Ausstellungen

Ils sont fous ces Romains!

Manuel Graf

15. September - 2. Dezember 2012

Manuel Graf, Let music play!, 2012, Installationsansicht / installation view, Kunstverein Hamburg 2012, Foto / photo: Fred Dott / Kunstverein, Courtesy Van Horn, Düsseldorf und Johann König, Berlin
Manuel Graf, Let music play!, 2012, Installationsansicht / installation view, Kunstverein Hamburg 2012, Foto / photo: Fred Dott / Kunstverein, Courtesy Van Horn, Düsseldorf und Johann König, Berlin Manuel Graf, Neolithic Memory Stick, 2012, Installationsansicht / installation view, Kunstverein Hamburg 2012, Foto / photo: Fred Dott / Kunstverein, Courtesy Van Horn, Düsseldorf und Johann König, Berlin Manue Graf, Ils sont fous ces Romains!, Installationsansicht / installation view, Kunstverein Hamburg, Foto: Fred Dott, KunstvereinManuel Graf, Let music play!, 2012, Installationsansicht / installation view, Kunstverein Hamburg 2012, Foto / photo: Fred Dott / Kunstverein, Courtesy Van Horn, Düsseldorf und Johann König, Berlin Manuel Graf, Let music play!, 2012, Zweikanal Videoprojektion, Still, Courtesy Van Horn, Düsseldorf und Johann König, BerlinManuel Graf, Let music play!, 2012, Zweikanal Videoprojektion, Still, Courtesy Van Horn, Düsseldorf und Johann König, BerlinManuel Graf, Let music play!, 2012, Zweikanal Videoprojektion, Still, Courtesy Van Horn, Düsseldorf und Johann König, Berlin

"Ils sont fous ces Romains!" (Die spinnen die Römer!) ist der Titel von Manuel Grafs (*1978, lebt in Düsseldorf) Ausstellung im  Erdgeschoss des Kunstverein in Hamburg. Er zitiert damit den kopfschüttelnden Obelix, der den Gewohnheiten der Römer verständnislos gegenübersteht, und das aus vielerlei Gründen. Denn der eigene Blick auf das Fremde, tradierte Begriffe, Seh-, Sprach- und Denkgewohnheiten beschränken oftmals den Zugang. Und gerade hiergegen arbeitet Manuel Graf mit seinen Arbeiten, wenn er versucht gegen den Strich zu lesen und alternative Modelle vorzuschlagen – auf das Andere und natürlich auch das Eigene.

Der zweiteilige Hauptfilm dieser Ausstellung Let Music Play?, 2012 (Zweikanal Videoprojektion, Dauer: 20:00 min, Wasserbecken) wird von einem flachen Wasserbecken begleitet, das dem Raumkonzept der persischen Vier-Iwan-Moschee entlehnt ist, und in dem sich die Projektionen reflektieren. Das Besondere dieses Moscheentyps ist eine Art zentrifugales Raumgefühl, das im Gegensatz zu Architekturen steht, die eine Richtung angeben oder versammelnd wirken. Mit abendländischer Terminologie, die Begriffe wie Halle, Nische, Portal oder Tor verwendet, ist ein Iwan – ein an drei Seiten geschlossener, nach vorne hin vollständig geöffneter Raum – nicht eindeutig zu beschreiben. Diagramme und ein unabhängiger Kommentator fokussieren und objektivieren den Inhalt im Film und veranschaulichen die Dynamiken der verglichenen Raumkategorien (Längsbau, Zentralbau, Säulenhalle und die zentrifugale Vier-Iwan-Moschee). Wie oben schon angedeutet versagt der Kommentator in seinem Versuch, die Moscheen zu beschreiben und macht einem Musiker Platz. Es folgt eine Sequenz mit nahezu identischen Bildern, die sich von den beschreibenden Kategorien und Begrifflichkeiten zu lösen versucht und stattdessen Musik sprechen lässt, die hierfür von Detlef Weinrich (Kreidler) komponiert wurde. In dem zweiten Film, einem Anhang, der fußnotenartig strukturiert ist, findet hauptsächlich found footage Verwendung, das als Materialsammlung aus Text und Bild offene Fragen und weiterführende Recherchen anbietet.

Die Arbeit Neolithic Memory Stick, 2012 (Videoprojektion, Dauer: 5:30 min, Vitrine mit verschiedenen Keramiken, Maße variabel) ist ihrerseits eine Bildermaschine: Graf hat historische Keramiken nachgeformt und sie teils Jahrtausende überspringen lassen, indem er sie mit Boulevardnachrichten beschrieben hat ("The Blackberry is more of a work phone, and the iPhone is a pleasure..."). Nacheinander rotieren auf einer Leinwand hinter der Vitrine die digitalen Doppelgänger der Gefäße: Gut lesbar und allansichtig werden die Gefäße, von Vitrine und Patina befreit, in ihrer entstofflichten Form projiziert. Zwei unterschiedliche Konzepte stehen sich im Schuss-Gegenschussprinzip gegenüber und exemplifizieren ihre verschiedenen Betrachtungs- und Verarbeitungsmöglichkeiten.

La Mediterranée, 2010 (Video, Dauer: 12:14 min) fasst verschiedene Werke Fernand Braudels zu einer auf 13 Minuten verkürzten Geschichte des Mittelmeerraumes zusammen. Braudel (1902 – 1985) war ein französischer Historiker, der sich von der Ereignisgeschichte ab und den längerfristigen Entwicklungen und Bewegungen, der "longue durée" zugewandt hat: Geographischen und zivilisatorischen Entwicklungen, die Jahrzehnte und Jahrhunderte überspannen. Mit filmischen Mitteln erzählt Graf in Braudels Worten das Anheben und Abebben von Geschichte und löst die Kontinuität der Zeitleiste in Kreisläufe und Rhythmen auf.

Die Ausstellung wird gefördert von der Kunststiftung NRW

Manuel Graf im Filmportrait von WhiteTube.de