Ausstellungen

IM FRÜHLING, DARLING.

28.6. - 14.9.2014

"Im Frühling. Darling.", Ausstellungsansicht, Kunstverein in Hamburg, Foto: Fred Dott
"Im Frühling. Darling.", Ausstellungsansicht, Kunstverein in Hamburg, Foto: Fred Dott"Im Frühling. Darling.", Ausstellungsansicht, Kunstverein in Hamburg, Foto: Fred Dott"Im Frühling. Darling.", Ausstellungsansicht, Kunstverein in Hamburg, Foto: Fred Dott"Im Frühling. Darling.", Ausstellungsansicht, Kunstverein in Hamburg, Foto: Fred Dott"Im Frühling. Darling.", Ausstellungsansicht, Kunstverein in Hamburg, Foto: Fred Dott"Im Frühling. Darling.", Ausstellungsansicht, Kunstverein in Hamburg, Foto: Fred Dott

Magnus Andersen, Jennifer Bennett, Christoph Blawert, Cordula Ditz, Ida Lennartsson, Annika Kahrs, Inge Krause, Axel Loytved, Stefan Marx, George Rippon, Anna Zacharoff


Der Klang eines Pianos, das zu den Vögeln spielt, leere geisterhafte Häuser in Detroit, Fassaden eines vergangenen Traums, Wüste, die endlose Weite des Himmels und die heimliche Hoffnung, eine Begegnung in der Ewigkeit zu verankern – in Momenten wie diesen formuliert sich in der Ausstellung „Im Frühling, Darling.“ das Gefühl der Sehnsucht, die unbestimmte Verbundenheit zu fernen Orten, Zuständen und Dingen. Das Gefühl der Sehnsucht ist ein tief persönliches Empfinden, einnehmend, komplex und zwiespältig und spiegelt damit auch unsere prekäre Welt voller Instabilität und eine ungewisse Zukunft wider, in der die Verwundbarkeit der Gesellschaft hinterfragt und die Zerbrechlichkeit der menschlichen Angelegenheiten sichtbar wird.

„Im Frühling, Darling.“ verlegt den Frühling in den Sommer, versucht zurückzuholen, was bereits geschehen ist oder vermittelt eine bestimmte nostalgische Aufbruchsstimmung, die jenseits aller bestimmenden Kategorien der Motor von Veränderung ist. In der subjektiven, allegorischen Behauptung liegt die Möglichkeit. Der Dialog, den die Ausstellung locker zwischen den Arbeiten herstellt, überführt die verborgenen Träume und Wünsche der Einzelnen in Zusammenhänge, und zeigt, dass Sehnsüchte individuell gelebt, aber durchaus kollektiv produziert und kommuniziert werden.
Das Video von Annika Kahrs zeigt einen Pianisten, der vor Vögeln das Stück „Die Vogelpredigt des Heiligen Franz von Assisi“ von Franz Liszt spielt. Es scheint, als manifestiere sich hier das Ende des Zeitalters der Aufklärung, denn Rifkin zufolge kann nur ein Zeitalter der Empathie, welches alle Lebewesen anerkennt und von Einfühlungsvermögen bestimmt wird, die Zivilisation retten. Cordula Ditz erzählt in ihrer Arbeit „A Bankrupt Heart“ von erfüllten Sehnsüchten und ihrer Vergänglichkeit. In einer Doppelprojektion werden das heutige Detroit nach der Finanzkrise und die verlassene Goldgräberkolonie Rhyolite (Nevada) einander gegenüberstellt. Die Parallelen zwischen den geisterhaften Orten sind evident und bilden eine Projektionsfläche, auf der die Sehnsucht nach dem guten Leben vielleicht nochmals neu gestellt werden muss. Stefan Marx’ Arbeiten sind geprägt von einer doppelten Textur. Sie werden getragen von einer dynamischen Unmittelbarkeit und schroffen Ästhetik, die mit ironischen Untertönen unterlegt sind: „It feels a bit like goodbye and in a way it is I guess “ verweist auf eine unbestimmte Ahnung von Verlust, die sich wartend in der Schwebe befindet, in Unschlüssigkeit verharrt. Ida Lennartsson hingegen thematisiert in ihren Objekten „Ruinen“ körperliches und tabuisiertes Begehren durch die Spuren einer Fesselung. Einen möglichen anderen körperlichen Übergriff beinhaltet Jennifer Bennetts Keramikobjekt „Machtverschiebungen“, das an eine mittelalterliche Schlagwaffe zur territorialen Verteidigung erinnert. Auch Magnus Andersen und Christoph Blawert überschreiten den imaginären Raum der Sehnsucht, indem sie in ihrer Malerei Machfantasien anklingen lassen. Geöffnet und konterkariert wird diese Eingrenzung durch Inge Krause, deren Malereien in ihrer Gegenstandslosigkeit Facetten des Himmels spiegeln und ein Gefühl der Unendlichkeit vermitteln. In den Arbeiten von Anna Zacharoff, Axel Loytved und George Rippon konkretisiert sich dieser Blick auf den Alltag weiter. Anna Zacharoffs Burger erzählt mit betörend einfachen Mitteln unsere Lust am Konsum, während Axel Loytved zu Müll deklarierte Gegenstände aus dem Abseits zurückholt und Vorstellungen von Wertzuordnungen in Frage stellt. George Rippons in Vitrinen arrangierte Kassenbons, Einkaufszettel, Briefe und anderes Gefundenes schließlich fragen nach der Konstruktion von Bedeutungsebenen, die täglich entstehen und neue Sehnsüchte kreieren.
Als Work-in-Progress werden unter dem Motto „Dear Darling“ zudem im Verlauf der Ausstellung kontinuierlich von Künstlern geschriebene wie gestaltete Urlaubspostkarten - das ultimative Medium des sehnsüchtigen Ausdrucks - im Kunstverein eintreffen. Deren Aussage wird aber dadurch verschoben, dass sie genau diesen Moment der Sehnsucht reflektieren und vielleicht auch konterkarieren.

Postkarten haben "Dear Darling" bereits erreicht von:
Nick Oberthaler, Wendelin Pressl, Nicole Messenlehner, Sara Christensen, Axel Loytved, Christoph Meier, Ute Müller, Jennifer Bennett, Christiane Blattmann, Verena Issel, Nadja Frank, Mahony, David Polzin, Benjamin Yavuzsoy, Katrin Connan, Hugo Canolias, Markus Hofer, Benjamin Hirte, Jochen Schmith, Eran Schaerf, Simon Schede, Tobias Sandberger, Jannis Marwitz, 'Alexander Wolf', Anna Artaker, Matthias Klos, Franz Riedl, Nina Dick, Wolfgang Fütterer, Ida Roscher, Caroline Heider, Svenja Deininger, Jakob Lena Knebl, Nadja Athanassowa, Balz Isler, Hannah Rath, Anna Witt ...

Kuratiert von Nadine Droste und Juliane Feldhoffer

Mit freundlicher Unterstützung der Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg