Ausstellungen

Zwischen 1943 und 1973 lagen 30 Jahre. 30 Jahre nach 1973 war das Jahr 2003.

Wolfgang Tillmans

23. September - 12. November 2017, Eröffnung: 22. September

Wolfgang Tillmans, There were 30 years between 1943 and 1973. 30 years from 1973 was the year 2003, 2004 Courtesy of the artist and Galerie Buchholz, Berlin/Cologne, Maureen Paley, London, David Zwirner, New York
Wolfgang Tillmans, Zwischen 1943 und 1973 lagen 30 Jahre. 30 Jahre nach 1973 war das Jahr 2003., Installationsansicht, Foto: Kunstverein in HamburgZwischen 1943 und 1973 lagen 30 Jahre. 30 Jahre nach 1973 war das Jahr 2003.Zwischen 1943 und 1973 lagen 30 Jahre. 30 Jahre nach 1973 war das Jahr 2003.Zwischen 1943 und 1973 lagen 30 Jahre. 30 Jahre nach 1973 war das Jahr 2003.Zwischen 1943 und 1973 lagen 30 Jahre. 30 Jahre nach 1973 war das Jahr 2003.Zwischen 1943 und 1973 lagen 30 Jahre. 30 Jahre nach 1973 war das Jahr 2003.Zwischen 1943 und 1973 lagen 30 Jahre. 30 Jahre nach 1973 war das Jahr 2003.Zwischen 1943 und 1973 lagen 30 Jahre. 30 Jahre nach 1973 war das Jahr 2003.Zwischen 1943 und 1973 lagen 30 Jahre. 30 Jahre nach 1973 war das Jahr 2003.Zwischen 1943 und 1973 lagen 30 Jahre. 30 Jahre nach 1973 war das Jahr 2003.

Der Kunstverein in Hamburg zeigt zu seinem 200. Jubiläum eine Einzelausstellung von Wolfgang Tillmans (*1968, Remscheid, lebt und arbeitet in Berlin) mit einer neuen Arbeit, die konsequent aus den vergangenen 30 Jahren seines Schaffens entwickelt wurde. Wolfgang Tillmans’ Installation Zwischen 1943 und 1973 lagen 30 Jahre. 30 Jahre nach 1973 war das Jahr 2003. ist keine typische Ausstellung des Künstlers, obwohl Raum und skulpturales Denken seit jeher zentrale Elemente seines Werks darstellen. Die Arbeit nimmt den Raum selbst zum Ausgangspunkt wie auch dessen innerstädtischen Kontext und verwandelt ihn in ein cineastisches Ganzes. Das Deckenlicht ist ausgeschaltet, ein Großteil des Saals ist ins Halbdunkel getaucht und kippende Bildachsen von Aufnahmen des Atlantiks suggerieren Desorientierung. Dabei werden die sonst nicht beachteten Teile des Raumes in Szene gesetzt. Die Rauminszenierung liegt seiner Beobachtung zugrunde, dass „wenn ich im großen Saal stehe, ich immer eine sehr starke akustische Wahrnehmung der Außenwelt, Straße und Schiene, habe, gerade weil ich diese durch die hohen Fensteransätze nicht sehen, sondern nur hören kann.“

In den Fotografien aus verschiedenen Werkphasen wird die Grenze des Sichtbaren manifestiert, wie insbesondere in dem Selbstportrait in Infrarotlicht deutlich wird. Chronologisch beginnt die Ausstellung mit Schwarzweiß-Bildern aus den späten 80iger-Jahren, die - erstellt mit dem ersten Laserfotokopierer - Reisen und seinen Hamburger Jahren entstammen, wenn die Hafenstraße thematisiert wird oder das blinde Ehepaar aus der Zivildienstzeit. Auch die Soundinstallation lässt neben anderen Assoziationen Hamburg als abstrakte Größe auftauchen. Sie wechselt zwischen melodischen und atonalen Phasen, ebenso wie die Sujets der Fotografien zwischen Figuration, formaler Ästhetik und Abstraktion changieren. Die thematische und mediale Durchmischung der Hängung – von analogen über digitale bis zu projizierten Bildern in Verbindung mit Sound und Video – betont den spezifischen Bildinhalt, wie z.B. die sich durch die Ausstellung ziehende Wiederkehr von Nahrungsmitteln, die neben Wissenschaftsinhalten, Meeresdarstellungen, Zeitläufen und einer Reminiszenz an den Manierismus in der Kunstgeschichte in den verschiedenen Medien zu sehen sind. Das neueste Medium ist dabei der 4K Projektor, der gestochen scharfe Lebensmittelstillleben an das architektonische Ende der Ausstellung stellt. Der Sound von Hamburg Süd / Nee IYaow eow eow basiert auf Erkundungen und Collagen der eigenen Stimme des Künstlers gemischt mit Aufnahmen der international anerkannten und in Hamburg geborenen Sängerin Billie Ray Martin sowie Außenaufnahmen aus dem direkten Umfeld des Kunstvereins.


Die Greifbarkeit von Zeit und die Darstellung von Wirklichkeit sind das Anliegen der Aluminiumtische, eine Weiterentwicklung von Truth Study Centre, die die Idee des Ausstellungstitels, der Spiegelung von historischen Zeitabständen, in auf Papier gedruckten Sätzen fortsetzen. Zusammen mit Muscheln, Steinen, Briefmarken und ihren fotografischen Äquivalenten wie auch Bildern aus der Banknotendruckerei bilden sie ein breites Assoziationsfeld. Die Ausstellung macht deutlich, dass Wolfgang Tillmans nicht umsonst Kurt Schwitters zu seinen Inspirationsquellen zählt.


Wolfgang Tillmans studierte von 1990 bis 1992  am Bournemouth & Poole College of Art and Design. Später lebt der Künstler in Hamburg, London, New York und Berlin und ist in den frühen 1990er Jahren durch seine stilbildenden Fotoporträts von Freunden und anderen jungen Menschen seiner unmittelbaren Umgebung bekannt geworden. Diese Fotografien begründeten seinen Ruf als Zeugen aktueller gesellschaftlicher Strömungen. Das Medium der Fotografie erweiterte er in den darauffolgenden Jahren bis heute einerseits durch seine raumgreifenden Installationen sowie durch zahlreiche Innovationen von Bildtypen und vor allem nicht-figurativen Fotografien, die gänzlich ohne optische Linsen entstanden sind.  Ausstellungen: u.a. Serpentine Gallery/London, Kunsthalle Zürich,

Moderna Museet/Stockholm, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen/Düsseldorf, National Museum of Art/Osaka und The Metropolitan Museum of Art/New York.

Wolfgang Tillmans ist als erster Fotograf Träger des Turner-Preises (2000) und gewann außerdem den Hasselblad-Preis (2015). Seit 2003 hält er eine Professur an der Städelschule in Frankfurt/Main.



Unser Dank gilt:

Behörde für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg

Winter Stiftung

Studio Wolfgang Tillmans Berlin/London

Galerie Buchholz, Berlin/Köln

Maureen Paley, London

David Zwirner, New York