Kunstverein

H. Bartels, Permanente Ausstellung des Kunstvereins, 1884 (Aquarell)
Installationsansicht


1817
Ein kleiner Kreis von Hamburger Kunstliebhabern trifft sich einmal die Woche im Haus des Bleideckers David Christopher Mettlerkamp in den Langen Mühren 37, um sich Zeichnungen und Druckgrafiken anzuschauen und gegenseitig zu erläutern. Bereits seit 1806 hatte es im Rahmen der Patriotischen Gesellschaft einen solchen Zirkel gegeben, den Verein zur Beförderung des Kunstgeschmacks in Hamburg, dessen Aktivitäten jedoch 1817, drei Jahre nach der französischen Besatzung, eingeschlafen waren.

1821 / 1822
Am 24. Januar 1822 gibt sich der »Hamburgische Kunst-Verein« eine erste Satzung. Als der wachsende Teilnehmerkreis den privaten Rahmen sprengt, trifft man sich in der Kunsthandlung Georg Ernst Harzens an der Großen Johannisstraße 48. Zu den Mitgliedern gehören unter anderem ein Kaufmann, ein Diplomat, zwei Architekten, ein Lehrer, ein Mediziner, ein Versicherungsmakler, ein Jurist sowie drei Künstler.

1824
Die wöchentlichen Zusammenkünfte finden jetzt bei Harzens Geschäftspartner Johann Matthias Commeter am Neuen Wall 131 statt. Erste Überlegungen zu einer Kunstausstellung werden angestellt.

1826
Die 1.Öffentliche Kunstausstellung findet vom 13. April bis 18. Mai in einem Haus Ecke ABC-Straße/Neustädter Fuhlentwiete statt. Gezeigt werden vor allem Werke der jungen Hamburger Maler Louis Asher, Günther und Jacob Gensler, Victor Emil Janssen, Carl Julius Milde, Christian Morgenstern sowie Gemälde einiger auswärtiger Künstler, unter ihnen Caspar David Friedrich mit Das Eismeer (1823-1824) und Der Watzmann (1824- 1825). Mit dieser Veranstaltung beginnt das öffentliche Kunstausstellungswesen in Hamburg.
Ein »Gemälde-Verloosung-Verein« wird gegründet und dem Kunstverein angeschlossen. In der folgenden Zeit werden jährlich originale Kunstwerke verlost (1827 beispielsweise eine Mondscheinlandschaft von Caspar David Friedrich).

1829
Die 2. Öffentliche Kunstausstellung wird ausgerichtet, diesmal im Konzertsaal des Theaters am Gänsemarkt, mit Werken der wichtigsten deutschen und niederländischen Schulen. Von nun an finden bis zum Hamburger Brand 1842 alle zwei bis drei Jahre solche großen Verkaufsausstellungen mit zeitgenössischer Kunst statt.

1836
Beginn des Aufbaus einer vereinseigenen Grafiksammlung. Der Kunstverein mietet Räume über Harzens Kunsthandlung am Neuen Wall und richtet dort eine Bibliothek und eine Lesezimmer ein.

1837
In den geänderten Vereinsstatuten wird die öffentliche Bildungsaufgabe des Kunstvereins hervorgehoben.

1839
Am 22. April wird in einer erweiterten Vorstandssitzung die Gründung eines Museums vorgeschlagen.
Im »Verloosungsverein« werden von nun an nicht mehr nur Gemälde, sondern auch »Nebengewinne« (Druckgrafiken oder Zeichnungen) verlost.

1842
Die 9. Kunstausstellung besteht aus Leihgaben (Gemälde Alter Meister aus Hamburger Privatbesitz).

1848
Der Kunstverein wird mit dem »Verloosungsverein« unter dem Namen Kunstverein in Hamburg verschmolzen.
Eine »Permanente Ausstellung« mit wöchentlichem Wechsel einiger Werke findet zum ersten Mal statt, zunächst in den Räumen der Patriotischen Gesellschaft, zugänglich vor allem für die Vereinsmitglieder.
Neue Vereinsstatuten bestimmen, dass fortan jeder, der einen Jahresbeitrag zahlt, Mitglied werden kann (bislang war die Zuwahl nur mit einer Zweidrittelmehrheit der bereits aufgenommenen Mitglieder möglich). Seitdem wächst die Zahl der Mitglieder ständig. »Erster Wortführer« wird der Professor für Klassische Philologie am Akademischen Gymnasium Christian Petersen.

