Friday, 30.7.2021,
14 Uhr

Easterfield Festival

Skulpurengarten

EASTERFIELD FESTIVAL: Osterfeldstraße 6, 22529 Hamburg

Der Skulpturgarten auf dem EASTERFIELD FESTIVAL kann zwischen dem 30.7. - 15.8.2021, ganztägig besucht werden. Bis 18 Uhr jeweils kostenlos, während des Festivalsprogramms nur mit Ticket zugänglich.

Das gesamte Programm des EASTERFIELD FESTIVALS findet ihr hier


Mit folgenden Künstler:innen:

Karo Akpokiere
Die Zeichnungen des in Lagos, der größten Stadt in Nigeria, aufgewachsenen Künstlers Karo Akpokiere zeichnen sich durch eine enge Verbindung von Bild und Text sowie eine von urbaner Graffiti- und Schriftkultur inspirierte Formensprache aus. Zudem stellt er in seinen Arbeiten eine scharfe Beobachtungsgabe für gesellschaftliche Verhältnisse unter Beweis. Er studierte am Yaba College of Technology in Lagos Grafikdesign und entwickelte früh Interesse daran, die Möglichkeiten des Designs nicht nur für kommerzielle Zwecke, sondern auch für die Vermittlung sozialer uns politischer Botschaften einzusetzen. Die Megacity Lagos mit ihrem multikulturellen Mix aus Bildern und Texten, Mustern aller Art, Comics, Design, lokaler und internationaler Musik spielte für ihn eine große Rolle bei der Entwicklung seiner künstlerischen Identität. In seinen Werken verbindet er traditionelle und digitale Zeichnungstechniken und lässt die Grenzen zwischen Grafik, bildender Kunst, Comic, Illustration und Typografie verschwimmen.
Für das Easterfield haben wir die 2015 entstandene Arbeit, Dear Europe, auf einem Banner vergrößert. Die Arbeit stellt sich Europa und Afrika als zwei anthropomorphisierte Entitäten vor. Dear Europe hat die Form eines Briefes, der in einem vertrauten, aber herablassenden Ton geschrieben ist und mit Ironie auf die ungleichen Austauschsysteme zwischen den beiden Kontinenten anspielt.

Karo Akpokiere ist 1981 in Lagos geboren und lebt und arbeitet in Hamburg und Lagos, Nigeria. Akpokiere hat an Ausstellungen wie der IV. Biennale von Montevideo (2019), dem 20. Festival für zeitgenössische Kunst Sesc_Videobrasil in Sao Paulo (2017), „All of the Worlds Futures“ (La Biennale 2015) und Making Africa (2015) teilgenommen und im Auftrag für Nike, Europa, und Google, San Francisco, gearbeitet. 2021 wurde er mit dem Lichtwark-Förderpreis der Stadt Hamburg ausgezeichnet.

 

Kerstin Bruchhäuser
Die ortsspezifische Installation Club Tropicana / Stripes Are Free ist eine Hommage an den Sommer, das Licht und an die 1980er Jahre. Wiederholungen im großflächigen Streifenmuster, die das Auge kontinuierlich ablenken und dabei himmelwärts ein Gefühl von Rhythmus zu erzeugen. Die leuchtenden Neonfarben und der kühne Kontrast verweisen auf den Stil der 1980er Jahre, den das englische Pop-Duo Wham! verkörpert, die 1983 den Hit Club Tropicana herausgebracht haben. 

Fast über die gesamte Höhe des Gebäudes reichend und eingebettet in die Backsteinfassade verdeckt die Arbeit eine Fläche aus Glasbausteinen. Vom Treppenhaus aus wird die halbtransparente Polyesterbahn von innen beleuchtet. Größtenteils aus hochreflektierendem Stoff gefertigt, nimmt das Kunstwerk Bezug auf seine Umgebung, denn, wenn die Bahn von einer Lichtquelle wie der Sonne am Tag oder Scheinwerfern in der Nacht angestrahlt wird, sendet das Material die Lichtstrahlen zurück zur Quelle. Je dunkler es wird, desto intensiver werden die Farben; wenn man z.B. nachts die Arbeit mit einer Taschenlampe anleuchtet, wird der Stoff zu einem einzigen hellen und strahlenden visuellen Erlebnis. Das grafische Zusammenspiel der vertikalen Streifen erinnert an architektonische Elemente und schafft eine Synergie mit der Gebäudefassade, die letztlich die Wahrnehmung des Raumes neu erforscht.

