27.6.
–11.10.
2020

#UNFINISHED-TRACES

Jeewi Lee, Christophe Ndabananiye, Lerato Shadi, Viron Erol Vert

Teilnehmende Künstler*innen: Jeewi Lee, Lerato Shadi, Viron Erol Vert und Christophe Ndabananiye

Der Kunstverein in Hamburg freut sich, in der Sommersaison in der Ausstellungsserie #UNFINISHEDTRACES die Preisträger*innen der Villa Romana einem größeren Publikum vorstellen zu dürfen. Der Villa Romana-Preis ist der älteste Kunstpreis in Deutschland und wird seit 1905 jedes Jahr an vier Künstler*innen verliehen. Zu den Preisträger*innen zählten u.a. Max Beckmann, Käthe Kollwitz, Georg Baselitz, Anna Oppermann, Michael Buthe und viele weitere Künstler*innen, die die Kunstgeschichte bis heute geprägt haben. Die Villa Romana gehört bis heute zu den wenigen Residenzen, die zahlreiche Kooperationen mit dem regionalen Umfeld eingeht und die das Residenzprogramm eng mit einem kuratorischen Programm verschränkt.

Die Künstler*innen Jeewi Lee, Christophe Ndabananiye, Lerato Shadi und Viron Erol Vert sind die Villa Romana-Preisträger*innen 2018, die von dem Künstler Nasan Tur und Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, dem Direktor von SAVVY Contemporary, Berlin, ausgewählt wurden.

Jeewi Lee (1987 in Seoul, Südkorea, lebt und arbeitet in Berlin), studierte Malerei an der Universität der Künste Berlin sowie an der Hunter College University, New York. In ihren meist ortsspezifischen Rauminstallationen, Aktionen und Bildserien arbeitet sie mit metaphorischen und tatsächlichen physikalischen Spuren, die sie zurückverfolgt und konserviert, in dem sie als zeichnerische Elemente eingesetzt werden. Die Spur zeugt von Bewegungen und Geschichten und reflektiert zugleich ihren eigenen Produktionsprozess. Lee interessiert sich insbesondere für Indexikalität, die eine Spur in sich trägt und durch die sie Vergangenheit und Gegenwart zugleich verkörpert.

Christophe Ndabananiye (*1977 in Lubumbashi, Demokratische Republik Kongo, lebt und arbeitet in Berlin) studierte an der Hochschule der Bildende Künste in Saarbrücken. Ausgehend von der eigenen Biografie ist Erinnerungsarbeit ein zentraler Aspekt in Ndabananiyes Arbeiten. In einer Folge von Selbstportraits thematisierte er traumatische Erfahrungen von Flucht, Heimatlosigkeit und Zerstörung. In seinen neuen Malereien setzt er die Auseinandersetzung mit Erinnerungen und Erfahrungen auf Papier, Leinwände und Styroporplatten fort.

Lerato Shadi (*1979 in Mahlkeng, Südafrika, lebt und arbeitet in Berlin) studierte Kunst an der University of Johannesburg und an der Kunsthochschule Berlin Weißensee. Lerato Shadis Arbeit stellt gängige Annahmen infrage, um westliche Geschichtsauffassungen zu kritisieren und das Unsichtbare oder Übersehene sichtbar zu machen. Ihre künstlerische Praxis fokussiert dabei auf Körperpolitiken und nimmt explizit Bezug auf den Körper und seine/ihre Erfahrungen. Dabei geht es um institutionelle Gewalt, patriarchale und koloniale Strategien des Ausschlusses und Vergessens und widerständige subjektive Erzählungen. Shadi arbeitet in verschiedenen Medien wie Zeichnung, Performance, Film und Installation.

