Ausstellungen

The Elegance of an Empty Room

30.1. - 10.4.2016

The Elegance of an Empty Room, Kunstverein in hamburg, 2016, Foto: Fred Dott

Michelangelo Antonioni, Richard Brouillette, Lucien Castaing –Taylor, Kate Cooper, Michael Glawogger, Jan Peter Hammer, Laure Prouvost


29.1., 19 Uhr
RIGGED
Kate Cooper
UK, 2014, 6:22 min


Durch den intensiven Einsatz von CGI-Techniken, kommerzieller Fotografie und Postproduktion hebt Kate Cooper die Arbeit hervor, die zur Gestaltung von Bildern aufgewandt werden muss. Die Künstlerin untersucht die Position des weiblichen Körpers in der Geschichte der digitalen Bildtechnologien. Das Video RIGGED schafft Bilder eines Körpers und gibt sie neu wieder, um zu fragen, was diese digitalen Figuren als downloadfähige, überzeichnete Körper anstatt unserer selbst leisten.

Kate Cooper (*1984 in Liverpool, England) ist Mitbegründerin und Leiterin der Londoner Künstlerinitiative Auto Italia South East. Sie untersucht, wie KünstlerInnen zusammenarbeiten, um neue Formate für künstlerische Produktionen zu entwickeln.


2.2.2016, 19 Uhr
ZABRISKIE POINT
Michelangelo Antonioni
US, 1970, 111 min.


ZABRISKIE POINT zeigt den Blick eines Außenstehenden auf ein Amerika zwischen Studentenunruhen und dem Mythos eines Wunderlandes der unbegrenzten Möglichkeiten. Antonionis erste und einzige amerikanische Produktion wird für MGM zum Studio-Alptraum und Rezeptionsdesaster. Die Flucht eines junges Paares durch den Südwesten der USA und die zivilisationsferne Wüstenlandschaft des Death Valley endet in Tod und Zerstörung. Atemberaubend ist das apokalyptische Finale zur Musik von Pink Floyd, in dem Antonioni eine Luxusvilla in Zeitlupe zerbersten lässt.

Auf die Frage, die ihm 1978 in einem Interview gestellt wurde, was er in einer Welt ohne Film gemacht hätte, antwortete Michelangelo Antonioni (1912–2007) kurz und knapp: "Filme!" – Auch wenn das Kino bereits auf eine knapp fünfzigjährige Geschichte zurückblicken konnte, als Antonioni mit der Arbeit an seinem ersten Film begann, hat der "Architekt der Kino-Moderne" und "Vollender der Formen" die Kinematografie wie wenige andere Regisseure erneuert, geprägt, verändert.


19.2.2016, 19 Uhr
DAS VATERSPIEL
Michael Glawogger
AT, 2009, 112 min.


Ratz will seinen Vater töten – zumindest virtuell. Er erfindet ein Computerspiel, in dem er sich Level für Level einen bösen Kampf mit dem eigenen Vater liefert und ihn verletzen und töten kann, so oft er will. Sonst tut der 35-Jährige nicht viel. Er kämpft seinen stillen Kampf, den Kampf, einen Sohn eines Ministers zu sein, seine Schwester anders zu lieben, als man eine Schwester lieben sollte, und mit dieser Welt überhaupt zurecht zu kommen. Da erreicht ihn ein Anruf, und er hört eine Stimme aus lang vergangenen Tagen: Mimi. Sie will, dass ihr Jugendfreund Ratz nach New York kommt, sie braucht seine Hilfe. Für Mimi war Ratz schon immer bereit, vieles zu tun, und in Wien hält ihn im Augenblick sowieso wenig. Damit beginnt eine Reise, die ihn tief in die Geschichte und die Gedankenwelt seiner Vorfahren führt. New York wirft für Ratz beunruhigende Fragen auf: Wer ist der alte Mann im Keller, wie gespielt sind Mimis Gefühle, und mit welchen virtuellen Morden darf man Geld machen? Und so wird Ratz in die Geschichte einer jüdischen Familie verwickelt, die bei den Massakern der Nazis in Litauen vernichtet wurde, in die Geschichte der Familie eines Täters, die im amerikanischen Exil bis zum heutigen Tag ein schreckliches Geheimnis wahrt, und er erlebt die allmähliche Auflösung der eigenen Familie.

