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18.02.2010, 19 Uhr

Vortrag von Ole Frahm über Independent Comics

Maskierung, Verdoppelung Spaltung, Enthauptung, Zerstückelung. Formale Politiken der Independet-Comics

Die Geschichte der Comics ist eine Geschichte parodistischer Aneignungen. Mickey Mouse eignet sich die Geste des 'blackface' an, in der sich Weiße afro-amerikanische Kultur angeeignet haben. Zeichner von Sex-Comics der dreißiger Jahre zeichnen Disneys saubere Maus beim Coitus mit Minni und beginnen damit eine Serie auch formaler Parodien bis hin zu Art Spiegelmans Verwendung von Maus-Gesichtern in seinem Comic über seinen den Holocaust überlebenden Vater.

In diesen Comics wird eine Ästhetik entworfen, die sich klassisch bürgerlichen Kategorien wie Genie, Avantgarde oder Original entzieht. Stattdessen lassen sich formale Politiken bestimmen, die ein neues Licht auf die underground-comix der sechziger wie der graphic novels unserer Tage zu werfen versprechen. Der Vortrag wird diese Frage anhand vieler Lichtbilder mit einigem in Deutschland wenig bekannten Material argumentieren.

Ole Frahm
Gründungsmitglied der Arbeitsstelle für Graphische Literatur an der Universität Hamburg
Seit 2007 Vertretungsstelle 'Sprache und Kommunikation' an der Muthesius Kunsthochschule Kiel
Von 2002-2003 Stipendiat an der Jan van Eyck-Academie Maastricht
Von 1999-2001 Stipendiat des Evangelischen Studienwerks
Studium von Germanistik, Geschichte und Psychologie an der Universität Hamburg

Bücher
Die Sprache des Comics, Philo Fine Arts, Anfang 2010
Genealogie des Holocaust. Art Spiegelmans MAUS - A Survivor's Tale, Fink,  2006

Artikel
Unsäglich. Zum Stand der deutschen Comic-Forschung 2009, In: Kultur und Gespenster, Nr. 9 (Herbst 2009)
Goldstein und der geheimnisvolle Jude. Antisemitische Stereotype in Hergés Tim und Struppi, In: Kultur und Gespenster, Nr. 6 (Winter 2008)
Aktualisierung der Geschichte. Warum Comics den Holocaust nicht trivialisieren, In: Phase 2. Zeitschrift gegen die Realität, Nr. 28 (Juni 2008)