1850
Die 819 Werke umfassende 11. Kunstausstellung in den Räumen der Patriotischen Gesellschaft verzeichnet fast 10.000 Besucher.
Am 13. März wird die vom Kunstverein für seine mittlerweile gewachsene und durch Schenkungen bereicherte Kunstsammlung geforderte öffentliche »Gemälde-Gallerie« in den Börsenarkaden am Adolphsplatz eröffnet. Die Räume stellt die Stadt, die Sammlung der Kunstverein. Zwei Mitglieder des Senats und zwei Vertreter des Kunstvereins bilden die Leitungskommission.

1851
Die »Permanente Ausstellung« wird für das allgemeine Publikum geöffnet. Präsentiert werden Werke von auswärtigen wie von Hamburger Künstlern.

1852
Erweiterte Räume in den Börsenarkaden. Der große Saal steht für die »Gemälde- Gallerie« zur Verfügung, ein kleiner für die »Permanente Ausstellung«.

1856
Georg Ernst Harzen verfügt testamentarisch, dass sein Vermögen und seine Sammlung der Stadt zugutekommen sollen, wenn es ihr gelänge, ein eigenes Kunstmuseum zu schaffen. Die Räume in den Börsenarkaden reichen nicht mehr für die wachsende »Gemälde-Gallerie« und die »Permanente Ausstellung« aus.

1858
Auf Betreiben des Kunstvereins formiert sich ein »Comité für den Bau eines öffentlichen Museums in Hamburg«, das erhebliche Spenden eintreibt, sodass die Stadt sich genötigt sieht, einen Baukostenzuschuss zu gewähren.

1869
Am 30. August wird die Hamburger Kunsthalle feierlich eröffnet. Die Sammlung umfasst 412 Gemälde (unter ihnen Philipp Otto Runges Die Hülsenbeckschen Kinder von 1805- 1806) und zahlreiche plastische Werke. Harzens Vermächtnis von 30.000 Zeichnungen und Druckgrafiken bildet den Grundstock des Kupferstichkabinetts.
Der Kunstverein zieht in die Kunsthalle ein.

1870
Die 21. Kunstausstellung des Kunstvereins ist die erste Ausstellung, die in der Kunsthalle stattfindet.

1871
Der Maler Hermann Steinfurth wird Erster Vorsitzender des Vereins.

1873
Ausstellung: Peter Cornelius.

1878
Erster Vorsitzender wird Edmund Johann Krüß, ein Fabrikant optischer Geräte.

1880
Gedächtnisausstellung für Hermann Steinfurth, gemeinsam durchgeführt von Kunsthalle und Kunstverein.

1882
Erster Vorsitzender wird C. H. Schöffer.
Ausstellung: Martin Gensler.

1884
Mit Eduard Unger wird erstmals ein Geschäftsführer eingestellt. Erster Vorsitzender wird der Kaufmann und Politiker Arnold Otto Meyer.
Wegen Umbauarbeiten in der Kunsthalle verlegt der Kunstverein die »Permanente Ausstellung« in zwei Räume im neu entstandenen Börsenanbau.
Ausstellung: Andreas Achenbach.

1886
Der Kunstverein unterstützt die Wahl Alfred Lichtwarks zum ersten Direktor der Hamburger Kunsthalle. Bis zu dessen Tod im Jahr 1914 erwirbt der Kunstverein Werke für die Kunsthalle.

1887
Erstmals werden Fotografien in einer Ausstellung gezeigt.

1888
Ausstellung: Hans Speckter.
Der Kunstverein zählt 2.105 Mitglieder.

1889
Erster Vorsitzender wird Syndikus Dr. Merck.

1892
Erster Vorsitzender wird Dr. Werner von Melle, später Bürgermeister der Hansestadt.

1894
Der Kunstverein greift das Format der »Großen Kunst-Ausstellung« wieder auf. Bis 1897 werden jährlich Werke von über 300 auswärtigen – auch internationalen – sowie Hamburger Künstlern im Obergeschoss der Kunsthalle gezeigt.

1896
Ausstellung: Adolph Menzel, gemeinsam mit der Kunsthalle.
Die kunstvereinseigene Grafiksammlung wird der Kunsthalle übergeben.

1897
Erster Vorsitzender wird Baudirektor Hans Zimmermann.
Ausstellung: Künstlervereinigung Worpswede – Fritz Mackensen, Otto Modersohn, Heinrich Vogeler.

