3.1.
Donnerstag
2019

Filmprogramm

Zwei Filme von Jean-Marie Straub & Danièle Huillet

En rachâchant und Klassenverhältnisse

Im Rahmen der Ausstellung Klassenverhältnisse - Phantoms of Perception im Kunstverein in Hamburg zeigt das Metropolis Kino Hamburg an mehreren Abenden im Januar 2019 thematisch ausgewählte Filme.

3.1.2019, 19 Uhr

En rachâchant

Drehbuch und Regie: Danièle Huillet und Jean-Marie Straub nach Marguerite Duras, 35 mm, s/w, 7 min, 1982

En rachâchant basiert auf der Kurzgeschichte Ah! Ernesto! (1971) von Marguerite Duras, in der das Kind Ernesto nicht mehr zur Schule gehen will, da alles, was ihm beigebracht wird, Dinge sind, die er nicht weiß. Was Straub und Huillet interessiert, ist die Vermeidung, zu zeigen, was der Autor sieht, indem er sagt: "Wir können nicht veranschaulichen, was er sieht, das würde die Phantasie blockieren.... Was uns interessiert, ist der Text, der durch die Handelnden verkörpert wird, durch die Dialoge, aber nichtdurch  die Handlung der Geschichte... Es gibt keinen Film, in dem der Text mehr Teil der Menschen ist, als in unseren Filmen! Die Filme und ihre Texte gelangen in das Innerste des Menschen, weil sie in monatelanger Arbeit akribisch gedreht werden. Das ist eine Form der Populärkultur." En rachâchant thematisiert diese Spannung zwischen legitimem Wissen, das in den Schulen vermittelt wird, und der Populärkultur. Hier ist es der Schüler, der in ein neues und revolutionäres pädagogisches System kommt. Der Film ist eine Lektion, die eine Form des Widerstandes gegen die Institution lehrt und sich mit einer politischen Reflexion über das Bildungssystem sowie über den Status von Kindern befasst.

 

Klassenverhältnisse

Drehbuch und Regie: Danièle Huillet und Jean-Marie Straub, nach dem Romanfragment Der Verschollene von Franz Kafka, 35 mm, s/w, 126 min, 1984

Franz Kafkas Romanfragment Der Verschollene wird in der filmischen Adaption von Danièle Huillet und Jean-Marie Straub zu einer Allegorie über eine kapitalistische Gesellschaft, die in keiner spezifischen Zeit und in einem fiktiven Amerika spielt. Dieser Film spielt in einer Zeit, in der Europa arm ist, in der seine Menschen, um zu überleben, sich aufmachen in die reichen Länder und extrem abhängig davon sind, dass andere human mit ihnen umgehen. Dem Film liegt Franz Kafkas erster Roman zugrunde. Der Titel "Amerika", den Max Brod, Kafkas Freund und Herausgeber, dem posthum erschienenen Werk gab, benennt einen fixierbaren Ort, während der ursprüngliche Titel "Der Verschollene" ein Nicht-Erreichen ausdrückt, welches die europäische Literatur seit ihren Anfängen beschäftigt. Schon Odysseus war ein Reisender. Er erkundete die antike Welt und geriet in dauernde Versuchung, die Grenzen des Bekannten zu überschreiten. Kafkas Reisender Karl Rossmann ist ein Sinnbild für Europas Moderne. Für ihn gibt es, anders als für Odysseus, keinen Weg zurück ins Vertraute, keinen festen Platz mehr.

Der Film wird erstmalig in der neuen digitalen Fassung zu sehen sein, die das arsenal in Berlin in 2018 erstellt hat.

Nächste Termine
Schließen