13.6.
–27.9.
2020

#THINKINGTOGETHER

Jeewi Lee, Christophe Ndabananiye, Lerato Shadi, Viron Erol Vert

Teilnehmende Künstler*innen: Jeewi Lee, Lerato Shadi, Viron Erol Vert und Christophe Ndabananiye

Der Kunstverein in Hamburg freut sich, in der Sommersaison in der Ausstellungsserie #THINKINGTOGETHER die Preisträger*innen der Villa Romana einem größeren Publikum vorstellen zu dürfen. Der Villa Romana-Preis ist der älteste Kunstpreis in Deutschland und wird seit 1905 jedes Jahr an vier Künstler*innen verliehen. Zu den Preisträger*innen zählten u.a. Max Beckmann, Käthe Kollwitz, Georg Baselitz, Anna Oppermann, Michael Buthe und viele weitere Künstler*innen, die die Kunstgeschichte bis heute geprägt haben. Die Villa Romana gehört bis heute zu den wenigen Residenzen, die zahlreiche Kooperationen mit dem regionalen Umfeld eingeht und die das Residenzprogramm eng mit einem kuratorischen Programm verschränkt.

Die Künstler*innen Jeewi Lee, Christophe Ndabananiye, Lerato Shadi und Viron Erol Vert sind die Villa Romana-Preisträger*innen 2018, die von dem Künstler Nasan Tur und Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, dem Direktor von SAVVY Contemporary, Berlin, ausgewählt wurden:

 

Jeewi Lee (1987 in Seoul, Südkorea, lebt und arbeitet in Berlin), studierte Malerei an der Universität der Künste Berlin sowie an der Hunter College University, New York. In ihren meist ortsspezifischen Rauminstallationen, Aktionen und Bildserien arbeitet sie mit metaphorischen und tatsächlichen physikalischen Spuren, die sie zurückverfolgt und konserviert, in dem sie als zeichnerische Elemente eingesetzt werden. Die Spur zeugt von Bewegungen und Geschichten und reflektiert zugleich ihren eigenen Produktionsprozess. Lee interessiert sich insbesondere für Indexikalität, die eine Spur in sich trägt und durch die sie Vergangenheit und Gegenwart zugleich verkörpert.

Christophe Ndabananiye (*1977 in Lubumbashi, Demokratische Republik Kongo, lebt und arbeitet in Berlin) studierte an der Hochschule der Bildende Künste in Saarbrücken. Ausgehend von der eigenen Biografie ist Erinnerungsarbeit ein zentraler Aspekt in Ndabananiyes Arbeiten. In einer Folge von Selbstportraits thematisierte er traumatische Erfahrungen von Flucht, Heimatlosigkeit und Zerstörung. In seinen neuen Malereien setzt er die Auseinandersetzung mit Erinnerungen und Erfahrungen auf Papier, Leinwände und Styroporplatten fort.

Lerato Shadi (*1979 in Mahlkeng, Südafrika, lebt und arbeitet in Berlin) studierte Kunst an der University of Johannesburg und an der Kunsthochschule Berlin Weißensee. Lerato Shadis Arbeit stellt gängige Annahmen in Frage, um westliche Geschichtsauffassungen zu kritisieren und das Unsichtbare oder Übersehene sichtbar zu machen. Ihre künstlerische Praxis fokussiert dabei auf Körperpolitiken und nimmt explizit Bezug auf den Körper und seine/ihre Erfahrungen. Dabei geht es um institutionelle Gewalt, patriarchale und koloniale Strategien des Ausschlusses und Vergessens und widerständige subjektive Erzählungen. Shadi arbeitet in verschiedenen Medien wie Zeichnung, Performance, Film und Installation.

Viron Erol Vert (*1975 in Varel, Deutschland, lebt und arbeitet in Istanbul und Berlin) studierte an der Universität der Künste Berlin sowie an der Königlichen Akademie Antwerpen und ließ weitere akademische Studien im Bereich Mode- und Textildesign folgen. Vert beschäftigt sich in seinen Objekten und Installationen mit interkulturellem Austausch und Fragen nach kultureller Vormachtstellung. Dabei verbindet er häufig Narrative mediterraner Geschichtsschreibung mit denen der nordeuropäischen. Verts Arbeiten sind interdisziplinär und hinterfragen eindimensionale Identitätspolitiken ebenso wie die gedachten Grenzen zwischen dem sogenannten Fremden und Eigenem.

 

Wir haben uns mit dem Projekt #THINKINGTOGETHER für das Prinzip einer konsekutiven Ausstellungsserie entschieden, denn die Preise sind an einzelne, sehr spannende Künstlerpersönlichkeiten gegeben worden und nicht einer Gruppe, die zwecks eines Themas zusammengefunden hat. Es geht uns um die einzelnen Perspektiven, die einzigartige Arbeit, die einen Diskurs eröffnet und Prozesse bei allen Beteiligten auslösen. Ein Preis bietet Freiräume an, bietet an, Wagnisse einzugehen und sich autonom weiterzuentwickeln. Dieses Besondere, das sich in der künstlerischen Position respektive Freiheit entwickelt, gilt es herauszustellen in einem kuratorischen Format, das keine kompetitive Gegenüberstellung im Raum herstellt, sondern das Spezifische einer Arbeit reflektiert.

Mit dem Titel der Ausstellungsserie, #THINKINGTOGETHER, der dem Katalog der Villa Romana entnommen ist, nehmen wir den kritischen Dialog, das Miteinander und den Austausch zwischen den Künstler*innen, dem Team der Villa Romana und ihrem Publikum in Florenz zum Ausgangspunkt, über die künstlerische Produktion nachzudenken. Jede Ausstellung an sich ist die Verwirklichung einer Möglichkeit – Vieldeutigkeit, Durchlässigkeit und Beweglichkeit spielen hierbei eine große Rolle, sowohl auf der Seite der Institution wie auch auf Seiten der Künstler*innen. Was entsteht, ist eine experimentelle Probebühne, die über die spezifischen Projekte hinweg folgende Fragen aufscheinen lassen: Welche Formen des Handelns werden bei bestimmten Arbeiten, Formaten und Ausstellungssituationen von Künstler*innen, Kurator*innen und Rezipient*innen eingefordert und hervorgebracht? Welchen Austausch gibt es heute und welcher Austausch ist überhaupt möglich? Was sind aktuelle künstlerische Praxen und wie kann sich ein lebendiger Diskurs um sie herum entspinnen?

Um die Themen und Fragen ihrer künstlerischen Produktion weiterzuführen, laden die Preisträger*innen Gäste aus den verschiedensten Bereichen zu Vorträgen, Gesprächen und Beiträgen ein, die in der Ausstellungslaufzeit stattfinden. Über drei Monate wird sich ein vielseitiger Dialog entfalten – freuen Sie sich darauf!

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