Workshops

Unsere Workshops sprechen verschiedene Gruppen an und sind auf deren unterschiedliche Bedürfnisse zugeschnitten. In diesen Workshops werden zeitgenössische künstlerische Fragen und Themen diskutiert oder künstlerische Techniken und Fragestellungen erlernt oder vertieft.

Wir gehen in diesem Programm auch gerne auf Wünsche von außen ein. Bitte kontaktieren Sie uns.

Generating Talk

Von Februar 2016 bis Januar 2017 fanden im Kunstverein in Hamburg in regelmäßigen Abständen Zusammenkünfte mit geflüchteten syrischen Familien statt. Menschen suchen nach ihrem Glück war ein Forum für Diskussion und wechselseitigen künstlerischen Austausch.

Mithilfe der Fotografie arbeiteten die Projektteilnehmer*innen ihre neue Lebenssituation in einer ihnen fremden Stadt und Kultur auf. Dabei diente die praktische Arbeit mit der Kamera nicht selten als Kommunikationswerkzeug – die Übersetzung des eigenen Blicks auf die Welt in ein Bild vermag Hürden zu überwinden, an denen gesprochene Sprache zunächst scheitert. Nach einer technischen Einführung in die Grundlagen der Fotografie begannen die TeilnehmerInnen mit ihrer individuellen Dokumentation des Projekts. Die Kamera war fortan ständiger Begleiter bei gemeinsamen Treffen, Ausstellungsbesuchen und Exkursionen.

Generating Talk

An der Fensterfront des Kunstvereins fand sich bis August 2016 eine grafische Darstellung, welche die Anzahl der Asylanträge abbildete, die von Juni 2015 bis Mai 2016 in Deutschland gestellt wurden. Ausgewählte Fotos der TeilnehmerInnen wurden in dieser grafischen Gestaltung präsentiert und fügten den abgebildeten Fakten so eine subjektive, individuelle Perspektive hinzu.

Die Auseinandersetzung mit den im Kunstverein ausgestellten künstlerischen Positionen ließ die ProjektteilnehmerInnen zu Fragenden und Befragten werden. Individuelle Erfahrungen, Sichtweisen und Interpretationen wurden im Verlauf der Treffen kommuniziert und diskutiert. Gedichte arabischer LyrikerInnen wie Hanane Aad, Sabah Zouein oder Fuad Rifka gewährten einen Zugang zur Auseinandersetzung mit Themen wie Abschied, Neuanfang und Hoffnung. Neben veränderten Lebensbedingungen und kulturellen Stereotypen wurden innerhalb der Gruppe auch eigene Vorurteile hinterfragt: Wie ist die Haltung des Islam zum Feminismus? Was denken Mütter und Jugendliche über die Verschleierung der Frau?

Für die Beschäftigung mit feministischen Debatten sowie nationalstaatlichen Ideologien bot die Ausstellung der französischen Künstlerin Lili Reynaud Dewar TEETH, GUMS, MACHINES, FUTURE, SOCIETY (24.09. – 20.11.16) diverse Anknüpfungsmöglichkeiten. Die TeilnehmerInnen beschäftigten sich mit Ausschnitten aus Donna Haraways Essay A Cyborg Manifesto von 1985, dem in Reynaud Dewars Arbeit eine zentrale Stellung zukommt. Haraway verweist auf die veränderten Kategorien von Klasse, Rasse und Gender in der Gesellschaft vor dem Hintergrund potentiell zunehmender Schnittstellen von Mensch und Maschine. Im Zuge dessen betont sie das problematische Fortwirken des Patriarchats, des Kolonialismus, Essentialismus und Naturalismus. Die ProjektteilnehmerInnen diskutierten die Möglichkeiten objektiven Wissens und die von Haraway formulierte These zur konstruierten kulturellen Identität: So haben sie in Deutschland nicht das in Syrien verbreitete Bild des ausschließlich sorglosen Lebens vorgefunden. Zugleich herrscht in Europa die verzerrte Idee der fremdbestimmten arabischen Frau. Das Bewusstsein um jene Konstruktionen sowie deren Hinterfragung wurde von allen TeilnehmerInnen als Herausforderung verstanden.

Generating Talk

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