Lerato Shadi

Batho Ba Me, 2020

1800* Euro

Lerato Shadi (geboren in Mahikeng, Südafrika, lebt und arbeitet in Berlin) untersucht westliche Geschichtsauffassungen und macht mit ihren Arbeiten das Unsichtbare oder Übersehene darin sichtbar. Ihre künstlerische Praxis fokussiert dabei auf Körperpolitiken und nimmt insbesondere Bezug auf Erfahrungen, die sich in Körper einschreiben. In Medien wie Zeichnung, Performance, Film und Installation thematisiert sie institutionelle Gewalt, patriarchale und koloniale Strategien des Ausschlusses oder Vergessens und widerständige subjektive Erzählungen.

Batho ba me ist eine Floskel auf Setswana, die insbesondere als Ansprache in politischen Reden auftaucht und übersetzt in etwa „Mein Volk“ oder „Meine Mitmenschen“ bedeutet. Shadi nutzt seit einigen Jahren häufig Setswana, um Ausstellungen und Arbeiten zu benennen. Bereits über diese Sprachwahl stellt Shadi Fragen nach Inklusion und Exklusion: Wer wird auf welche Weise angesprochen und wer nicht? Setswana ist heute eine von elf Amtssprachen Südafrikas und wird von knapp 10% der Bevölkerung gesprochen. Zu Zeiten der Apartheid war Setswana eine der unterdrückten Sprachen des Landes.

Die Jahresgabe zeigt in schwarzer Schrift auf rotem Grund den Wortlaut „We the people“ (Wir, das Volk). Dabei handelt es sich um eine Formulierung, die weltweit in vielen Staatsverfassungen in der Präambel zu finden ist. Shadi spitzt diesen Schriftzug durch zwei Neonelemente zu der Frage „Are we the people?“ (Sind wir das Volk?) zu, die sich direkt an die Betrachter*innen richtet. Für wen ist das „Wir“, das hier behauptet wird, tatsächliche Realität und wie wird das „Wir“ definiert? Shadi verweist auf eine grundlegende Diskrepanz von Ein- und Ausschluss, die immer dann auftritt, wenn Gemeinschaften sich konstituieren. Insbesondere in politischen Diskursen wird das „Wir“ verwendet, um ein Gemeinschaftsgefühl zu behaupten, das kritisch hinterfragt werden muss. Debatten über den Zugang zu Bürger- und Menschenrechten zeigen wiederholt, dass die Frage nach dem „Wir“ stets problematisch ist.

  • Ausstellungen:
  • 2020
  • Maru a Pula Is a Song of Happiness, KINDL – Centre for Contemporary Art, Berlin (E)
    #UNFINISHEDTRACES: Batho Ba Me, Kunstverein in Hamburg (E)
    The Power of My Hands, Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris (G)
    Times You Have Known, nbk, Berlin (G)
  • 2019
  • Lefa Le, Black History Month Florence, SACI Gallery, Florenz (G)
    Seeds for Future Memories, ifa Galerie, Berlin (G)
    Sound on the 4th Floor, kuratiert von Gerwald Rockenschaub, Daimler Contemporary, Berlin (G)
  • 2017
  • MINE—The Film Will Always Be You, Tate Modern, London (G)
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