Kerstin Bruchhäuser, geboren 1974, lebt und arbeitet in Hamburg. Sie studierte von 1999 bis 2005 Illustration und Kommunikationsdesign an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. 2009 fügte sie einen Promotionsstudiengang in Kunst und Design an der Bauhaus Universität Weimar hinzu, den sie mit dem PhD abschloss. Zahlreiche Ausstellungen in Berlin, Hamburg und Weimar sowie Stipendien an der Bauhaus Research School markieren seitdem ihren Weg.

 

Gerrit Frohne-Brinkmann
Gerrit Frohne-Brinkmann untersucht in seinen Arbeiten die Schnittmenge zwischen frühen Kulturformen und aktuellen populären Aufführungsformaten im Bereich der 
facettenreichen Psychologien der Unterhaltungs- und Erlebniskultur mit vergessenen Relikten, übrig gebliebenen Artefakten und Spuren, die er mittels einfacher selbstreflexiver Gesten und zeitbasierter Aktionen reaktiviert. Dabei interessiert er sich besonders für die Randbereiche der Natur- und Kulturwissenschaften. Aus einer fiktionalisierten historischen Distanz beschreibt er die Gegenwart und unser Verhältnis zu ihr und lässt scheinbar selbstverständliche Gewissheiten brüchig werden.

Mit Crying Tiger schafft Frohne-Brinkmann eine ungewöhnliche Interpretation eines öffentlichen Brunnens, indem er einen Plüschtiger so verändert, dass dieser ununterbrochen weint. Evident ist die Anspielung auf Las Vegas Shows, die Seltenheit des Tieres selbst und sein Platz als Trophäe von Großwildjägern und Schaustellern. Mit einem sprichwörtlichen Trick schlägt Gerrit Frohne-Brinkmann die Brücke zum Lebensraum der Jahrmarktstrophäe und suggeriert Momente der Illusion, der Magie und der Täuschung.

Gerrit Frohne-Brinkmann ist 1990 in Friesoythe geboren und lebt und arbeitet in Hamburg. Er studierte an der Hochschule für bildende Künste, Hamburg bei Andreas Slominski und Ceal Floyer. Zuletzt stellte er u.a. im Kunstpalais Erlangen und im Kölnischen Kunstverein aus. 

 

Ceal Floyer
Ceal Floyers Arbeiten verwenden oft alltägliche, aber meist übersehene Objekte oder Bilder, um verfremdende und etwas verblüffende Momente in die Erfahrung des Betrachters mit einem Raum einzuführen. Leichte Veränderungen an vorgefundenen Objekten, die normalerweise aus alltäglichen Erfahrungen bekannt sind (z.B. eine Haarbürste, das Schild für einen Notausgang) schaffen oft überraschende Eingriffe, die das Bewusstsein für unsere Umgebung schärfen.
Die Intervention Maximum Headroom (2014/2021) am Baum auf dem Easterfield Gelände besteht aus einer Reihe von individualisierten Verkehrsschildern, die auf unterschiedlichen Höhen die Asthöhe kennzeichnen und die exakte Durchfahrtshöhe an der jeweiligen Oberkante angeben. Das durch formale Einfachheit und Strenge charakterisierte Werk kehrt einen alltäglichen Umstand ins Absurde, indem auf ein vermeintliches Risiko hingewiesen wird, das gar nicht existiert. Gleichzeitig verweist das englische Wortspiel im Titel der Arbeit auch auf das Phänomen der Be- und Entgrenzung der Kunst, wie auch des Menschen in seiner Umgebung. Ceal Floyer befragt unsere Wahrnehmungsmuster, aber auch das Verhältnis von Zeichen und Wirklichkeit.

