Susanne Kriemann

12650 (1951), 2011

1500* Euro

Susanne Kriemann (*1972, lebt in Berlin und Rotterdam) nähert sich ihren Motiven auf fast wissenschaftliche oder journalistische Weise an. Ihr Interesse gilt der Architektur(geschichte) und den damit zusammenhängenden gesellschaftlichen Funktionen ebenso wie dem kollektiven Bildgedächtnis. Auf den ersten Blick suggerieren ihre Fotografien eine Bedeutsamkeit und einen historischen Kontext, der sich allerdings nur auf den zweiten oder dritten Blick erschließt. Mit ihren Hintergrundinformationen geht sie sehr sparsam um, überlässt die Assoziationen und Deutungen den BetrachterInnen. So verhält es sich auch mit der Arbeit "12650 (1951)" aus dem Jahr 2011, der aktuellen Jahresgabe für den Kunstverein Hamburg. Hinter der scheinbar kryptischen Zahl verbirgt sich das Gewicht des Schwerbelastungskörpers in Berlin Tempelhof, der 1941 von Albert Speer errichtet wurde, um den märkischen Boden für seine Welthauptstadt Germania zu testen. Der monströse Betonzylinder ist 14 m hoch, hat einen Durchmesser von 21 m und wiegt besagte 12650 Tonnen. Die Fotografie ist Teil einer Arbeit, die sie erstmalig im Rahmen der 5. Berlin Biennale 2008 präsentierte, für die sie sowohl Archivaufnahmen als auch aktuelle, geigene Fotografien kombinierte. Im speziellen Fall handelt es sich um ein Zeitungsfoto aus dem Jahr 1951, welches eingescannt und im Anschluss auf Fotopapier (Barytpapier) ausbelichtet wurde. Es ist ein doppelter Transformationsprozess, bei dem der Druck wiederum in eine Fotografie überführt wird, die eigentlich das ursprüngliche Ausgangsmaterial bildete. 

Susanne Kriemann studierte an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und der Ecole Nationale Superieure des Beaux Arts in Paris. Ihre Arbeiten wurden kürzlich in Einzelausstellungen in der Kunsthalle Winterthur (2011), der Berlinischen Galerie (2010) und im Künstlerhaus Stuttgart (2009) gezeigt.

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