13.6.
–27.9.
2020

One Hundred Percent of Exhibitions Ignore Eighty Percent of the World

Wer oder was definiert eigentlich Malerei? Gibt es nicht bereits seit Jahren Veränderungen, die wir im Westen kaum wahrnehmen? Seit Generationen ist die Malerei, die bei uns ausgestellt, diskutiert und vermarktet wird, rein europäisch-nordamerikanischen Blicks orientiert mit einem klaren Votum in Richtung Leinwand. Aber stimmt das überhaupt, wenn wir die aktuellen globalen Tendenzen der Malerei betrachten?

Die geplante Ausstellung ist ein Plädoyer gegen den westlichen Malereikanon und gegen die immer weiter fortschreitende Klassenbildung in der Malerei. Was kann Malerei alles sein, wenn wir vom herrschenden Kunstbegriff loslassen und uns weltweit auf die Suche nach Spuren der Malerei begeben? An einer Reihe von Beispielen wollen wir uns den Sichtweisen derer annähern, die gegen den im Westen lange vorherrschenden Begriff von Kunst – gegen ihre Autonomie, gegen Sonderrechte für sie – opponieren und damit den herrschenden Kanon infrage stellen. Wo fängt Malerei an und wo hört sie auf? Der westliche Begriff der Kunst und der Malerei ist nicht einmal zweihundert Jahre alt, hat sich aber in der Moderne und im Zuge der Avantgardebewegungen zementiert. Daher möchte die Ausstellung den Begriff der Malerei aus anderen/neuen Blickwinkeln betrachten, und dabei auch das System von Produktion, Validierung, Verteilung und Rezeption, in dem sie derzeit operiert, einfach mal ignorieren. Und was dabei herauskommt, sind interessante Malereipositionen, die eine neue Lust an dem Medium entfachen können.

Die Ausstellung zeigt auf lustvolle Art und Weise eine Malerei, die sich auf globalen Wegen nicht mehr um die autonome westliche Kunst schert. Eine Malerei, die mitunter auch nicht nur auf der Leinwand verbleibt, die in den Raum und die Architektur geht, die den Pinselstrich paradoxe Wege gehen lässt und somit die Frage nach der heutigen Malerei vollständig neu stellt. Es wird Zeit, dass sich auch die Kunsttheorie öffnet und der Frage nach Malerei unter neuen Vorzeichen nachgeht - Vorzeichen, die heute zwar gesehen, aber immer noch nicht ausreichend diskutiert werden. Die Ausstellung zeigt Alternativen auf oder zumindest zeitgenössische Korrektive zu dem herrschenden, westlichen Leitbild und startet somit eine neue Debatte, die dringend notwendig erscheint.

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