Am Eingang zum Festivalgelände befindet sich eine zweite Intervention der Künstlerin, in der sie an dem Ort, an dem sich der Skulpturengarten befindet, ein „Betreten Verboten – Schild“ platziert und damit auch das Ansinnen eines öffentlich zugänglichen Skulpturengarten ad absurdum führt.

Ceal Floyer wurde 1968 geboren und lebt und arbeitet in Berlin, Deutschland. Sie absolvierte einen BFA am Goldsmiths College, London, UK (1994). Zu ihren jüngsten Einzelausstellungen gehören: Lisson Gallery, East Hampton (2021), University of Michigan Museum of Art, Ann Arbor, USA (2019), Lisson Gallery, London, UK (2018), Aspen Art Museum, USA und Aargauer Kunsthaus, Aarau, Schweiz (beide 2016)

 

Iris Helena Hamers
Iris Helena Hamers' multidisziplinäre Praxis vereint Ansätze der Bildhauerei und Malerei aus einer Perspektive, die auf Beziehungen zwischen digitalen und analogen Erfahrungen zurückgreift. In ihren jüngsten Installationen enthält Hamers oft gefundene Objekte und Readymades in minimalistischen Boxen oder mit monochromen Leinwänden und kontrastiert die Überfülle des konsumistischen Lebens mit dessen versuchter Kontrolle durch Gestaltung. 

Für ihre Installation bei Easterfield hat Hamers zwei Skulpturen aus Plexiglas und Stahl angefertigt, die Objekte aus früheren Installationen inszenieren. Unter Leuchtstoffröhren-licht enthalten diese Gegenstände wie Knochen, Plastik und gefälschte Überwachungs-kameras. Damit schafft Hamers eine Art Memento mori für den zeitgenössischen Moment, das Elemente des Antiken mit dem Technologischen zusammenbringt.

 

Stefan Kern

Schon immer ging es Stefan Kern in seiner Ar- beit um eine von alltäglichen Motiven abgeleite- te Neudefinition des Skulpturenbegriffs. Seine Skulpturen erscheinen täuschend echt und gehen nur knapp spürbar an der wahren Proportion der Dinge vorbei. In dem realistischen Erscheinungs-bild steckt eine subtile Verfremdung, die sich erst verzögert zeigt und sich im Detail erweist. So erfindet Kern Schnitt- und Begegnungsflächen zwi-schen abstrakter Form und reeller Gegenständ- lichkeit. Doch die Reibungsfläche liegt nicht im Gebrauchsaspekt, sondern in subtiler Differenz von Form und Vorbild. 
Die auf dem Easterfield gezeigte Skulptur zeigt einen überdimensionalen, leicht derangierten Baustrahler, der auf einen runden Couchtisch von Ettore Sottsass gefallen scheint. 
Die mit buntem Autolack versehene Skulptur versteht sich als zwiespältige Hommage an Ettore Sottsass und das postmoderne Memphis-Design der 1980er Jahre. Es erscheint, als spielten die Referenzen verrückt und entführten uns in einen lustvollen Umgang bzw. Tabledance mit dem eigenen Konsu- mismus, der aber auch in einer Art anarchischer Aggression umschlagen kann. Doch selbst diese Aggression macht Spaß und lädt zur Transgres- sion ein. 

Stefan Kern wurde 1966 in Hamburg geboren. Er studierte 1988–1993 an der Staatlichen Kunsthochschule Frankfurt. Er lebt und arbeitet in Hamburg, stellt international aus und hat zahlreiche Objekte und Installationen für den öffentlichen Raum geschaffen. 

 

Melissa Logan
Melissa Logans multidisziplinäre Praxis vereint Ansätze von Performance, Installation, Malerei, Popmusik, Sound und neuen Medien. Ihre Themen sind geprägt von einer hinterfragenden und kritischen Herangehensweise an soziale Strukturen wie Geschlecht, nationale Identität und Ökologie. Mit Alex Murray-Leslie gründete Logan Chicks on Speed - ein Kunst- und Musikprojekt, das die Grenzen zwischen Popmusik, Performance und feministischer Kunst aufhebt.