1898
Ausstellung: Arnold Böcklin, gemeinsam mit der Kunsthalle.

1899
Am 15. November bezieht der Kunstverein eigene Räume am Neuen Wall 14, drei Oberlichtsäle für Gemälde und Skulpturen sowie vier Räume für kunstgewerbliche Arbeiten.

1906
Die Zahl der Ausstellungen lokaler, überregionaler und ausländischer Künstler nimmt zu, allein für dieses Jahr sind über ein Dutzend Ausstellungen heute meist weniger bekannter Künstler zu verzeichnen.

1907
Unter anderem wird eine Sammlung ethnografischer und kunstwissenschaftlicher Gegenstände aus Tibet und der Mandschurei gezeigt.

1908
Jubiläumsausstellung des Hamburger Künstlervereins.
Retrospektive: Hermann Kauffmann.

1911
Internationale Photographische Ausstellung für Bildnis und Figurenbild.

1912
Die Künstlergruppe »Les Indépendants«, Paris. Geschäftsführer wird Theodor Brodersen.

1913
Ausstellung mit Werken unter anderem von Othon Friesz, Auguste Renoir, Vincent van Gogh und Wilhelm Trübner. Ausstellung mit Werken zeitgenössischer dänischer Künstler.

1914
Die Räume am Neuen Wall müssen aufgegeben werden, weil der Abriss des Hauses geplant ist.
Ausstellung: Max Beckmann, Walter Geffcken.
Ausstellung mit Werken von Fritz Ahlers-Hestermann, Fritz Friedrichs, Franz Nölken, Otto Pieper, Walther Rosam, Friedrich Schaper, Ulrich Hübner und Friedrich Schaper.
Ausstellung mit Werken unter anderem von Cuno Amiet und Ferdinand Hodler.

1915
Vorübergehend bezieht der Kunstverein Räume im Ostflügel des alten Johanneums am Speersort, gezeigt werden dort unter anderem Werke von Arnold Böcklin, Lovis Corinth, Anselm Feuerbach, Wilhelm Leibl, Max Liebermann, Adolph Menzel, Christian Rohlfs, Max Slevogt, Carl Spitzweg, Ludwig Thoma, Wilhelm Trübner, Fritz von Uhde und Emil Waldmüller.
Ausstellung mit Werken von Friedrich Ahlers-Hestermann, Walter Georgi, Franz Nölken und Ascan Lutteroth.

1916
Rückkehr in die Kunsthalle; die kunstgewerbliche Abteilung wird aus Platzmangel eingestellt.

1919
Unter dem Titel Französische Malerei bis 1914 werden Werke gezeigt unter anderem von Pierre Bonnard, Georges Braque, Paul Cézanne, Gustave Courbet, André Derain, Raoul Dufy, Paul Gauguin, Vincent van Gogh, Juan Gris, Marie Laurencin, Pablo Picasso, Camille Pissarro, Auguste Renoir, Henri Rousseau, Georges Seurat, Paul Signac, Alfred Sisley, Suzanne Valadon, Maurice Vlaminck und Édouard Vuillard.
Die Hamburgische Sezession wird gegründet. Der Kunstverein stellt seine Räume jährlich für deren Ausstellungen und Vorträge zur Verfügung.
Ausstellung: Franz Nölken.

1921
Umzug vom Altbau der Kunsthalle in die Kabinette im Sockelgeschoss des Neubaus.

1922
Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes.

1925
Erster Vorsitzender wird Robert Johannes Meyer.
Der Kunstverein zählt etwa 1.000 Mitglieder.

1927
Die Europäische Kunst der Gegenwart, zum irrtümlich angenommenen 100. Geburtstag veranstaltet, zeigt die gesamte europäischen Moderne und erreicht rund 40.000 Besucher. Dank der Erlöse kann der Kunstverein eine Villa an der Neuen Rabenstraße 25 als erstes eigenes Domizil erwerben.
Ausstellung: Emil Nolde.

1930
Eröffnung des von Karl Schneider umgebauten und mit einem Anbau versehenen Kunstvereinsgebäudes.
Ausstellung: Kunst der letzten 30 Jahre aus Hamburger Privatbesitz.
Der Leiter des Kunstvereins Theodor Brodersen wechselt nach Berlin zum Verein Berliner Künstler.
Ausstellungen: Edvard Munch / Aquarelle und Zeichnungen von Vincent van Gogh / Das moderne Bühnenbild in Deutschland / Franz Radziwill.
Der Verein zählt 899 Mitglieder.

