Ausstellungen

Der Pappenheimer

John Bock

1. Mai - 30. Juni 2013

John Bock, Der Pappenheimer, Installationsansicht Kunstverein Hamburg 2013, Foto: Fred Dott / Kunstverein
John Bock, Der Pappenheimer, Installationsansicht Kunstverein Hamburg 2013, Foto: Fred Dott / KunstvereinJohn Bock, Der Pappenheimer, Installationsansicht Kunstverein Hamburg 2013, Foto: Fred Dott / KunstvereinJohn Bock, Der Pappenheimer, Installationsansicht Kunstverein Hamburg 2013, Foto: Fred Dott / KunstvereinJohn Bock, Der Pappenheimer, Installationsansicht Kunstverein Hamburg 2013, Foto: Fred Dott / KunstvereinJohn Bock, Der Pappenheimer, Installationsansicht Kunstverein Hamburg 2013, Foto: Fred Dott / KunstvereinJohn Bock, Der Pappenheimer, Installationsansicht Kunstverein Hamburg 2013, Foto: Fred Dott / Kunstverein

John Bock studierte zuerst Betriebswirtschaft, bevor er bis 1997 an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg bei Franz Erhard Walther studierte. Schon während dieser Zeit entwickelte er die Form der Lecture-Performance, die sein Werk bis heute prägt. Eine der ersten, 1992, mit dem Titel "Wie werde ich berühmt", beschäftigte sich mit der Rolle des Künstlers, den eigenen und gesellschaftlichen Ansprüchen und eventuellen An- und Überforderungen. Diese, mit dem vielleicht irreführenden Begriff "Vortrag" bezeichneten Aktionen verbinden Dada und absurdes Theater, Groteske mit Selbstironie und beziehen das Publikum immer direkt mit ein. Manchmal wird es Bestandteil der Aktionen, oftmals wird es aber zu einem Spiegel seiner eigenen Präsenz.

Während Bock anfangs alleine auf der Bühne wirkte, kamen später auch Laiendarsteller und professionelle Schauspieler hinzu. Sie alle tragen eigenwillige Kostüme, Körperergänzungen oder werden Teil von organisch wirkenden Apparaturen, aus denen nicht selten glibbrige Flüssigkeiten tropfen. Die "Vorträge" entwickelten sich immer mehr zu raumfüllenden und ausufernden Installationen, bei denen die Requisiten und Kostüme zu künstlerischen Skulpturen und Objekten werden. Er baut Tunnel, durch die die BesucherInnen nur gebückt laufen können, oder sie müssen über schwankende Stege oder instabile Treppen klettern. Es ist das Chaos, welches ihn interessiert, die Hinterfragung der Sicherheit und der Norm.

"Seine Vorträge sind der Versuch, die Welt zwischen Skurilität und Absurdität neu zu bestimmen. Dabei kommt es immer wieder zu Momenten der Wahrhaftigkeit, die im spielerischen Ernst gleichsam versteckt sind.", bemerkte Peter Packesch, der Direktor der Kunsthalle Basel, anlässlich Bocks dortiger Ausstellung 1999. Im selben Jahr nahm Bock an der Venedig Biennale teil, drei Jahre später, 2002, an der documenta 11 in Kassel.

Bock erhebt keine Ansprüche auf Konsistenz, auf Klarheit und erzählerische Folgerichtigkeit. Nur wenige Begriffspaare oder gar Sätze sind in seinen Aktionen zu verstehen. Er liebt das Spiel mit Anspielungen, die vielleicht gar keine sind oder sein wollen. Er überlässt es den ZuschauerInnen, Querverweise oder Anknüpfungspunkte zu finden. Diese existieren kunsthistorisch bei den Surrealisten, im Dada und im Fluxus. Aber auch Franz West oder Ed Kienholz sind Referenzpunkte in seinem vielseitigen Werk. Seine Arbeiten kennzeichnet aber auch immer eine besonders spielerische Form der Institutionskritik. Sind seine Installationen nicht von ungefähr das genaue Gegenteil zu den aseptischen white cubes des Kunstbetriebes. Er setzt einen Kontrapunkt zu den reduzierten Ausstellungsräumen, in denen alles auf-geräumt und auf das Notwendigste reduziert ist. Seine Arbeiten sind ausufernd und raumgreifend, laut und bunt – und rütteln das Publikum dadurch immer wieder wach.

Seit 2001 entstanden auch zahlreiche Film- und Video-Arbeiten, die sich in ihrer visuellen Sprache stark an den Aktionen orientieren: vieles erscheint improvisiert und mit einfachsten Mitteln realisiert, die einzelnen Genre werden ohne Berührungsängste miteinander kombiniert und am Ende entsteht eine Text-Bild-Collage, die völlig losgelöst von einem bestimmten Zeithorizont zu verorten ist.

Im Jahr 2010 wurde John Bock eingeladen, als Kurator und Künstler die Temporäre Kunsthalle in Berlin zu bespielen. In die Mischung aus einem Baumhaus und einem Klettergerüst baute Bock zahlreiche Kammern und Nischen, die er wiederum mit Kunst ausstatte. Dafür bediente er sich unterschiedlichster Arbeiten aus allen kunstnahen Disziplinen, von Modedesign bis hin zu "Reliquien" bekannter Schauspielerinnen und integrierte Werke von mehr als 30 KünstlerInnen. Er schuf ein Gesamtkunstwerk, welches den zahl-reichen eigenständigen Kunstwerken vielleicht keinen großen Raum gab, aber ihnen eine visuelle und inhaltliche Nachbarschaft bot, die viele Gruppenausstellungen zu wünschen lassen.

Mit der geplanten Präsentation im Kunstverein Hamburg 2013 erhält John Bock die erste institutionelle Ausstellung in Hamburg, eine längst überfällige Würdigung seines vielseitigen Schaffens. Bock verwandelt die erste Etage des Kunstvereins in eine Gesamtinstallation, die die unterschiedlichen Aspekte seines Werkes vereint und als Geruchsstation fungiert, deren Ursprünge für die BesucherInnen aber im Verborgenen bleiben. Durch Gänge geleitet, in kleine Räume geführt, verlieren die BesucherInnen das Gefühl für den Raum und müssen sich so auf diese ungewohnte Wahrnehmungssituation einstellen.

Zur Ausstellung erscheint eine Edition.