Windeeds ist eine Klanginstallation, die aus der überholten Technologie von Fernsehantennen konstruiert wurde. Diese erzeugen ein Ad-hoc-Windspiel, das uns an die allmähliche Obsoleszenz der Technologie, die unaufhörliche Kommunikation, die Übermittlung von Informationen, den 24-Stunden-Nachrichtenzyklus sowie ihre Allgegenwärtigkeit in den Stadtlandschaften erinnert. Mit dem Blick auf dieses alte Werkzeug der Kommunikationstechnologie blickt Logan in eine Zukunft, in der unsere Kommunikationsmittel eines Tages nicht mehr in Gebrauch sein werden. Sie bittet die Besucher, sich zu entspannen und in diese Klanginstallation einzutauchen, die einen Dämmerzustand oder den Halbtraumzustand eines entspannten Körpers und Geistes anregt. Sie zielt darauf ab, Sie in einem Schwebezustand zu halten, Teil der Kulisse des Sommertags zu sein, in dem sich die Dinge verlangsamen, aber immer noch verändern.

Melissa E. Logan ist eine Künstlerin, die in Hamburg und Berlin lebt und Performance, Installation, Video, Malerei und elektronische Musik macht. Zudem ist sie ein Mitglied des Kollektivs 'Chicks on Speed'. Logan studierte Malerei an der Akademie der Künste in München.

 

Axel Loytved
Der Bildhauer Axel Loytved beschäftigt sich in seiner künstlerischen Arbeit mit alltäglichen und zufällig gefundenen Gegenständen. Häufig sind es Materialien, die erst in ihrer Verwendung durch den Menschen zu dem werden, was sie sind.  Die skulpturalen Objekte haben ihre eigenen künstlerischen Identitäten. Sie bestehen häufig aus Materialien aus dem privaten und sozialen Alltag: aus Verpackungsmaterialien, Papierresten oder auch Lebensmitteln. „Loytved hinterfragt in seiner künstlerischen Praxis die Versprechen der postdisziplinären Gesellschaft, indem er den entfremdeten Dingen des Alltags körperliches Gewicht verleiht. Seine Arbeiten fokussieren auf jenes Moment, in dem gegenwärtige Modelle der Wertschöpfung implodieren, in dem sich die Forderung, Leben und Ware in Einklang zu bringen, nicht mehr einlöst. Sie sind eine präzise Infragestellung von Verwertungsprozessen, Wert- und Bedeutungszu-schreibungen.“ (Nadine Droste). Er schafft es dabei immer mit einem Augenzwinkern, aus oftmals unspezifisch oder unfertig anmutenden Gebilden skulpturale Kunstwerke zu entwickeln, die durch einen experimentellen Materialeinsatz bildnerische Leerstellen benennen oder überbrücken können.
Auf dem Easterfield zeigt er zwei seiner Mülleimer, die leer im Raum herumstehen und dabei fest mit einbetonierten Pollern in den Boden eingelassen sind.


Axel Loytved wurde 1982 in Bad Mergentheim geboren und lebt und arbeitet in Hamburg Bis 2009 Studium studierte er Freie Kunst an der HBK Braunschweig bei Prof. Raimund Kummer. Er ist Mitbegründer der Freien Klasse Braunschweig (2003), der Künstlergruppe alibi kolektif (2005) und sist eit  2006 einer der Betreiber des Kunstverein St. Pauli. 2009/10 war er Stipendiat des Stipendiums Junge Kunst in Essen im Kunsthaus Essen und anschließend im Researcher Programm der Jan van Eyck Academie Maastricht.

 

Franziska Opel
Franziska Opels Installationen bewegen sich zwischen Bild und Skulptur – so kippen ihre Skulpturen ins zeichenhafte und ihre Bilder erscheinen multi-dimensional. Momente und Formeln der Bildgeschichte werden in präzise Grafiken übersetzt, in räumliche Oberflächen und flächige Formen, die oft gleichermaßen bedrohliche wie anziehende Figurationen bilden.