1931
Am 1. Mai wird Hildebrand Gurlitt zum ersten Direktor des Kunstvereins.
Ausstellungen: Les Ballets Russes de Serge de Diaghilew / Ernst Barlach.

1932
Erste nationalsozialistische Angriffe auf den Kunstvereinsleiter.
Der Verein zählt 631 Mitglieder.
Ausstellungen: Internationale Foto-Ausstellung / Lyonel Feininger / Neuere dänische Malerei / James Ensor.

1933
Die 13. Ausstellung der Hamburgischen Sezession, am 12. März eröffnet, wird am 30. März vom Hamburger Polizeipräsidenten geschlossen. Landgerichtspräsident Robert Johannes Meyer tritt am 1. Juni als Vorsitzender zurück, weil er die »Gleichschaltung« des Kunstvereins einleiten soll. Am 14. Juli sieht sich auch Hildebrand Gurlitt gezwungen, sein Amt aufzugeben. NSDAP-Mitglied Friedrich Muthmann wird zum Geschäftsführer bestimmt. Jüdische Mitglieder müssen den Verein verlassen.
Ausstellung: Norddeutschland. Landschaft und Mensch.

1934
Die Ausstellung Malerei und Plastik in Deutschland 1936 eröffnet am 21. Juli anlässlich der Olympischen Spiele in Berlin und wird zehn Tage später durch den Vizepräsidenten der Reichskammer der bildenden Künste Adolf Ziegler geschlossen.
Ausstellung: Aeropittura. Italienische Flieger-Malerei.

1936
Der Verein zählt nur noch 337 Mitglieder.

1937
Das Gebäude in der Rabenstraße wird zwangsversteigert, der Kunstverein zieht zurück in die Kunsthalle. Das Haus wird von der Stadt an die NS-Frauenschaft vermietet.

1943
Im Sommer Zerstörung des Kunstvereinsgebäudes durch alliierten Bombenangriff.

1946
Mit einer Übersichtsausstellung Hamburger Künstler in der Kunsthandlung Bock & Sohn in den Colonnaden sowie im Untergeschoss der Kunsthalle nimmt der Kunstverein seine Arbeit wieder auf. Künstlerischer Leiter wird in Personalunion der Direktor der Kunsthalle Dr. Carl Georg Heise, Erster Vorsitzender ist Dr. Walter Klaas. Der Kunstverein dient von nun an als unabhängig finanzierte Ausstellungsabteilung der Kunsthalle.

1947
Der Kunstverein widmet sich in einer Reihe von Ausstellungen der Rehabilitierung der Moderne.
Ausstellungen: Max Beckmann / Ernst Wilhelm Nay / Emil Nolde / Sammlung Haubrich.

1948
Ausstellung: Pablo Picasso. 52 Lithographien aus den Jahren 1945 bis 1947.

1949
Der Kunstverein bezieht neue Ausstellungssäle im Altbau der Kunsthalle.
Ausstellungen: Fernand Léger / Wilhelm Lehmbruck / André Masson.

1950
Ausstellungen: Franz Marc / Rolf Nesch / Henry Moore / Ernst Ludwig Kirchner / Oskar Kokoschka.

1951
Ausstellungen: Henri Matisse / Edvard Munch.

1952
Ausstellungen: Marino Marini / Max Slevogt / Paula Modersohn-Becker.

1953
Dr. Bruno Snell wird Erster Vorsitzender.
Ausstellung: Wassily Kandinsky.

1954
Ausstellungen: Karl Hofer / Karl Schmidt-Rottluff / Ferdinand Hodler / Henri de Toulouse- Lautrec.

1955
Dr. Alfred Hentzen wird Direktor der Hamburger Kunsthalle und zugleich Leiter des Kunstvereins.
Ausstellungen: Ernst Wilhelm Nay / Gruppe Zen 49.

1956
Ausstellungen: Henri Laurens / Picasso 1900-1955 / Willi Baumeister / Heinz Trökes / Paul Klee.

1957
Ausstellungen: Emil Nolde / Alexej Jawlensky / Eduard Bargheer.

1958
Senator Dr. Walter Dudek wird Vorsitzender des Vereins.
Jackson Pollock hat seine erste deutsche Ausstellung überhaupt im Kunstverein.
Ausstellungen: Serge Poliakoff / Jackson Pollock 1912-1956 / Rolf Nesch / Wassily Kandinsky – Gabriele Münter.