Michael Glawogger (*1959 in Graz, Österreich) studierte bis 1989 an der Filmakademie in Wien. Er arbeitet als Regisseur, Autor und Kameramann und sein Werk zeichnet sich in jeder dieser Sparten durch ein breites Spektrum aus. Die letzten Arbeiten reichen von der Literaturverfilmung Das Vaterspiel (2009) über die skurrilen Komödien Nacktschnecken (2004) und Contact High (2009) bis hin zu dem essayistischen Dokumentarfilm Megacities (2009).


1.3.2016, 19 Uhr
ENCIRCLEMENT - NEO-LIBERALISM ENSNARES DEMOCRACY
Richard Brouillette
CA, 2008, 160 min.

Ein Stich von Francisco Goya, „Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer", stand Pate für Richard Brouillettes Dokumentarfilm über den Neoliberalismus. Deregulierung, Privatisierung, weniger Staat und unbegrenztes Vertrauen in die Selbstheilungskräfte des Marktes sind die Dogmen, die die Anhänger neoliberaler Ideen predigen. Wie aus einer Wirtschaftstheorie eine Ideologie wurde, in deren Netzen sich weltweit Gesellschaften in allen Bereichen verfangen, analysieren Wissenschaftler und Intellektuelle, die im wahrsten Sinne zu Wort kommen. Statt mit Tortendiagrammen, Voice-over und mitleiderregenden Bildern von Globalisierungsopfern den TV-typischen Nachgeschmack falscher Informiertheit zu erzeugen, setzt Brouillette ganz auf nüchterne Rigorosität. Die Form dafür findet er in langen, schwarz-weißen Einstellungen, in denen er seine Gesprächspartner ins Bild setzt, deren Äußerungen er durch Zwischentexte ergänzt. Zwölf Jahre hat Brouillette an diesem Film gearbeitet. Dass er, heutzutage eher ungewöhnlich, auf 16mm gedreht hat, muss schon beim Drehen zu der Präzision geführt haben, die die Zuschauer selbst gewissermaßen zu Mitgliedern eines andersartigen Thinktank macht.

Richard Brouillette (*1970 in Montréal, Kanada) ist Filmemacher, Produzent und Cutter. Er studierte Literatur- und Filmwissenschaft, später klassische Philologie und Mediävistik in Montréal. Neben seinen eigenen Filmen hat er seit 1995 sechs abendfüllende Filme - fünf davon Dokumentarfilme - produziert.


15.3.2016, 19 Uhr
TILIKUM
Jan Peter Hammer
DE, 2013, 45 min.


Die Geschichte in Jan Peter Hammers Film TILIKUM beginnt am 25. Februar 2010 mit einem Notruf. Nur Sekunden nach dem Ende einer Vorstellung im Meerespark SeaWorld in Orlando, Florida, wurde die 40-jährige Tiertrainerin Dawn Brancheau von dem Orca-Wal Tilikum ins Wasser gezogen, bis zum Ertrinken heruntergedrückt und schließlich verstümmelt. Wie später bekannt wurde, war Brancheau schon Tilikums drittes Opfer. Hammer war fasziniert von der Geschichte (und deren Fortleben in den großen Nachrichtenkanälen) und begann, den Fall näher zu untersuchen. Bei seinen Recherchen stieß er auf interessante Details über die Institutionen der Unterhaltungsindustrie, zu denen auch SeaWorld gehört. Weiterhin entdeckte er ein Netz aus bizarren Verflechtungen zwischen den ersten Meeres-Themenparks und militärischen Forschungsprojekten während des Kalten Krieges – Verbindungen ausgesprochen schockierender Natur, ob es nun um die Entwicklung von Technologien zur Reizdeprivation, frühe Delfin-Experimente mit tödlichem Ausgang, Wissenschaftler auf LSD oder verschrobene Träume von gattungsübergreifender Kommunikation ging – und was das alles mit dem Wettlauf ins All zu tun hat.