In ihrer Arbeit Sneaky Days bilden Buchstabenformationen aus Edelstahl schimmernde Linien im Gras. Die aneinander gesetzten S-Formen erzeugen eine schlangenartige Bewegung; auch phonetisch erinnert der Buchstabe S an das Zischen einer Schlange. Schlangen spielen in der Kulturgeschichte und Mythologie und darauf aufbauend in der Kunst und Literatur eine große Rolle: So verführte in der alttestamentlichen Schöpfungsgeschichte der Bibel eine Schlange Adam und Eva, die Frucht vom Baum der Erkenntnis zu kosten. Oftmals ist das Erscheinen einer Schlange auf offenem Gelände mit Angst besetzt. Diese Angst scheint einen evolutionären Ursprung zu haben und gilt als natürliches Warnsystem. Diese vom Gras umgebende(n) Skulptur(en) können fälschlicherweise übersehen und betreten werden. In ihrer auratischen Makellosigkeit verführen sie den Betrachter dazu, Teile der Skulptur mit nach Hause zu nehmen. Die S-Formen sind allerdings tiefer in den Boden verankert, als man annehmen würde. 

Franziska Opel, geboren 1984, studierte an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg bei Matt Mullican und Wigger Bierma. 2012 erhielt sie das Jahresstipendium der Karl H. Ditze Stiftung, 2017 einen Artists in Residence-Aufenthalt in Helsinki. Seit 2015 ist sie Herausgeberin der kunst- und kulturkritischen Online-Plattform HARTIKEL, die sie gemeinsam mit Mitko Mitkov als Printversion veröffentlicht.

 

Harald Popp
Realität/Fiktion, echt/unecht, öffentlich/privat, Mensch/Maschine – wie positionieren wir uns zu diesen Begriffen – oder werden Sie als Ordnungen immer unwichtiger? Verhalten sich diese Gegensatzpaare noch konträr zueinander? Wie prägt digitale Ästhetik, generiert durch den Code eines Algorithmus, unsere Wahrnehmung und letztlich unsere Art des Denkens? Fragen nach Autorenschaft und Autonomie stellen sich zunehmend in Zeiten von Digitalität und Artificial Intelligence – auch in der künstlerischen Produktion. Digitale Bilder bilden nicht nur unsere Umgebung ab, sie konstruieren und konstituieren sie gleichzeitig. Mit anderen Worten: Sie verändern unsere Sicht auf die Welt. Die Annahme, dass wir es tagtäglich mit bereits manipulierten, digitalen Bildern zu tun haben – mit diesem Unbehagen spielt der Künstler Harald Popp. So erscheinen die entworfenen Bildwelten zunächst am Rechner zusammengesetzt, also digital erzeugt. Tatsächlich handelt es sich bei den Arbeiten jedoch um Objektinszenierungen “realer” Dinge – Figuren vom Trödel, Vasen und anderer Artefakte – die klassisch analog in einem Aufbau arrangiert und fotografisch erfasst werden. Bei den Zusammenstellungen achtet der Künstler auf eine möglichst flächige Anmutung – die Darstellung räumlicher Tiefe wird bewusst unterbunden. Das Echte erscheint im Bild – unecht.
Auf dem Gelände des Easterfield zeigt er eine Plakatarbeit Untitled/Merge und trägt sein Werk auf einem Billboard in den öffentlichen Raum. Das Sujet des Plakats verschwindet in dem Grün seiner Umgebung.

Harald Popp wurde 1974 in Illertissen geboren und lebt und arbeitet in Hamburg. Von 1998 – 2005 hat er an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg studiert. Zuletzt hat er in der Galerie Karin Günther, dem Westfälischen Kunstverein in Münster und dem Kunstverein Harburger Bahnhof in Hamburg ausgestellt. 2020 erhielt er das Förderstipendium der ZEIT-Stiftung.