1959
Ausstellungen: Marc Chagall / Ben Nicholson.

1960
Ausstellung: Henry Moore.

1961
Ausstellungen: Lyonel Feininger / Werner Gilles.

1962
Dr. Hans Platte wird Direktor des Kunstvereins in Hamburg, der jetzt 3.025 Mitglieder zählt.
Ausstellungen: Robert Delaunay / Emil Schumacher / Hann Trier / Aristide Maillol / Oskar Kokoschka.

1963
Der Kunstverein zieht in ein eigenes, von Paul Seitz entworfenes Ausstellungsgebäude am Ferdinandstor um, gleich neben der Kunsthalle. Eröffnung am 3. Mai mit der Ausstellung Cézanne, Gauguin, Van Gogh, Seurat. Wegbereiter der modernen Malerei.
Ausstellungen: Italien 1905-1925. Futurismus und Pittura metafisica / Erich Heckel / Franz Marc / Oskar Kokoschka.

1964
Senator Dr. Heinrich Landahl übernimmt den Vorsitz des Vereins.
Ausstellungen: Édouard Vuillard / Arshile Gorky. Zeichnungen / Ernst Wilhelm Nay. Gemälde 1955-1964 / Albert Marquet.

1965
Ausstellungen: Francis Bacon. Gemälde 1945-1964 / Max Beckmann / Pablo Picasso. 150 Handzeichnungen aus sieben Jahrzehnten.

1966
Ausstellungen: Horst Janssen / Georges Rouault / Matisse und seine Freunde – Les Fauves / Vom Impressionismus zum Bauhaus / Otto Dix.
Der Kunstverein zählt 4.255 Mitglieder.

1967
Zum Jubiläum erscheint Hans Plattes Broschüre 150 Jahre Kunstverein in Hamburg.
Ausstellungen: Vom Bauhaus bis zur Gegenwart / Emil Nolde. Aquarelle aus den Jahren 1894-1956 / Alexej Jawlensky / Raoul Dufy.

1968
Ausstellungen: Britische Kunst heute / Antoni Tàpies / Sammlung 1968 Karl Ströher (mit Beuys-Block) / Realismus in der Malerei der 20er Jahre / August Macke.

1969
Ausstellungen: Malerei des Surrealismus von den Anfängen bis heute / Ernst Wilhelm Nay / Ernst Ludwig Kirchner.

1970
Ausstellungen: Pierre Bonnard / Fernando Botero / Franz Erhard Walther / Französische Impressionisten: Hommage à Durand-Ruel.

1971
Hans Platte verlässt den Kunstverein; Interregnum in der Vereinsleitung.
 Ausstellungen: Arnulf Rainer / Francois Morellet / KP Brehmer: Produktion 1962-71 / Kurt Schwitters / Robert Graham / Dorothea Lange.

1972
Manfred de la Motte wird neuer Leiter des Kunstvereins. Er scheidet Ende des Jahres wieder aus. Neuer Vorsitzender ist Prof. Dr. Günther Gercken.
Ausstellungen: USA West Coast 1972 / Georg Baselitz / USA in Venedig. Amerikas Beitrag zur Biennale 1970 und 1972 / Szene Berlin ’72.

1973
Dr. Uwe M. Schneede wird neuer Leiter des Kunstvereins.
Ausstellungen: Palermo. Wandmalerei / Jean Fautrier / Peter Blake.

1974
Ausstellungen: Spurensicherung. Archäologie und Erinnerung / Dieter Roth. Originale 1946-74 / Medium Fotografie. Fotoarbeiten bildender Künstler 1910-1973 / Pablo Picasso. Das graphische Werk / Kunst im 3. Reich. Dokumente der Unterwerfung.

1975
Ausstellungen: Willi Sitte. Gemälde und Zeichnungen 1950-1974 / Hamburger Kunstwochen ́75 / Georg Grosz. Gemälde, Zeichnungen, Grafiken 1907-1958.

1976
Ausstellungen: Pop Art in England. Anfänge einer neuen Figuration 1947-1963 / Claes Oldenburg. Unbekannte Aquarelle, Zeichnungen, Gouachen 1954-1974 / Paula Modersohn-Becker. Zeichnungen, Pastelle, Bildentwürfe.

