4.9.
–14.11.
2021
PROOF OF STAKE

Proof of Stake – Technologische Behauptungen, Installationsansicht, Kunstverein in Hamburg, 2021, Foto: Fred Dott

PROOF OF STAKE

Technologische Behauptungen

Teilnehmende Künstler*innen: Robert Alice, Mel Chin, Joshua Citarella, Simon Denny, Fang Di, Stephanie Dinkins, DISNOVATION, Sarah Friend, Isa Genzken, Holly Herndon / Mathew Dryhurst, Femke Herregraven, Mike Kelley, Josh Kline, Paul Kolling, Agnieszka Kurant, James Luna, Karamia Müller, New Red Order (NRO): Zack Khalil, Adam Khalil, Jackson Polys, Yuri Pattison, Timur Si-Qin, Jaune Quick-to-See Smith, Krista Belle Stewart, Paul Thek, Luke Willis Thompson, Prateek Vijan und Beecoin ist ein Projekt von KUNSTrePUBLIK (Einhoff, Horst, Sachs) in Kooperation mit Hiveeyes und Nascent

Kurator:innenführung & Künstlergespräch mit Bettina Steinbrügge & Simon Denny

Proof of Stake - Technologische Behauptungen ist eine vom Kunstverein in Hamburg initiiert und dem Künstler Simon Denny realisierte Gruppenausstellung, die über die Themen Technologie, Organisation und Eigentum nachdenkt. Sie wird begleitet von einem Symposium, einem Seminar mit Student:innen und zwei Publikationen, von denen die erste zu den Eröffnungsveranstaltungen am 3. und 4. September erscheint.

Die Ausstellung ist nach einem auf Eigentum basierenden Blockchain-Protokoll benannt, auf das man verstärkt aufmerksam wurde, als dessen Bewerber in die Kritik gerieten, weil sein Output mit einem hohen Energieverbrauch verbunden ist. Proof of Stake untersucht, inwiefern als „technologisch“ verstandene Prozesse oder Objekte kulturelle Arbeit leisten, von Blockchain-Protokollen bis zu Verdinglichungspraktiken in Museen. Im Vordergrund steht dabei die Frage, wer das Moment des Technologischen für sich beanspruchen darf. Wobei dieser Anspruch oft damit einhergeht, dass man Prozesse als legitim oder natürlich ansieht, die man ebenso gut auch als politisch verstehen könnte. Im Dialog mit Institutionen wie dem Museum am Rothenbaum. Kulturen und Künste der Welt (MARKK) entfalten Denny und seine Gesprächspartner, der Künstler Timur Si-Qin und Professor Timon Beyes (Leuphana Universität Lüneburg) sowie die oben genannten Künstler:innen, wer und was in diesen Legitimationsprozessen der Technologie eine Rolle spielt und wie sie mit Eigentum und Macht interagieren.

Unter den von Proof of Stake – Technologische Behauptungen präsentierten Kunstwerken sind Projekte, die sich kritisch mit den Möglichkeiten auseinandersetzen, mit Blockchains Kunst zu machen. Beispielsweise die gemeinschaftliche Beecoin-Initiative, die Blockchains in einen Dialog mit Bienenstöcken bringt, indem sie dezentrale Technologien und soziale, nicht-menschliche Formationen miteinander verbindet. Sarah Friends Clickmine entfaltet in verschiedenen Kontexten Extraktionsmechanismen mit Hilfe einer metaversen Simulation von Eigentum und Mine und gibt ERC-20-Tokens auf der Ethereum Blockchain heraus. Die Ausstellung umfasst auch Werke, die untersuchen, wer benachbarte Technologien wie KI, künstliche Intelligenz, gestaltet. Wie etwa Stephanie Dinkins’ ikonische Conversations with Bina48, in der die Künstlerin Leerstellen erforscht, in denen ein humanoider Roboter „eine Untersuchung der Kodifizierung sozialer, kultureller und zukünftiger Geschichten an der Schnittstelle von Technologie, Rasse, Geschlecht und sozialer Gerechtigkeit“ vorlegt. Spezielle Auftragsarbeiten fügen sich thematisch in die Präsentation, der bestehenden Kunstwerke, ein und ergänzen sie. Wie eine Installation des Künstlers Timur Si-Qin, der Vitrinen aus den Ausstellungssystemen des Museum am Rothenbaum. Kulturen und Künste der Welt (MARKK) in neue Zusammenhänge stellt und auf diese Weise darüber nachdenkt, wie die technologische Klassifizierung von Objekten mit musealen Strukturen und deren kulturellen Normen verbunden ist. Kunstwerke von New Red Order und Krista Belle Stewart beziehen sich auf die Geschichte indigener Völker und stellen die Frage, wie sie in Deutschland und den Vereinigten Staaten in unterschiedlichen Kontexten institutionell repräsentiert werden. Dagegen zeigen Zeichnungen von Karamia Müller, wie standardisierte „Tech“-Werkzeuge, darunter die CAD-Programme von Architekten, über die Art und Nutzung von Raum entscheiden, weil sie bestimmte Formen schätzen, privilegieren und immer wieder neu erschaffen.

Die erste mit dem Projekt verbundene Publikation, die am Eröffnungswochenende der Ausstellung erscheint, heißt Media Organize: A Companion to Technological Objects. Der von Timon Beyes, Simon Denny, Armin Beverungen, Lisa Conrad, Claus Pias und Bettina Steinbrügge herausgegebene Band versammelt 39 Untersuchungen über die Organisationskraft alltäglicher Objekte. Verfasst von Studierenden der Hochschule für bildende Künste Hamburg und der Fachbereiche Kultur & Organisation sowie Medien und Digitale Kulturen der Leuphana Universität Lüneburg, untersuchen die Beiträge, wie man Objekte als technologisch bestimmt und zur Organisation des Lebens einsetzt.

PROOF OF STAKE

Proof of Stake – Technologische Behauptungen, Installationsansicht, Yuri Pattison,Kunstverein in Hamburg, 2021, Foto: Fred Dott

Die zweite Publikation, die 2022 erscheinen soll, wird die Dokumentation der gesamten Ausstellungsinstallation und einzelner Kunstwerke mit Beiträgen internationaler Wissenschaftler:innen zusammenführen, die ein von ihnen ausgewähltes technologisches Objekt beschreiben. Diese Objekte sind mit ihrer räumlichen Repräsentation in der Ausstellung verknüpft und einem Prozess, in dem Simon Denny NFT-Versionen, der von den Autor:innen ausgewählten technologischen Objekte, auf der auf Proof of Stake basierenden Plattform der „Tezos“-Blockchain Hic et Nunc, prägen lassen wird. Diese werden den Wissenschaftler:innen als Teilvergütung und Anerkennung ihrer Arbeit geschenkt.

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Proof of Stake – Technologische Behauptungen, Installationsansicht, Prateek Vijan, Kunstverein in Hamburg, 2021, Foto: Fred Dott

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