 

Paul Spengemann
Die Arbeit "Rattenschränke" stammen aus einer Serie virtueller Skulpturen und Architekturen, an denen Paul Spengemann seit 2020 arbeitet. Inspiriert von Computerspielstrukturen wie Sims oder Second Life, in der die Spieler*innen ihre eigenen Häuser bauen, einrichten und an die Community weiterverkaufen, entwirft er Schränke mit Hilfe von Open-Source 3D Software als fiktiven Wohnraum für Ratten. Die Ratte lebt im Schatten unserer Städte, oft in vielfacher Anzahl zur menschlichen Population. Sie ist dabei nicht nur eine Überlebenskünstlerin, sondern auch Überträgerin von Krankheiten. 

Bei seiner ersten Begehung des Easterfield Geländes stieß Spengemann auf eine schwarze Rattenköderbox an der Rückwand des Geländes. Mit der Schranktapete entwickelt er eine Narration, die mit der Vorstellung spielt, dass Ratten in diesem Areal gelebt haben, leben oder bald einziehen könnten. Die umfunktionierten Wandschränke oder Regale setzen sich assemblagenhaft aus 3D-Objekten, die er auf Stockfotografie - Plattformen für Möbel und Einrichtungskataloge findet, und aus Materialen seiner eigenen Studiopraxis zusammen. Die Schränke funktionieren wie ein zweiter unaufgeräumter Schreibtisch, auf dem digitales Recherchematerial abgelegt wird, das bisher keine Verwendung gefunden hat. Wenn man genau hinschaut, entdeckt man chaotische Ansammlungen von Restmaterial und Zettelhaufen – mit der Hoffnung, dass die Ratte, die sich bestens mit menschlichen Abfällen auskennt, noch etwas damit anfangen kann. Im Idealfall geben diese simpel tapezierten Trompe-l’œils dem "Skulpturengarten" einen Backdrop, der an der Schnittstelle von Skulptur vielleicht mehr über sie nachdenkt als wirklich eine zu sein scheint. 

Paul Spengemann (* 1987) studierte bei Angela Schanelec und Andreas Slominski an der Hochschule für bildende Künste, Hamburg und war 2016 Stipendiat an der Goldsmiths, University of London. Die Werke des Columbus-Förderpreisträgers wurden national und international auf Filmfestivals und Kunstinstitutionen gezeigt. 2017 wurde Spengemann mit dem Bundespreis für Kunststudierende sowie dem Art Cologne Award for New Positions ausgezeichnet. Er ist Mitbegründer des Filmlabels, Spengemann Eichberg Goldkamp Hans und lebt und arbeitet in Hamburg.

 

Hoda Tawakol
Das Werk Hoda Tawakols reflektiert ihren biografischen Hintergrund zwischen den Kulturen des Nahen Ostens und des Westens. In ihrer Falconry Serie referiert Hoda Tawakol auf die Beizjagd. Diese traditionelle Jagdmethode mit Falken wurde bereits im alten Ägypten praktiziert und wird bis heute im Nahen Osten angewandt. Sie ist männlich dominiert. Die Skulptur Lure #22 bezieht sich auf den Köder, ein wichtiges Instrument der Falknerei, welches zum Trainieren von Falken eingesetzt wird. Es dient dazu, den Jagdinstinkt eines Falken zu wecken und zu kontrollieren. Der Köder, der von Falknern verwendet wird, hat die Form eines Gegenstandes, der einem Vogel oder einem pelzigen Kleintier ähnelt. Er ist an einem dünnen Seil befestigt, das von einem langen Stock gehalten wird. Durch das Schwenken des Stockes und die Bewegungen des Köders simuliert der Falkner die Bewegungen der Beute. Er stimuliert oder hemmt den Jagdinstinkt seines Falken mit dem Ziel, ihn zu kontrollieren. Auf ein menschliches Maß vergrößert und die Formen eines weiblichen Körpers evozierend, stellt der Köder die Interaktion zwischen Jäger und Beute, Betrachter und Objekt und zwischen Begehren und Kontrolle in Frage.

Hoda Tawakol wurde 1968 in London geboren, hat ägyptische Eltern, wuchs in Paris auf und studierte von 2006 – 2011 an der HfBK in Hamburg in der Klasse von Andreas Slominski. Hoda Tawakol lebt und arbeitet in Hamburg.