1977
Ausstellungen: Sequenzen. Fotofolgen zeitgenössischer Künstler / Wolfgang Mattheuer.

1978
Ausstellungen: Edvard Munch. Arbeiterbilder 1910-1930 / Als guter Realist muss ich alles erfinden. Internationaler Realismus heute.

1979
Ausstellungen: Inszenierte Räume: Karl-Ernst Herrmann und Erich Wonder / Eremit? Forscher? Sozialarbeiter? Das veränderte Selbstverständnis von Künstlern.

1980
Ausstellungen: Film und Foto der zwanziger Jahre / Bildnerei der Geisteskranken. Die Sammlung Prinzhorn.

1981
Ausstellungen: America. Traum und Depression 1920-1940 / Mythos und Ritual in der Kunst der 70er Jahre.

1982
Ausstellungen: René Magritte und der Surrealismus in Belgien / Frida Kahlo und Tina Modotti / Cobra 1948-51 / Zeitvergleich. Malerei und Grafik aus der DDR.

1983
Ausstellungen: Hanne Darboven. Schreibzeit / Todesbilder in der zeitgenössischen Kunst mit einem Rückblick auf Hodler und Munch / Künstler-Räume im Kunstverein und anderswo.

1984
Uwe M. Schneede wird an die Ludwig-Maximilians-Universität München berufen.
Ausstellungen: Anna Oppermann. Ensembles 1968-84 / Carl Fredrik Hill & Ernst Josephson: Zwei Künstler des späten 19. Jahrhunderts / Edvard Munch. Höhepunkte des malerischen Werks im 20. Jahrhundert.

1985
Karl-Egon Vester wird Direktor des Kunstvereins.
Ausstellungen: Joseph Beuys. Ölfarben 1949-1967 / Arnulf Rainer. Hiroshima / Ernst Wilhelm Nay. Bilder kommen aus Bildern / Biennale des Friedens. Dem Frieden eine Form geben.

1986
Ausstellungen: Können wir vielleicht mal unsere Mutter wiederhaben! Werner Büttner, Georg Herold, Albert Oehlen / James Ensor.

1987
Ausstellungen: Leon Golub / Andy Warhol: Ich erkannte, dass alles was ich tue, mit dem Tod zusammenhängt / Gustav Kluge.

1988
Nach Karl-Egon Vesters Tod wird Jürgen Schweinebraden Freiherr von Wichmann- Eichhorn Direktor des Kunstvereins.
Ausstellungen: A.R. Penck / Arbeit in Geschichte, Geschichte in Arbeit.

1989
Ausstellungen: Das Medium Fotografie ist berechtigt, Denkanstöße zu geben. Sammlung F. C. Gundlach / Jean Dubuffet. Ein revolutionärer Maler.

1990
Maja Stadler-Euler wird Erste Vorsitzende des Kunstvereins.
Ausstellungen: Franz Erhard Walther. Dialoge / Maria Lassnig. Mit dem Kopf durch die Wand / Felix Droese. Volksverhuizing.

1991
Dr. Stephan Schmidt-Wulffen wird Direktor des Kunstvereins. Das Haus am Ferdinandstor wird aufgegeben, da es dem Erweiterungsbau der Kunsthalle weichen muss. Die Wandmalerei von Palermo aus dem Jahr 1973 wird zuvor freigelegt. Der Kunstverein gastiert in der kleinen Deichtorhalle.
Ausstellungen: Gegendarstellung. Ethik und Ästhetik in Zeitalter von Aids / Rémy Zaugg / General Idea – Fin de Siècle / Guttuso.

1992
Umzug in einen ehemaligen Fahrradladen an der Michaelisbrücke/Admiralitätstrasse.

1993
Ausstellungen von Jon Kessler / Erwin Wurm / Andreas Schulze.
Umzug in die umgebaute Markthalle am Klosterwall 23.
Ausstellung: Backstage. Topologie zeitgenössischer Kunst.

1994
Ausstellungen: Matt Mullican / Angela Bulloch / Jean Nouvel / Jimmie Durham / dagegen / dabei. Produktion und Strategie in Kunstprojekten seit 1969.

1995
Ausstellungen: Werner Büttner. Der lange Marsch zur Qualität / Paul McCarthy / Mike Kelley / Olafur Eliasson / Franz West – Hans Arp / Pipilotti Rist. I’m not the girl who misses muchAusgeschlafen, frisch gebadet und hoch motiviert.

