Montag, 14.1.2019,
21:15 Uhr

Filmprogramm

Zwei Filme von Thom Andersen und Alexander Kluge

Get Out Of The Car und Die Artisten...

Im Rahmen der Ausstellung Klassenverhältnisse - Phantoms of Perception im Kunstverein in Hamburg zeigt das Metropolis Kino Hamburg an mehreren Abenden im Januar 2019 thematisch ausgewählte Filme.

14.1.2019, 21.15 Uhr

Get out of the Car

Regisseur/Director: Thom Andersen, 16mm, Farbe, Ton, 34 min, 2010

Aus Gebäudefassaden, oft ungenutzten Werbetafeln, religiösen Bildern und Resten kultureller Zeichen in peripheren, verlassenen Arealen und im Latin Quarter von Los Angeles komponiert Andersen eine Stadtsinfonie in 16mm – versetzt mit Dialogfragmenten, Verkehrs- und Industriegeräuschen, getragen von Populärmusik aus L.A. von 1941 bis 1999. «It’s kind of a film about absence», erklärt Andersen schon zu Beginn im Film. Um diese Abwesenheit zu bemerken, muss man allerdings aus dem Auto aussteigen.

Thom Andersen hat als Schauspieler in Klassenverhältnisse mitgespielt.

 

Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos

Regisseur/Director: Alexander Kluge, 1968, 103 min

Der Film begleitete Adornos letzte Arbeit, die "Ästhetische Theorie". Die Dreharbeiten fanden unter dem Eindruck des studentischen Protests von 1967 statt. Das merkwürdige Unterhaltungsmittel "Zirkus" (völlig entgegengesetzt dem "römischen Zirkus") entstand in Europa während der Großen Französischen Revolution. Der Zirkus spiegelt das Allmachtsgefühl und das Tempo jener "neuen Zeit", deren Elan später nie wiedergewonnen wurden. Zwei Erfahrungen der Leni Peikert: "Nichts ist unmöglich" und "Sich Mühe geben allein nützt gar nichts". Der Film ist anti-defätistisch. Leni Peikert ist nicht davon abzubringen, immer neu anzufangen. Ihre prophetische Kraft hat den Protest überdauert. Am Ende des Films heißt es: "Mit großen Schritten macht man sich nur lächerlich. Aber mit lauter kleinen Schritten könnte ich Staatssekretärin im Auswärtigen Amt werden." Die Frankfurter Kritische Theorie (ich war ab 1958 als Jurist für das Institut für Sozialforschung, der Kernzelle dieser Theorie, tätig), kollidierte mit dem studentischen Protest. Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos ist eine filmische Anwendung von Auffassungen der Kritischen Theorie. Aus Anlass der Ausstrahlung des Films im ARD-Programm fand im WDR eine Diskussion statt. Hier, also in einer Sphäre, die Marx zum "gesellschaftlichen Überbau" zählen würde, war die kulturrevolutionäre Basislinie des Protests soeben angelangt. Krach zwischen den Fronten. Ein Zeitdokument. (Alexander Kluge)

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