19.6.
–15.8.
2021

Peter Ernst Eiffe & Friends

Participating artists: Yuji Agematsu, Christian Bau, KP Brehmer, Peter-Ernst Eiffe, Jef Geys, iLL, Heino Jaeger, Jacqueline de Jong, Sigmar Polke, Recht auf Stadt und Alles Allen, Chris Reinecke, Annette Wehrmann and Laura Ziegler

Peter Ernst Eiffe became famous during the protests of May 1968 in Hamburg for the absurdist slogans that he wrote with a felt-tip pen on everything from traffic signs to mailboxes, subway walls to department store price tags. This reached a climax when he drove into the Hauptbahnhof with his Fiat Topolino proclaiming the “Freie Eiffe-Republik”, leading to his institutionalization in the psychiatric ward of Ochsenzoll.

These activities aimed to expose what he saw to be the absurdity of daily life in post-war capitalist West Germany, and although an outsider to the formal art system, his singular and noticeably avant-garde activities were akin to many artistic and political strategies in post-war Europe.

The group exhibition shows documentation of Eiffe’s absurdist slogans and agit-prop activities in context with historic artistic positions of his time, while showing how the themes of this story are reflected in more recent artistic positions and forms of political protest today. Touching on the relationship between the urban subject and public space; the demand for art to take a position in public political life; the authority and function of the artist’s signature; and the use of satire, irony, and humor as a mode of critique.

Der Film Eiffe for President: Alle Ampeln auf Gelb von Christian Bau ist eine umfassende Untersuchung der Mythologie Eiffes und ihrem anhaltenden Nachklang als Unterton in der Geschichte Hamburgs. Er wird neben Arbeiten von Jacqueline de Jong gezeigt, die Mitglied der Situationistischen Internationale und Herausgeberin der Situationist Times war. Sie zeigt tragbare Gemälde, die im Sinne des derive produziert wurden. Eine Arbeit von Yuji Agematsu entstand durch Spaziergänge in New York City und zeigt, wie der Künstler einen Monat lang täglich wie besessen Abfall und Überreste von den Straßen der Stadt einsammelt. K.P. Brehmer, der Teil der Kunstströmung des Kapitalistischen Realismus war, kombiniert den satirischen Gebrauch politischer Ikonografie mit einem frühen Film, der bedeutungsvolle Strukturen und Monumente im öffentlichen Raum untersucht. Sigmar Polkes verspielte Fotoserie zeigt dagegen graffiti-bemalte CDU Wahlplakate aus dem Jahr 1972 als Form politischer Satire. Chris Reineckes Papierarbeiten und Performances ab den 1960er-Jahren nutzen Parodie und Satire, um die Rolle des Künstlers und der Beziehung zwischen künstlerischer Arbeit und politischen Aktivitäten in den Blick zu nehmen. Die Zeichnungen des lokalen Satiristen Heino Jaegers zeigen eine Seite einer Hamburger Persönlichkeit, die auch Zeit in den psychiatrischen Anstalten der Stadt verbracht hat.

Peter Ernst Eiffe & Friends

Jef Geys’ hartnäckige Untersuchung der Funktion von Namen als Bedeutungsträger wird in einer Posterserie gezeigt, in denen der Künstler spielerisch und in Anlehnung an Wahlwerbung erkennbare Namen mit relativ anonymen und alltäglichen Namen vermischt. Anette Wehrmanns Texte auf Papierluftschlangen verbinden Beobachtungen des Alltags in Hamburg mit philosophischen und ästhetischen Anliegen, um letztendlich Fragen zur Rolle der Kunst im gesellschaftlichen Kontext zu stellen. Laura Ziegler macht die Performativität zum politischen Inhalt ihrer Arbeit; sie stellt die Figur der Künstlerin in Form einer Marionette dar, die sich selbst mit verschiedenen Historien des politischen Aktivismus bildet. Das anonyme Kollektiv iLL vereint den politischen Aktivismus mit der Ästhetik zeitgenössischer Straßenkunst und organisiert Straßenkampagnen, welche linke Politik und Hamburgs Klubkultur vereinen. Recht auf Stadt und Alles Allen sind hingegen Beispiele kreativer Formen des Protests, welche die Netzwerke in ihrem Kampf um die Selbstermächtigung der Stadtbewohner und die Nutzung des öffentlichen Raums in Hamburg verwenden.

Mit der Präsentation von Dokumenten über die Aktivitäten von Peter Ernst Eiffe, darunter archivarische Fotos und Zeitungsartikel, kontextualisiert die Ausstellung Eiffes absurde Slogans und Agit-Prop-Aktivitäten im Rahmen historischer künstlerischer Ansätze aus der damaligen Zeit und zeigt zugleich, wie die Motive seiner Geschichte in jüngeren künstlerischen Standpunkten und Formen des politischen Protests reflektiert werden. Die verschiedenen Arbeiten berühren hier nicht nur die Beziehung zwischen dem städtischen Subjekt und dem öffentlichen Raum, sondern auch die Forderung, dass Kunst zum öffentlichen politischen Leben Stellung beziehen soll, ebenso die Autorität und die Funktion der Signatur des Künstlers sowie Formen des kreativen Protests und der Anwendung von Satire, Ironie und Humor als Modelle der Kritik.

2019 wurde das Buch Eiffe for President: Alle Ampeln auf Gelb in Ergänzung zum gleichnamigen gedrehten Film des Regisseurs Christian Bau von 1995 veröffentlicht—der erste Versuch, die Geschichte Peter Ernst Eiffes zu ergründen und zu rekonstruieren. 2020 wurde es mit dem Buchpreis Hamburglesen ausgezeichnet.

Peter Ernst Eiffe & Friends

Support
Close