 

Gesa Troch
Die skulpturale Praxis von Gesa Troch entspringt ihrem Interesse an den Beziehungen zwischen Biologie und Form. Die Künstlerin untersucht Transformationsprozesse, Verflechtungen und kollaborative Strukturen wobei in ihren malerischen, skulpturalen Objekten das Feld des Materiellen und Immateriellen im Vordergrund steht. Körperliche und sinnliche Wahrnehmungen und Erfahrungen wie Weichheit, Glanz oder Klebrigkeit werden akzentuiert und das Abjekte und Ephemere reflektiert. Inspiriert von ökofeministischen Denkern sucht Troch nach Assoziationen zwischen menschlichen Kulturformen und natürlichen Phänomenen, um Installationen zu schaffen, die das Gemeinsame und Trennende zwischen den Beiden evozieren.

Die hier gezeigten Skulpturen aus der Serie mit dem Titel Units / Longing for Togetherness zeigt vorgefertigte Campingzelte, die von Troch verändert wurden. Überzogen mit einer Collage aus Digitaldrucken, die ihre Skulpturen aus Keramikschnecken abbilden, verwandelt Troch diese funktionalen Objekte in psychedelische Hüllen und spielt dabei mit der Bedeutung von Schneckenhäusern. Als Objekte wecken diese Zelte Assoziationen an Festivalsituationen, Neo-Hippie-ismus und Formen des transitorischen oder utopischen Lebens. Ihre Bildsprache erinnert an die abstrakte Erscheinung der mikroskopischen Fotografie, die die Miniaturwelt der Biologie aufbläst, in der Muster und Spiegelungen ganz natürlich vorkommen.

Gesa Troch (1983*) lebt und arbeitet in Hamburg. Sie studierte von 2013-2020 bei Prof. Jutta Koether, Prof. Dr. Hanne Loreck, Kerstin Brätsch und Sam Durant an der HFBK Hamburg. Ihre Arbeiten waren unter anderem im Kunstverein Harburger Bahnhof; Hamburg, in der Galerie Melike Bilir und im Kunsthaus Hamburg zu sehen. 

 

Goodgurlsgang
Die Motive der vier Gurls sind bunt, bold und brechen oft mit Tabuthemen. Neben feministischen Inhalten findet auch ihre Liebe zu Tieren und Snacks Platz an der Wand. Ob hart oder zart, ob plakativ oder detailliert - hinter jedem Bild steckt eine Message.
POLSKA, leopadra und Lazy Liz geben auf dem Easterfield Festival Einblick in ihre Köpfe und Ereignisse, die sie zur Zeit bewegen. AMIGA unterstützt die drei dieses Mal aus der Ferne.

Summer Staring Contest (links) - Lazy Liz
Sobald weibliche nackte Haut zu sehen ist, wird gestarrt, als gäbs kein Morgen mehr. Und das nervt nicht einfach nur, es schüchtert auch ein und belästigt.
Der Struggle im Sommer als Frau durch die Welt zu gehen ist real. Stop your fucking Staring Contest!

When life hits hard - leopadra
Es gibt Tage im Leben, da fühlt sich der Körper an, als wäre er nicht mehr der eigene. So fühlt sich meine Depression an. When life hits hard drückt mein inneres Gefühl von Einengung und Leere aus und gibt einen Einblick in meine Welt von Mental Health.

Nipplegum For Everyone (rechts) - POLSKA
Vorstehend, flach, prall oder haarig. No nipples are free until all nippels are free. Was verhindert die Entblößung? Ist es die Sexualisierung des als weiblich gelesenen Nippels oder die Angst vor einem saftigen Bußgeld? Das Recht auf freie Nippel für alle Menschen ist Freiheit, ist Gleichberechtigung.

Das Künstlerinnen-Kollektiv goodgurlsgang aus Hamburg und Berlin wurde im Sommer 2020 von POLSKA, leopadra und Lazy Liz gegründet.

Upcoming events

Guided Tour

Public Guided Tour

Thursday, 30.9.2021, 17 Uhr

Curator’s Guided Tour

With Bettina Steinbrügge

Thursday, 7.10.2021, 17 Uhr

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