Jan Peter Hammer (geb. 1970 in Kirchheim unter Teck) lebt und arbeitet in Berlin. Er studierte an der Universität der Künste Berlin und absolvierte seinen Master of Art am Hunter College in New York. Er wird von der Galerie Supportico Lopez vertreten und zeigte seine Arbeiten im COMA in Berlin, auf der Bergen Assembly Triennale und der AGORA Athen Biennale.


29.3.2016, 19 Uhr
SWEETGRASS
Lucien Castaing-Taylor
US, 2009, 101 min.

SWEETGRASS ist eine unsentimentale Elegie auf den amerikanischen Westen, eine alle Sinne ansprechende Beschwörung der Lebensumstände der letzten Schafhirten, die mit ihren Herden die Sommermonate auf den Wiesen der Beartooth-Berge in Montana verbringen. Ohne jeglichen Kommentar zeigt dieser ebenso schöne wie hoffnungslose Dokumentarfilm eine Welt, in der Natur und Kultur, Tiere und Menschen, Klima und Landschaft, Verletzlichkeit und Gewalt aufs Engste miteinander verbunden sind.

Schafe, so weit das Auge reicht. Die Anthropologen und Filmemacher Lucien Castaing-Taylor und Ilisa Barbash haben drei Sommer lang in den Absaroka-Beartooth Mountains die Schafzucht auf einer der letzten Ranches in Familienbesitz dokumentiert. Wenn ein Schaf frisst, sehen und hören wir die Kaubewegung und die Schafsglocke. Als es die Kamera entdeckt, friert sein Blick das Bild ein, nur der Wind ist noch zu hören. Der Originalton trägt zur Genauigkeit jeder Einstellung bei. Während der Schur können wir den Körpereinsatz des Schafhirten sowie die Benommenheit des Schafes regelrecht spüren. Die Blickanordnung im Raum analysiert das Verhältnis eines Neugeborenen zur Herde, zum Muttertier und zur Schäferin. Wenn tausende Schafe ein Gatter durchschreiten oder der Grasspur einer Futtermaschine folgen, wirkt es wie die Massenszene eines Monumentalfilms. Spätestens wenn wir auf dem Berggipfel ankommen und der unter Knieschmerzen leidende Schäfer seine Mutter anruft, muss unser Bild des einsamen Schafhirten dem des Westerncowboys weichen. Auch der raue Humor der Rancher untereinander, wenn sie ihre Handgriffe beim Branden der Tiere ausführen, erzählt eine Geschichte der freien Schafzucht im Westen Amerikas, die im 19. Jahrhundert begann und langsam zu Ende geht.

Lucien Castaing‐Taylor (*1966, Liverpool, Großbritannien) studierte an der University of Southern California und absolvierte seinen Doktor an der University of California, Berkeley. Er ist Anthropologe sowie Künstler und arbeitet mit den Medien Film, Video und Fotografie. Seit 2002 lehrt er an der Harvard University.


9.4.2016, 19 Uhr
LANGE NACHT DER MUSEEN

HOW TO MAKE MONEY RELIGIOUSLY
Laure Prouvost
UK, 2014, 9 min.

In HOW TO MAKE MONEY RELIGIOUSLY erzeugen zwei leicht voneinander abweichende Erzählungen desselben Werks, nacheinander im Loop gespielt, einen Déjà-vu-Effekt. Mittels der Möglichkeiten und Probleme von Erinnerung und Vergessen thematisiert das Stück die willkürlichen Unterschiede, die Macht und Besitz zugeschrieben werden können. Prouvost erweitert ihre mehrschichtigen Forschungen über Abweichungen in Kommunikationssystemen und beschwört verschiedene Interpretationen, je nachdem, wie die Geschichte wahrgenommen oder erinnert wird. Dabei spielen auch Einflüsse wie Konsum, Bedürfnisse und verführerische Internet-Maschen eine Rolle. Ihre Arbeiten sprechen häufig das Publikum direkt an und manipulieren durch schnell ablaufende Bildsequenzen, Regieanweisungen oder dazwischen gestreute Klänge, um ein physisches Erlebnis hervorzurufen.

Laure Prouvost (*1978 in Lille, Frankreich) machte 2010 ihren Abschluss am Goldsmiths College in London. Ihre Arbeiten waren unter anderem im Haus der Kunst in München, im New Museum in New York und im Grand Palais in Paris zu sehen.