1.9.
–30.12.
2011
Kathrin Sonntag

Kathrin Sonntag, Mühsam ernährt sich das Einhorn, Installationsansichten, Kunstverein in Hamburg, 2011, Foto: Fred Dott

Kathrin Sonntag

Kathrin Sonntags (*1981, lebt in Berlin) Arbeiten sind wie ein verlängertes Augenzwinkern. Alltägliches wird gesehen und wieder gesehen und auf einmal gibt es zwischen einem Blick, dem kurzen Schließen der Augen und dem nächsten Blick eine Verschiebung, die einen Stutzen lässt. In ihren Objekten, Fotografien, Filmen, Diaserien und Installationen thematisiert sie die Wahrnehmung und die Grenzen zwischen Realität und Fiktion. Alltägliche Gegenstände erhalten in ihren Arbeiten eine unheimliche Qualität, die sich gerade aus der Vertrautheit und ihrer subtilen Verschiebung ergibt.

Kathrin Sonntag

Kathrin Sonntag, Mühsam ernährt sich das Einhorn, Installationsansichten, Kunstverein in Hamburg, 2011, Foto: Fred Dott

In ihrer Ausstellung Mühsam ernährt sich das Einhorn im Kunstverein Hamburg zeigt Kathrin Sonntag eine neue Diaserie, die sich mit Versprechern auseinandersetzt. Eben nicht das Eichhörnchen, sondern das Einhorn ist auf einmal Protagonist des Sprichwortes geworden. Meistens sind es diese gängigen Formulierungen, deren bildlicher Charakter, zigmal gehört und ausgesprochen, dann doch in den Hintergrund getreten ist. Indem Sonntag unterschiedliche Versprecher im Rahmen einer Diaserie, die sich aus stehenden und bewegten Projektionen zusammensetzt, bildhaft inszeniert, lässt sie die verschiedenen Ebenen hervortreten. Aufgrund der großen Selbstverständlichkeit dauert es manchmal einen Moment, bis überhaupt klar wird, dass etwas nicht stimmt. Auf Post-Its und Papiersschnipseln beiläufig und in Bezug zu anderen Materialien arrangiert, erweitert sie in der Ausstellung Ebenen mit farbigen Papieren bis in den Raum hinein. So ist auch hier der zweite Augen-Blick gefragt, der andere Perspektiven erst sichtbar werden lässt. Dabei wird der zufällige Moment des "Neu-Sehens" zum Ausgangspunkt einer inszenatorischen Gestaltung, die normale Sehmuster infrage stellt. Die Fehlleistung in der Sprachbildung wird zum produktiven Moment, der auch anders als "falsch" bewertet werden kann.

Kathrin Sonntag

Kathrin Sonntag, Mühsam ernährt sich das Einhorn, Installationsansichten, Kunstverein in Hamburg, 2011, Foto: Fred Dott

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