze und Rollenmuster, die auch für den Menschen ihre Netze auslegen, einen gefangen halten und nicht mehr loslassen. Das textile Spinnennetz, in dem sich unterschiedliche Gegenstände wie Kinderspielzeug, Kleidungsstücke oder Äste und Steine verfangen, ist ein häufig wiederkehrendes Motiv ihrer Arbeiten. Dabei steht die Form und Funktion des einzelnen Fundstücks tendenziell im Hintergrund und wird über sich selbst hinaus geführt.

Interview von whitetube.de mit Alexandra Bircken

Die Ausstellung wird unterstützt durch die Westag & Getalit AG sowie Adolf Fette.