15.10.
–15.11.
2015

900 und etwa 26000 Tage

EIN DEUTSCH-RUSSISCHES PROJEKT ZUR BLOCKADE LENINGRADS

Wie kann an ein unfassbares Verbrechen erinnert werden? Wie und in welcher Form können Ereignisse der Vergangenheit vergegenwärtigt und transformiert werden? Wie die Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann in Der lange Schatten der Vergangenheit über Erinnerungskultur und Geschichtspolitik schrieb, ist „das Wirkungspotential, das von gedeuteten und angeeigneten Geschichtserfahrungen ausgeht“, ein entscheidender Aspekt in der Schaffung kollektiver Selbstbilder. Monumente der Erinnerung sind mithin Repräsentationen einer bestimmten Auffassung von Geschichte, Zeit und Ort und bedingt durch die Perspektive derjenigen, die gedenken.

900 und etwa 26000 Tage

Die Blockade Leningrads zählt neben dem Holocaust zu den größten Verbrechen in der Geschichte des Zweiten Weltkriegs. Sie zog sich vom 8. September 1941 bis zum 27. Januar 1944, dauerte also nahezu 900 Tage und kostete über eine Million Menschen, vorwiegend Zivilisten, das Leben - meist wegen extremer Unterernährung. Bewusst von den deutschen Truppen geplant, bleibt diese Tragödie in ihren Ausmaßen nahezu unvorstellbar und ist im größeren Kontext des Vernichtungskrieges zu betrachten, den Nazi-Deutschland gegen die Sowjetunion führte.

900 und etwa 26000 Tage

Während die Blockade Teil des kollektiven Gedächtnisses in der Sowjetunion und dem heutigen Russland wurde und ihr eine eigene offizielle Museumsgedenkstätte im heutigen St. Petersburg gewidmet ist, ist sie im öffentlichen Diskurs Deutschlands wenig präsent. Anders als für viele andere Opfergruppen des Nationalsozialismus gibt es in Deutschland kein öffentliches Denkmal für die Hungertoten von Leningrad. Dieser Mangel öffentlichen Bewusstseins in Deutschland ist der Ausgangspunkt von 900 und etwa 26 000 Tage. Ziel ist es, einen öffentlichen Diskurs anzuregen und den Opfern der Leningrader Blockade Tribut zu zollen, indem verschiedene Möglichkeiten des Erinnerns reflektiert werden - in einer Ausstellung mit begleitenden Filmvorführungen sowie einem Vortrags- und Gesprächsprogramm.

900 und etwa 26000 Tage

Junge Künstlerinnen und Künstler aus Moskau, St. Petersburg und Hamburg (der Partnerstadt von St. Petersburg) präsentieren Ideen und Entwürfe für mögliche öffentliche Formen der künstlerischen Auseinandersetzung mit der Blockade. 2014 waren sie in einem Workshop in St. Petersburg zusammengekommen, um sich mit den historischen Fakten vertraut zu machen, Zeitzeugen zu treffen, bestehende Gedenkstätten in St. Petersburg zu besuchen und sich anhand verschiedener Ansätze von Kunst im öffentlichen Raum darüber auszutauschen, wie der  Blockade Leningrads gedacht werden könnte - in St. Petersburg als berühmter Museumsstadt ebenso wie in Hamburg. Die hieraus entwickelten Ideen werden ab Mitte Oktober im Kunstverein in Hamburg vorgestellt. Begleitet wird die Ausstellung durch eine Filmreihe im Programmkino Metropolis sowie am Vorabend der Eröffnung und am Eröffnungstag selbst durch ein diskursives Programm.

900 und etwa 26000 Tage

Mit freundlicher Unterstützung der freien und Hansestadt Hamburg.

TeilnehmerInnen
Hochschule für Bildende Künste Hamburg, Klasse Michaela Melián: Tim Theo Geissler / Tobias Muno, Roy Huschenbeth, Alice Astern Peragine, Judith Rau, Clara Wellner Bou; The Rodchenko Art School, Moskau, Klasse Haim Sokol: Nadia Degtyareva, Nick Degtyarev, Semen Kats, Nikolay Spesivtsev, Dzina Zhuk; PRO ARTE Foundation, St. Petersburg, Klasse Ludmila Belova: Alexandr Androsov, Alexey Grachev, Natalia Khvoenkova, Anastasia Kizilova, Vadim Leukhin, Natalia Tikhonova, Vadim Zaitcev

Projektorganisatoren
Goethe-Institut Moskau (Astrid Wege, Lisa Welitschko), Goethe-Institut St. Petersburg (Angelika Eder, Jana Sobolewa)
 

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