16.2.
–28.4.
2019
Birth Canal

Marguerite Humeau, Birth Canal, 2018. Ausstellungsansicht, New Museum, New York. Foto: Maris Hutchinson / EPW Studio

Marguerite Humeau

Birth Canal

Marguerite Humeau nimmt in ihrer künstlerischen Arbeit enigmatische Prozesse in den Blick: In Rückbezug auf kosmologische, tektonische, biologische, evolutionäre oder kulturhistorische Entwicklungsgefüge generiert sie Werke, die an wissenschaftlich Erforschtes oder Überliefertes anknüpfen, ihren Gegenstand aber an spezifischen Momenten zwischen Wissen und Spekulation entzünden. Durch Skulptur, Sound, Animation und Video entwickelt sie Formen und Narrative, die in Zusammenarbeit mit Experten der von ihr kontextualisierten Wissensbereiche ein ganz eigenständiges Vokabular zwischen Fakt und Fiktion herausbilden. Dabei (re)animiert Humeau Vergangenes oder bereits Erforschtes und holt dies in die Zeit der Informationstechnologie: Sie bildet eine Brücke zwischen Zeit und Raum und entwickelt so unter Rückbezug auf die eigene Formensprache nahezu abstrakte Forschungssituationen innerhalb des Ausstellungsraumes.

Nicht greifbarem Wissen ordnet die Künstlerin physisch-ästhetische Formen, Körper oder Komponenten wie Sound zu, die zu fantastischen Koordinaten der von Marguerite Humeau beleuchteten Transformationsprozesse werden, und sowohl einen situativen Kosmos im Installationsraum wie auch festen Standpunkt als solchen formulieren.

In Hamburg wird sie in einer groß angelegten Installation neue skulpturale und soundbasierte Arbeiten zeigen. Humeaus Arbeit konzentriert sich oft auf die Ursprünge der Menschheit und die damit verbundenen Geschichten der Sprache, Liebe, Spiritualität und Krieg. Jedes der Projekte der Künstlerin wird durch eine Periode der intensiven Untersuchung eingeleitet, die von Historikern, Anthropologen, Paläontologen, Zoologen, Linguisten und Ingenieuren begleitet wird. Durch ihre interdisziplinären, spekulativen Untersuchungen bereichert sie ihr eigenes Denken als Künstlerin und Forscherin und entwickelt Projekte, in denen das Informationszeitalter, in dem wir leben, widergespiegelt wird.

Humeaus Ausstellung folgt ihren jüngsten Einzelpräsentationen in der Tate Britain und im Palais de Tokyo und wird eine neue Reihe von digital gerenderten Skulpturen – Venus-Figuren und die Konturen von Tiergehirnen – zeigen, die in Bronzeguss und Stein gearbeitet sind. Die Formen und Maßstäbe dieser Arbeiten spiegeln die Forschungen der Künstlerin wider, in denen Übereinstimmungen zwischen den Formen prähistorischer Venusfigurinen und den Konturen tierischer Gehirne festgestellt wurden. In einem abgedunkelten Galerieraum wird eine Gruppe von Venusfiguren in einer ominösen Szene polyphoner Trance das Aussterben ihres Nachwuchses prophezeien. Figuren der ägyptischen Mythologie dienen ihr als Ausgangspunkt, um die Mythen der Gegenwart zu verstehen. Diese Figuren sind formell zweideutig, ähneln Gehirnen, Figuren oder Geistern unterschiedlichen Status und rufen Medien oder Visionäres in einem Gespräch hervor, das Teil der antiken Versammlung und Teil der Klage eines antiken Chors zu sein scheint. Mit Anspielungen auf Animismus, Totemismus und spirituelles Reisen bietet Humeaus Installation ein Forum für imaginierte Stimmen und Vorahnungen und unterstreicht die Kürze der menschlichen Existenz in Relation zur kosmischen und geologischen Zeit. 

Marguerite Humeau (*1986 in Cholet, F) studierte an der Design Academy Eindhoven und am Royal College of Art in London, wo sie ihren MA in Design Interactions 2011 erlangte. Ihre Arbeiten wurden zuletzt in einer Einzelausstellung bei Import Projects in Berlin gezeigt und wurden in diverse Gruppenausstellungen aufgenommen, bei u.a. TBA 21 Thyssen-Bornemisza Art Contemporary, Wien, der Serpentine Gallery, London, dem Museum of Modern Art, New York, dem Victoria & Albert Museums, London und der Hayward Gallery, London. Ihre Arbeit ist Teil der permanenten Sammlung des Museum of Modern Art, New York und der Fonds de Dotation famille Moulin (Layfayette Collection), Paris. Sie lebt und arbeitet in London. 

Zur Ausstellung wird ein gemeinsam von den drei Institutionen herausgegebener Katalog erscheinen.

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