Ausstellungen

I, Too, Wondered Whether I Could Not Sell Something And Succeed In Life.

Anna Lena Grau - A Grin Without A Cat

20.5. – 24.5.2015

I, Too, Wondered Whether I Could Not Sell Something And Succeed In Life., Anna Lena Grau, Ausstellungsansicht, Kunstverein in Hamburg, 2015, Foto: Fred Dott.
I, Too, Wondered Whether I Could Not Sell Something And Succeed In Life., Anna Lena Grau, Ausstellungsansicht, Kunstverein in Hamburg, 2015, Foto: Fred Dott.I, Too, Wondered Whether I Could Not Sell Something And Succeed In Life., Anna Lena Grau, Ausstellungsansicht, Kunstverein in Hamburg, 2015, Foto: Fred Dott.I, Too, Wondered Whether I Could Not Sell Something And Succeed In Life., Anna Lena Grau, Ausstellungsansicht, Kunstverein in Hamburg, 2015, Foto: Fred Dott.Vortrag Nora Sdun, Kunstverein in Hamburg, 2015, Foto: Fred Dott.

„Man könnte [...] im Abdruck eine für dieses Jahrhundert typische Form der Kritik an der klassischen Repräsentation sehen – die jedoch einen grundlegend anderen Weg einschlägt als die Abstraktion, denn statt sich radikal vom dargestellten Gegenstand, vom ‚Realen’ abzuwenden, wendet der Abdruck sich ihm radikal zu, so radikal, dass er in der Berührung jede optische‚ angemessene Distanz’ jede Konvention oder Evidenz der Sichtbarkeit, der Erkennbarkeit, der Lesbarkeit subvertiert.“ (George Didi-Huberman)


Eine Hand greift, versucht zu fassen, greift daneben – manchmal erwischt sie einen der Tonklumpen, die aus dem Off in das Bild fallen. Anna Lena Grau zeigt in ihrer Ausstellung im Kunstverein ein Reenactment des 16-mm Films Hand Catching Lead (1968). In den späten 1960er Jahren arbeitete der amerikanische Künstler Richard Serra mit leicht formbaren Materialien wie Blei oder auch Gummi, um die Produktionsprozesse im Werk einzuschreiben und sichtbar zu machen. Mit der Einschreibung der Produktionsprozesse geht natürlich die Frage nach der eigenen Arbeit und eigenen Position einher. Grau aktualisiert die Auseinandersetzung von Serra und personalisiert sie. Es ist ihre Hand, die greift, aber hier kein Blei, sondern den weicheren Ton, der auch zur Herstellung von Abdrücken dient. Das Greifen der Hand wird zu einem Denken, das zu Greifende wird zu etwas Formbaren.

In Graus Arbeiten bleiben die Spuren des Herstellungsprozesses sichtbar: Ihre überlebensgroße Skulptur rechts im Raum ist der Negativabdruck einer modellierten Hand in Form einer Faust, die aus einzelnen Gipsplatten zusammengesetzt ist. Die Stahlgriffe, die für die Produktion benötigt werden, sprießen aus der Skulptur hervor und wirken wie fehlgeleitete Prothesen. Die Platten sind so zusammengesetzt, dass sich ein schmaler Durchgang ergibt, der einen betretbaren Raum eröffnet, in dem die Form des Abdrucks erst sichtbar wird: Die Hohlform, die eigentlich Werkzeug zur Gewinnung der Form einer Hand ist. Anna Lena Grau macht das Innere als ein Abwesendes sichtbar und fragt nach den Bedingungen einer Leerstelle, die der Neoliberalismus schon lange für sich eingenommen hat: Durch Entleerung und Aushöhlung werden Gegenstände wie Körper zu Waren und verlieren ihr spezifisches Eigenleben.

Grau aber dreht diese Entleerung um. Das Innere der Skulptur ist keine Leerstelle, sondern zeigt sich, wie in dem Titel „Moule“ (Muschel, Form) angedeutet, als Schutzhülle. Huberman schreibt, „dass der Abdruck in diesem Sinne die Berührung einer Abwesenheit ist“. Grau friert hier eine elementare Geste ein, die Geheimnis und Expression zugleich birgt, die für Zorn oder für Durchsetzungskraft steht und die Darstellung einer Haltung ist.


Anna Lena Grau (1980 in Hamburg geboren, lebt und arbeitet in Hamburg und Murnau) studierte an der Hochschule für bildende Künste Hamburg bei Pia Stadtbäumer und Hanne Loreck. Von 2008 – 2011 war sie Teil der Künstlergruppe Von dritten Räumen. In diesem Jahr ist sie Stipendiatin im Künstlerhaus Lauenburg. Ausstellungen hatte Grau u.a. in der Kunsthalle Kiel, in der Thomas Rehbein Galerie, Brüssel, im Kunsthaus Essen, in der Kulturstiftung Schloss Agathenburg und im Kunstverein Harburger Bahnhof, Hamburg.

Die Ausstellungsfolge wird kuratiert von Bettina Steinbrügge und Nadine Droste. In Kooperation mit der Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg. Zur Ausstellung ist eine Publikation erschienen.