Ausstellungen

I, Too, Wondered Whether I Could Not Sell Something And Succeed In Life. - URSA MAJOR

Niklas Hausser

13.5.–17.5.15

I, Too, Wondered Whether I Could Not Sell Something And Succeed In Life., Niklas Hausser, Ausstellungsansicht, Kunstverein in Hamburg, 2015, Foto: Fred Dott.
I, Too, Wondered Whether I Could Not Sell Something And Succeed In Life., Niklas Hausser, Ausstellungsansicht, Kunstverein in Hamburg, 2015, Foto: Fred Dott.I, Too, Wondered Whether I Could Not Sell Something And Succeed In Life., Niklas Hausser, Ausstellungsansicht, Kunstverein in Hamburg, 2015, Foto: Fred Dott.I, Too, Wondered Whether I Could Not Sell Something And Succeed In Life., Niklas Hausser, Ausstellungsansicht, Kunstverein in Hamburg, 2015, Foto: Fred Dott.Buchpräsentation ALMA, Niklas Hausser, Philip Gaißer, Kunstverein in Hamburg, 2015, Foto: Fred Dott.

„Die Karte, dieser Gesamt-Schauplatz, auf dem die ursprünglich disparaten Elemente vereint sind, um ein Bild vom ‚Stand’ des geographischen Wissens zu geben, verbirgt mit ihren Voraussetzungen und Folgen, wie hinter den Kulissen des Theaters, diejenigen Handlungen, deren Ergebnis oder deren künftige Möglichkeit sie ist.“ (Praktiken im Raum, Michel de Certeau)

Niklas Hausser kommt ursprünglich aus der Fotografie und hat während seines Studiums an der HFBK Hamburg begonnen, Videos installativ umzusetzen. Seine Arbeiten sind Bilderzeugungsmaschinen – sie thematisieren nicht nur die Produktion von Bildern, sondern lassen sie im Moment der Betrachtung entstehen. Auf die Diskrepanz zwischen Jetzt-Moment und Aufzeichnungsweisen verweist Hausser, indem er im Kunstverein in Hamburg von dem Prinzip der Kartografie ausgeht.
Gegenwärtig geben Anwendungen wie Google Maps Orientierung vor, alle Straßen sind erfasst und Wege, die auf diesen Karten nicht verzeichnet sind, scheinen nicht zu existieren. In der Hektik des Alltags dominiert die schnellste Route, jede Abkürzung ist willkommen, Zeit ist ein rares Gut – aus der Vogelperspektive allerdings scheint die Welt berechen- und kontrollierbar. Hausser fragt in seiner Ausstellung „Ursa Major“, welche Vorstellung von Raum vorherrscht in Zeiten, in denen jeder Ort virtuell besucht werden kann, in denen Entdeckungen per Mausklick geschehen. Seine Lichtinstallation geht von Sternenbildern aus, die bereits Amerigo Vespucci zur Navigation auf den Weltmeeren nutzte: Ursa Major ist der lateinische Name für das Bild des Großen Bären, das in Konstellation mit dem Großen Wagen maßgeblich zur Orientierung beiträgt und den Polarstern anzeigt. Der Künstler wirft an der Säule im unteren Raum des Kunstvereins einen Schatten, der einer Kompassnadel entspricht und nach Norden weist. Das einfallende Licht wird von einer vorhandenen Überwachungskamera aufgegriffen und auf einen Monitor übertragen, der entgegengesetzt dazu eine Karte mit Sternkonstellationen der Südhalbkugel der Erde beleuchtet. Die Bewegungen im Raum nehmen Einfluss auf die Beleuchtung der abstrahierten Karte und lassen sie zu einem Objekt werden, das so reagiert, dass es in einen Infrarotmodus wechselt, wenn das Licht die Kamera nicht mehr erreicht.

Haussers Beitrag zur Publikation ist ebenfalls eine geographische Karte und an die Tür zum Ausstellungsraum angebracht. Auf ihr wird seine eigene Geschichte mit Ereignissen der Historie verknüpft und in Wegverläufe übersetzt: Ausgehend von Haussers Heimatort zeichnet der Künstler drei Routen zur Geburtsstätte des Kartographen Martin Waldseemüllers und stellt Routenvorschläge von Google in ein Verhältnis zu einem geheimen und vom Netz nicht erfassten Fußweg. Waldseemüller war es, der die erste Weltkarte erstellte, auf der der amerikanische Kontinent verzeichnet und mit America benannt ist. Sie war komplett verschollen, bis 1901 das letzte Exemplar gefunden wurde, das mehr als 100 Jahre später von Angela Merkel gegen eine beachtliche Summe an die Kongressbibliothek in Washington übergeben wurde. Hausser deckt die Geschichten der geographischen Karten auf, er wirft einen Blick hinter die Kulissen und zeigt die Szenerien, die sich hinter der Geometrie verbergen. Jede geografische Karte ist das Ergebnis von Erkundungen, Handlungen, Bewegungen und Möglichkeiten, die sich weder in einem stabilen noch eindeutigem Raum abspielen, in dem es darum geht, die Gegebenheiten immer wieder aufs Neue auszumessen.


Niklas Hausser (geboren 1980 in Titisee-Neustadt, lebt und arbeitet in Hamburg) studierte bis 2010 an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg bei Marie José Burki, Jeanne Faust und Matt Mullican. Zusammen mit Philip Gaißer und Carsten Benger gründete er in einem ehemaligen Tennisclubheim den Ausstellungsraum ATP Bahrenfeld. Ausstellungen hatte Hausser u.a. in der M.1 Arthur Boskamp Stiftung Hohenlockstedt; Plaza Athénée, Bangkok, Thailand; Galerie Genscher, Hamburg; Golden Pudel Club, Hamburg und im Kunstverein Harburger Bahnhof, Hamburg. 2013 erhielt er den Hamburger Kulturbeutel.

Die Ausstellungsfolge wird kuratiert von Bettina Steinbrügge und Nadine Droste. In Kooperation mit der Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg. Zur Ausstellung ist eine Publikation erschienen.