Viron Erol Vert (*1975 in Varel, Deutschland, lebt und arbeitet in Istanbul und Berlin) studierte an der Hochschule für Technik und Wirtschaft und der Kunsthochschule Berlin Weißensee (KHB) sowie an der Königlichen Akademie Antwerpen und ließ weitere akademische Studien an der Universität der Künste, Berlin, sowie in den Bereichenm Mode- und Textildesignexperimentelle Oberfläche an der KHB folgen. Vert beschäftigt sich in seinen Arbeiten mit interkulturellem Austausch, Sprache und Fragen nach kultureller Vormachtstellung. Dabei verbindet er häufig Narrative mediterraner Geschichtsschreibung mit denen der nordeuropäischen. Verts Arbeiten sind interdisziplinär und hinterfragen eindimensionale Identitätspolitiken ebenso wie die gedachten Grenzen zwischen dem sogenannten Fremden und Eigenem. In den vergangenen Jahren schuf er dafür vermehrt raumgreifende Installationen.

Wir haben uns mit dem Projekt #UNFINISHEDTRACES für das Prinzip einer aufeinanderfolgenden Ausstellungsserie entschieden, denn die Preise sind an einzelne, sehr spannende Künstlerpersönlichkeiten gegeben worden und nicht einer Gruppe, die zwecks eines Themas zusammengefunden hat. Es geht uns um die einzelnen Perspektiven, um die einzigartige Arbeit, die einen Diskurs eröffnet und Prozesse auslöst. Ein Preis bietet Freiräume an, Wagnisse einzugehen und sich autonom weiterzuentwickeln. Dieses Besondere, das sich in der künstlerischen Position respektive Freiheit entwickelt, gilt es herauszustellen in einem kuratorischen Format, das keine kompetitive Gegenüberstellung im Raum herstellt, sondern das Spezifische einer Arbeit reflektiert.

Mit #UNFINISHEDTRACES haben die Künstler*innen die Ausstellungsserie selbst betitelt. Er bezieht sich auf Gemeinsamkeiten in ihren Arbeiten, die auf unterschiedliche Weise eine Spurensuche verfolgen; Erinnerungen, nicht erzählte Geschichte(n), die eigene Biografie und der Versuch Abwesendes erfahrbar zu machen, sind inhaltliche Ankerpunkte der einzelnen Projekte. Mit dem Hinweis auf das Unabgeschlossene im Titel eröffnet sich ein Spannungsfeld zwischen Zukünftigem und Vergangenem. Jede Spur markiert Gewesenes, das sich in den Verlauf der Zeit eingeschrieben hat und so auch Teil einer Zukunft wird. Wie die Gegenwart selbst sind Spuren  flüchtig und veränderbar. #UNFINISHEDTRACES erzählt so von einem Moment des Übergangs, in dem noch nichts entschieden ist und alle Optionen offen sind. Jede Ausstellung an sich ist die Verwirklichung einer Möglichkeit – Vieldeutigkeit, Durchlässigkeit und Beweglichkeit spielen hierbei eine große Rolle, sowohl auf der Seite der Institution wie auch auf Seiten der Künstler*innen. Was entsteht ist ein Experiment, das über die spezifischen Projekte hinweg folgende Fragen aufscheinen lässt: Welche Formen des Handelns werden bei bestimmten Arbeiten, Formaten und Ausstellungssituationen von Künstler*innen, Kurator*innen und Rezipient*innen eingefordert und hervorgebracht? Welchen Austausch gibt es heute und welcher Austausch ist überhaupt möglich? Was sind aktuelle künstlerische Praxen und wie kann sich ein lebendiger Diskurs über unsere Zeit entspinnen?

Um die Themen und Fragen ihrer künstlerischen Produktion weiterzuführen, laden die Preisträger*innen Gäste aus den verschiedensten Bereichen zu Vorträgen, Gesprächen und Beiträgen ein, die online abrufbar sein werden. Über drei Monate wird sich ein vielseitiger Dialog entfalten – freuen Sie sich darauf!

 

Lerato Shadi - Batho ba me
27.6. – 19.7.2020

Jeewi Lee - re-
25.7. – 16.8.2020

Christophe Ndabananiye - 11° 40 S  27° 29 O
22.8. – 13.9.2020

Viron Erol Vert -„Ich mag keine Ausländer, aber bei dir ist es was anderes.
19.9. – 11.10.2020

Förderung
Reihe

Andere Ausstellungen aus der Reihe „#UNFINISHED-TRACES“:

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