1996
Ausstellungen: Michael Majerus. Aquarell / Günther Förg / Carsten Höller.

1997
Ausstellungen: Archigram. Visionen einer britischen Architekturgruppe / Mark Dion. Natural History and other fictions.

1998

Ausstellung: Liam Gillick. McNamara Papers.

1999
Dr. Harald Falckenberg wird Vorsitzender des Kunstvereins.
Ausstellungen: Gerwald Rockenschaub. Funky minimal / Thomas Struth & Klaus vom Bruch / John Miller. Parallel economies.

2000
Ausstellungen: Fiona Tan. Scenario / Außendienst. Kunstprojekte in öffentlichen Räumen, Phase 1 / Dominique Gonzalez-Foerster / Philippe Parreno / Pierre Huyghe.

2001
Dr. Yilmaz Dziewior wird Direktor des Kunstvereins.
Ausstellungen: Bodys Isek Kingelez / Cosima von Bonin. Bruder Poul Sticht in See / Internat / Paul Mc Carthy. Videos und Fotografien.

2002
Ausstellungen: Jack Goldstein / Contextualise – Zusammenhänge herstellen / Zhang Huan.

2003
Ausstellungen: Bühne 03 / Andrea Fraser. Works 1984 to 2003 / Mapping a City. Hamburg-Kartierung.

2004
Ausstellungen: Lukas Duwenhögger. Prinzenbad / Cildo Meireles / Formalismus. Moderne Kunst, heute.

2005
Ausstellungen: Robert Kusmirowski. The Ornaments of Anatomy / Akademie. Kunst lehren und lernen / Louise Lawler. MoMA in Hamburg / Sarah Lucas / Wade Guyton. Color, Power & Style.

2006
Ausstellungen: Yael Bartana / Spiralen der Erinnerung / Tino Sehgal.

2007
Ausstellungen: Willie Doherty / Insert 5: Olaf Nicolai – Considering a multiplicity of appearances in light of a particular aspect of relevance. Or: Can art be concrete? / Gesellschaftsbilder. Zeitgenössische Malerei.

2008
Ausstellungen: Wessen Geschichte / Luis Jacob. Habitat / Sharon Lockhart / Wir nennen es Hamburg. Interdisziplinäres Festival.

2009
Florian Waldvogel wird Direktor des Kunstvereins.
Ausstellungen: Tatiana Trouvé. Bureau of implicit activities: Archives and Projects / Karla Black / Wo ist der Wind, wenn er nicht weht? Politische Bildergeschichten von Albrecht Dürer bis Art Spiegelman.

2010
Ausstellungen: Tobias Zielony. Story – No Story / Michael Riedel. The quick brown fox jumps over the lazy dog / Freedom Of Speech.

2011
Ausstellungen: Tal R. The Elephant Behind The Clown / Plamen Dejanoff. The Bronze House / Silke Wagner. When Saturday Comes.

2012
Ausstellungen: Gert & Uwe Tobias / Alexandra Bircken. Hausrat / Kiki Kogelnik. I have seen the Future.

2013
Ausstellungen: Norbert Schwontkowski. Blind Man’s Faith / Natalie Czech. I Cannot repeat what I hear / Olaf Metzel. Gegenwartsgesellschaft.

2014
Bettina Steinbrügge wird die erste Direktorin des Kunstvereins.
Ausstellungen: Geoffrey Farmer. Let’s make the water turn black / A Paradise Built In Hell / Lisa Oppenheim. Forever is Composed of Nows.

2015
Ausstellungen: James Benning. Decoding Fear / Nina Beier. Cash for Gold / Holly Herndon & Mathew Dryhurst – everywhere and nowhere.

2016
Ausstellungen: Fluidity / Joseph Grigely. The Gregory Battcock Archive / Lili Reynaud Dewar – Teeth, Gums, Machines, Future, Society.

2017
Der Kunstverein feiert seinen 200. Geburtstag mit der Ausstellung The History Show (in Zusammenarbeit mit dem Kunstgeschichtlichen Seminar der Universität Hamburg).
Die Kunsthalle widmet dem Jubiläum die Ausstellung Die Kunst ist öffentlich. Vom Kunstverein zur Kunsthalle, das Museum für Kunst und Gewerbe die Ausstellung Zur Belebung des Kunstsinns. 200 Jahre Kunstverein in Hamburg.
Ausstellungen: Jed Martin. Die Karte ist interessanter als das Gebiet / Liz Magor. You You You / Wolfgang Tillmans. - Zwischen 1943 und 1973 lagen 30 Jahre. 30 Jahre nach 1973 war das Jahr 2003.
Der Kunstverein zählt 1.906 Mitglieder.


