5.6.
–4.7.
2010
Story/No Story

Tobias Zielony , Story / No Story, Installationsansicht, Kunstverein in Hamburg, 2010, Foto: Fred Dott

Tobias Zielony

Story/No Story

Tobias Zielony (*1973, lebt in Berlin) fotografiert seit vielen Jahren Jugendliche in ihrem jeweiligen Umfeld, hauptsächlich im öffentlichen Raum. Dabei zieht es ihn an die Randzonen urbaner Wirklichkeit: die Banlieues französischer Metropolen, die als Shrinking-Cities bekannt gewordenen Städte in Sachsen-Anhalt oder die Wüstenstadt Trona außerhalb von Los Angeles. Hier treten soziale Spannungen, fehlende Alternativen und Perspektivlosigkeit besonders deutlich in Erscheinung.

Story/No Story

Tobias Zielony , Story / No Story, Installationsansicht, Kunstverein in Hamburg, 2010, Foto: Fred Dott

Die Jugendlichen treffen sich dort in Parkhäusern, Einkaufszentren, Tankstellen oder Hauseingängen, die durch ihre Anwesenheit erst zu einem sozialen Ort werden. Auch wenn die Menschen im Mittelpunkt der Fotografien stehen, spielt die Architektur eine wichtige Rolle. Sie prägt die Bilder von Zielony ebenso wie die sozialen Beziehungen der dort lebenden Menschen: Die urbane Umgebung verstärkt das Gefühl der Langeweile und der Tristesse. Es sind Orte, von denen man meint, sie schon einmal gesehen zu haben. Gleichzeitig wirken die ausgewählten Schauplätze teilweise surreal, als handle es sich um verlassene Filmsets. Jetzt fungieren sie als Bühne, auf der sich die Jugendlichen inszenieren.
 

Story/No Story

Tobias Zielony , Story / No Story, Installationsansicht, Kunstverein in Hamburg, 2010, Foto: Fred Dott

Ihre Körperhaltungen, Gesichtsausdrücke, Kleidungen und Accessoires sprechen – ermöglicht durch globale Werbung, Musikvideos, Kinofilme oder Internetportale wie MySpace – die gleiche Sprache, egal ob sie in Marseille, Bristol oder Halle Neustadt leben. Sie bewegen sich mit großer Sicherheit vor der Kamera, immer darauf bedacht, ein bestimmtes Bild von sich zu erzeugen. Aber die Anwesenheit des Fotografen bedarf es dafür eigentlich nicht mehr. Ob sie jemand beobachtet oder nicht: Ihr ganzes Leben besteht aus dem Posieren, als befänden sie sich in einer permanenten Casting-Schow. Als wäre es die Verheißung der Zukunft, entdeckt zu werden, damit das Leben endlich beginnen könne. Und bis dahin verharren sie im Zustand des (Ab)Wartens.

Zielony arbeitet nur mit dem vorhandenen Licht, ohne Blitzlicht oder künstliche Lichtquellen. So verströmen Straßenlaternen, die Standbeleuchtung von parkenden Autos oder beleuchtete Fenster eine eigene Stimmung, die den Ort genauso kennzeichnet wie seine Architektur. Seine Fotografien stehen in der Tradition der Bildreportage und bewegen sich zwischen intimer Nähe und beobachtender Distanz. Dabei will er nicht moralisieren oder belehren, vielmehr interessiert ihn diese „völlig beiläufige Form des Sozialen“, die sich an der Haltung der Jugendlichen ablesen lässt.
 

Story/No Story

Tobias Zielony , Story / No Story, Installationsansicht, Kunstverein in Hamburg, 2010, Foto: Fred Dott

Im Gegensatz zu klassischen Dokumentationen überschreiten seine Fotografien die Grenzen zur künstlerischen Arbeit. Er stellt verschiedene Bildgenres wie Einzelportraits, Gruppenaufnahmen, Detailansichten, Landschafts- und Architekturaufnahmen oder Aktionsfotografie nebeneinander und entwickelt dadurch eine Form der Narration, wie sie sich auch in Filmen wiederfindet.

Die Ausstellung im Kunstverein Hamburg versammelt mehr als 30 Arbeiten aus den Serien "The Cast" (2007) und "Trona" (2008). Außerdem wird der neue Film "Le Vele di Scampia" (2009) gezeigt.

Im Rahmen der Ausstellung ist auch die aktuelle Jahresgabe von Tobias Zielony erhätlich.

Im Verlag HatjeCantz erscheint die umfangreiche Publikation "Story / No Story" (herausgegeben von Maik Schlüter, Florian Waldvogel und Jan Wenzel) mit einem Gespräch zwischen Tobias Zielony und dem Regisseur Christian Petzold.

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