Mission Statement (2018)

Seit 1817 widmet sich der Kunstverein in Hamburg der Präsentation und Vermittlung junger, künstlerischer Positionen ihrer Zeit und dient als Plattform für die konstruktive Auseinandersetzung über neue Wege in der Kunst.

Der Kunstverein wurde in einer Zeit gegründet, als ein selbstbewusstes Bürgertum sich mehr und mehr gesellschaftlich involvierte. 1817 fand sich eine Gruppe Hamburger Bürger zusammen, die sich regelmäßig, anfangs noch in privaten Räumen traf, um gemeinsam Kunstwerke zu betrachten und über diese zu diskutieren. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten namhafte Hamburger Bürger wie Karl Sieveking, Nicolaus Hudtwalcker oder Alexis de Chateauneuf. Schon bald wurde die theoretische Auseinandersetzung durch Ausstellungen ergänzt. Caspar David Friedrich, Phillip Otto Runge oder Arnold Böcklin wurden so früh im Kunstverein gezeigt. Der Kunstverein ist nicht nur die älteste Kunstinstitution der Stadt, sondern seine Mitglieder waren im 19. Jahrhundert auch maßgeblich für die Gründung der Hamburger Kunsthalle verantwortlich. Auch der Grundstock der Sammlung der Kunsthalle bestand größtenteils aus den Beständen des Kunstvereins, die von Vereinsmitgliedern erworben und durch Schenkungen und Nachlässe bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts ergänzt wurden.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts schärfte sich das Ausstellungsprofil des Kunstverein in Hamburg. Statt kleinteiliger Überblicksausstellungen traten thematische Einzel- und Gruppenschauen in den Vordergrund. Ein Hauptaugenmerk lag auf der Hamburgischen Secession und den avantgardistischen Tendenzen der Zeit wie dem Expressionismus, dem Kubismus sowie auch dem russischen Konstruktivismus. Die weitere Geschichte des Kunstverein in Hamburg ist ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Veränderungen Deutschlands: Unter den Nationalsozialisten verboten, bemühte man sich nach 1945 um die Rehabilitierung der Moderne. Nun feierten hier auch internationale Künstler wie Jackson Pollock oder Francis Bacon ihre Ausstellungspremieren. Zu Zeiten der 68er-Bewegung standen gesellschaftliche Fragestellungen im Fokus der künstlerischen Auseinandersetzungen und damit die Konzeptkunst von Joseph Beuys, Blinky Palermo, Dieter Roth oder Hanne Darboven. Von den 1980er Jahren an entwickelte sich der Kunstverein als Ort, an dem über die Kunst soziale, kulturelle und politische Auseinandersetzungen nicht nur geführt, sondern angestoßen werden. Philippe Parreno, Pierre Huyghe, Dominique Gonzalez-Foerster oder Liam Gillick führten diese Tradition in den 1990er Jahren mit wegweisenden Projekten fort.

Der Kunstverein in Hamburg war und ist stets der Förderung jener Künstlerinnen und Künstler verpflichtet, die heute produzieren und das kulturelle Erbe der Zukunft mitgestalten. Das Programm orientiert sich an den internationalen Entwicklungen der Gegenwartskunst und setzt sich für die Förderung und Präsentation qualitativ hochwertiger künstlerischer Experimente ein, die diskursiv begleitet, die Entwicklung des zeitgenössischen Ausstellungswesens weiter vorantreiben.

Als Ort der künstlerischen Produktion, des Ausstellungsmachens, der Kunstvermittlung und des kritischen Diskurses hat der Verein sich den Künstlerinnen und Künstlern verschrieben, die uns neue Sichtweisen auf gesellschaftliche Sachverhalte aufzeigen. Sie stellen sich der Aufgabe, uns den Weg aus dem Gewohnten zu weisen, vielleicht auch den Weg zu einer anderen Weise des Zusammenlebens zu formulieren, um dabei eine Sprache zu entwickeln, die ökonomische und politische Differenzen überwinden hilft.